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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-04-23 · Heft 17 (23.4.1867) · p. Seite 346

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 17 (23.4.1867)
Date
1867-04-23
Page
Seite 346 (sequence 18)
Language
German
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346 Senator ernannt worden, übernahm er kurze Zeit darauf wieder das Portefeuille als Staatsminister und Minister des Hauses des Kaisers und zählt jetzt als unbedingter Anhänger der Politik des Elysse. In seiner neuen Stellung hat Fould die Vorarbeiten zur Weltausstellung von 1855 geleitet, der großen Oper als Staatsanstalt eine neue Einrichtung gegeben und den Ausbau des neuen Louvre vollendet. 1860 trat er vorn Ministerium der Finanzen zurück, dazu veranlaßt durch Mehrausgaben im kaiserlichen Haushalt, denen er nicht hatte steuern können. Das Vertrauen des Kaisers blieb ihm und im November 1861 wurde er zurückgerufen, um die Finanzen zu reformiren. Der Kaiser adoptirte ein System, das Fould in einer Denkschrift erörtert hatte und welches nach der einen Seite hin darauf beruhte, daß der Kaiser den außerordentlichen und Supplementärer editen entsage, auf der ander Seite aber dem gesetzgebenden Körper bei der Berathung des Budgets freieren Spielraum gewähre. Das Land har diese als großes Zugeständnis ausgerufene Maßregel kühl ausgenommen und will sich nicht zu dem Glauben bekehren, daß die von Fould gethanen Schritte, Rentenconversion und Steuererhöhung eine wohlfeile Negierung herbeiführen werden. Bei den Spekulanten hat sich Fould durch Entfernung der Drehkreuze an der Börse in große Gunst gesetzt. Es verblieb in diesem Ministerium bis 1867, wo er einsteilen in das Privatleben zurücktrat. 4. Dr. Gabriel Rießer. Wir haben in Nr. 20 des Jahrgangs 1868 ff. einen ausführlichen Nekrolog Rießers gegeben, und ist vor wenigen Wochen die umfängliche Biographie desselben von Di*. Jsler erschienen. Wir können daher hier nicht in die Details seiner Lebensverhältnisse eingehen, auch nicht eine Würdigung seiner Verdienste um die Sache der Gewissensfreiheit in Deutschland, besonders um die Gleichstellung der Juden vornehmen, vielmehr beabsichtigen wir, auf seine Wirksamkeit als Volksvertreter, dem Zwecke dieser Rubrik gemäß, aufmerksam zu machen. Gabriel Rießer war am 2. April 1806 zu Hamburg geboren, das jüngste von fünf Kindern des Lazarus Jacob Rießer, eines Sohnes des Oettinger-Wallerstein'- schen Rabbinen; seine Mutter war eine Tochter des Oberrabbinen Raphael Cohen zu Altona. Sein Vater siedelte 1813 nach Lübeck über, wo er die Stadtlotterie in Pacht nahm, mußte aber, da diese Stadt die unter französischer Oberhoheit in Lübeck angesiedelten Juden wieder vertrieb, 1819 nach Hamburg zurückkehren. Gebriel besuchte das Lübecker Gymnasium von 1817—1820, von da ab das Hamburger Johanneum. 1824 gieng er auf die Universität Kiel, um Jurisprudenz zu studieren, weil er hoffte, die sonst den Juden in Hamburg versagte Advokatur im Interesse der Hamburg'schen und Holpein'schen Juden zu erlangen. . Nach einem Jahre ging er nach Heidelberg, und machte dort am 20. Dezember 1826 sein Examen als Doktor beider Rechte. Seine Aussichten in Hamburg verwirklichten sich nicht, und er ging daher 1827 nach München mit der Hoffnung, sich an dieser neuen Universität habilitiren zu können. Aber weder hier noch in Heidelberg konnte er die Erlaubniß, als Privatdozent sich niederzulassen, erhallen. Auch ein Versuch in Jena zu gleichem Zwecke schlug fehl. Durch die Julirevolution in Paris war auch in Deutschland der politische Geist geweckt worden, und unter diesen Eindrücken, sowie unter denen so vieler 'fehlgeschlagenen Hoffnungen fühlte sich Rießer gedrungen, für die bürgerliche Freiheit, besonders seiner Glaubensgenossen einzutreten. Seine bekannten Schriften über diesen Gegenstand folgten sich seit 1831 schnell, und er gab 1832 periodische Blätter „der Jude" heraus. Rießer kehrte nach Hamburg zurück, trat eine Zeit lang in die Redaktion einer dortigen Zeitung ein, entschloß sich aber, da alle Bemühungen, eine Verbesserung der gesetzlichen Verhältnisse seiner Glaubensgenossen dort zu erlangen, fehlschlugen, 1836 mit seiner ganzen Familie nach Bockenheim in Kurhessen, nicht weit von Frankfurt, überzusiedeln. Allein auch hier konnte er das Staatsburgerthum nicht erlangen und seine Versuche in einem Prozeß des Kurfürsten einen Auftrag zu erhalten und für das Recht wirksam zu sein, hatten keinen Erfolg. Endlich erhielt er 1839 ein Notariat in Hamburg und kehrte dahin zurück. Das Jahr 1848 kam. Am 12. März traten 7 Männer zusammen, um alle früheren und damaligen Ständemitglieder und Theilnehmer gesetzgebender Versammlungen, sowie andere, durch das Vertrauen des deutschen Volkes ausgezeichnete Männer auf den 30. März zu einem Vorparlamente in Frankfurt am Main einzuladen. Unter diesen war auch Rießer. In den bis zürn 4. April stattfindenden Sitzungen machte sich Rießer durch die gewandte Auseinanderwickelung einer schwierigen Fragestellung bemerklich, wodurch er den Verlegenheiten des Präsidenten und. der Versammlung zu Hülfe kam. Rießer redete über die Wahlart der Abgeordneten zum Parlament und empfahl das Formale derselben, ob direkte oder indirekte Wahlen, den einzelnen Staaten zu überlassen. Der Beschluß fiel in seinem Sinne aus, und freilich wurde über den Erfolg desselben viel gestritten. Jedenfalls geht daraus hervor, daß Rießer schon damals der radikalen Partei nicht angehörte, sondern den Weg der Vermittelung zu bestreiten suchte. Hierin leitete ihn sein Rechtsgefühl, welches ihn auch der entgegengesetzten Parteien Ansprüche zu berücksichtigen hieß, wodurch jedoch andrerseits in einer so bewegten Zeit Schwankungen und Nichterfolge vorbereitet wurden. Bald nach seiner Rückkehr von Frankfurt schrieb er „Ein Wort über die Zukunft Deutschlands," in welchem er die constitutionelle Monarchie, ein Staatenhaus und ein Volkshaus für Deutschland empfahl. In die deutsche Nationalversammlung wurde er im Herzogthum Lauenburg gewählt, wo er in einer in Schwär-

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