Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1867)
- Date
- 1867-04-23
- Page
- Seite 340 (sequence 12)
- Language
- German
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340 gewacht, daß die Schulzöglinge während der langen Pause geeigneten Correpetitions - Unterricht genossen um nicht müßig zu sein, und das Erlernte nicht zu vergessen. — Seit 1. November 1866 findet der regelmäßige Schulunterricht wieder statt, und hat die An« zahl der Schulzöglinge wieder bedeutend zugenommen, so daß alle Klassen abermal überfüllt sind, und ungeachtet der Ausschuß mit Ihrer Bewilligung im verflossenen Jahre zwei neue Klassen errichtete, mußte doch eine große Anzahl von sich meldenden neuen Schülern wegen Mangel an Raum bedauerlicher Weise zurückgewiesen werden." „Diesem schreienden Uebelstande kann nicht mehr durch Palliativmittel abgeholfen werden. Die Errichtung eines entsprechenden geräumigen Schulhauses, wie es dem Bedarf und der Würde der großen Gemeinde Pest angemessen — tritt an uns als unabweisliches Erforderniß heran, und kann nicht mehr verschoben werden. — Bereits im Frühjahre 1866 wurde über Antrag unserer Schulsection unter Vorsitz unseres eifrigen Schulvorstehers Herrn Holitschcr, eine große Commision mit der Mission betraut, geeignete Vorschläge zur Erbauung eines entsprechenden neuen Schulhauses auszuarbeiten. — Sie hat sich auch dieser Aufgabe mit aller Liebe und mit allem Eifer unterzogen, — leider aber mußte auch sie in Mitten der hereingcbrochenen verhängnißvollen Zeit ihre Arbeiten unterbrechen, aber bei den gottlob wieder günstig und ruhig gestalteten Zeitverhältnissen hat sie nun wieder ihre Thätigkeit mit verdoppeltem Eifer begonnen, und läßt sich bei dem guten Geiste unserer Gemeindeglieder, bei ihrer warmen Sympathie für Alles was wahrhaft Noth thut, der beste Erfolg für daö baldige Zustandekommen dieses unentbehrlichen neuen Schulhauses in Aussicht stellen — wozu bereits durch ansehnliche Spenden mehrerer achtbarer Gemeindeglieder der Anfang gemacht worden ist." „Der Religionsunterricht für alle israelitischen Schulzöglinge in den öffentlichen und Privatschulen außerhalb der Gemeindeschulen war bisher sehr erschwert und lückenhaft, weil der hierzu bestellte Religionslehrer kaum mit seiner Zeit ausreichte, um von einer Anstalt zur andern zu wandern. — Der Gemeinde-Ausschuß hat über Antrag der Schulsection zum Behufe dieses Religionsunterrichtes das frühere Local des Cultustempels im Baron Orczyschen Hause eingeräumt, welches von der Gemeinde ohnehin nur zweimal des Jahres zu Gemeindezwecken benutzt wird, und der Religionsunterricht findet nun dort in geregelter concentrirter Weise mit dem besten Erfolge statt. Eben in diesem Lokale wurde ein neuer sabbatlicher Gottesdienst für die studierende Jugend eingcfnhrt, der regelmäßig in würdevoller Weise abgehaltcn — und zahlreich besucht wird." Pest, 2. April. (Privatmitth.) Die mannigfaltigen Wechselfällen und die vielfachen Täuschungen, welche die politischen Angelegenheiten der ungarischen Israeliten seit fast einem Vierteljahrhundert durchgemacht, haben wenigstens in dem gebildeteren Thcile der hierländischen jüdischen Masse einen gewissen Instinkt hervorgebracht, der sicherer ist, als die Klügelei derer, welche sich Politiker dünken. Die Letzteren gehen entweder optimistisch zu Werke, lassen sich von keiner! Erfahrung abschrecken, Haschen die unbedeutendsten Worte und Vorgänge auf, um nur zu versichern, daß Alles vortrefflich geht, oder pessimistisch und sehen in! eine dunkle Zukunft hinein. Die allgemeine Stimmung bei unfern Glaubensgenossen ist aber gegenwärtig trübe, macht mit Recht den leitenden Männern Ungarns den Borwurf der Engherzigkeit und sieht ihr Vertrauen auf dieselben sehr in Schwanken gerathen. Kleine Tröstungsmittel, wie z. B. die Zusicherung des Staatssekretärs im Ministerium für Cultus und Unterricht Tanarky an die israelitischen Vorsteher von Nagy-Korbs, daß die Sonderstellung der Israeliten möglichst bald ausgehoben und daß im Cultusministerium ein Israelit als Referent angestellt werden soll, oder Aeußerungcn aus dem Cultusministerium, daß dieses die Absicht habe die Angelegenheit des ungarisch-israelitischen Schulfonds nach den Prinzipien der konfessionellen Autonomie zu regeln und über die zweckmäßige Verwen- [ düng dieses Fonds seinerzeit eine israelitische Notabelnversammlung zu vernehmen - solche kleine Tröstungsmittel verfangen nicht mehr: man will Thaten, man will Schwarz auf Weiß. Warum nahm der Minister-! Präsident Andrässy eine so zweideutige Haltung i»I unserer Frage an, die hinterdrein für ein Mißvcr-I ständniß erklärt werden mußte? Warum strich der! Landtag die Ausschließung der Juden vom Wahlrecht! zu den Munizipien nicht? Dies sind Fragen, die nicht! aus dem Wege zu räumen sind. Ist der ungarische! Landtag wirklich beseelt von den Grundsätzen der! Gleichberechsigung, warum geht er nicht stracks auf das!