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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-04-23 · Heft 17 (23.4.1867) · p. Seite 339

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 17 (23.4.1867)
Date
1867-04-23
Page
Seite 339 (sequence 11)
Language
German
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„Es kann aber auch anderseits nicht verschwiegen werden, daß durch die Befriedigung der ungewöhnlichen und keinesfalls im Budget vorhergesehenen Ausgaben das Gebahrungs-Resultat in der GemeindeCassaverwaltung in dem abgelaufenen Jahre nicht als günstig bezeichnet werden kann. Abgesehen davon, daß sich die Ausgaben und Lasten der Gemeinde, wie natürlich, in großer Dimension vermehrten, hat sie auch eben in Folge der verhängnißvollen Zeit, in ihren Einnahmen, namentlich in den Bethäusern an den Hauptfeiertagen eine empfindliche Einbuße erlitten. — Viele haben sich zurückgehalten, das öffentliche Bethaus zu besuchen, veranstalteten eine Hausandacht in ihrer Familie — der Gottesdienst mußte aus Sanitätsrücksichten und über Anordnung der Behörden abgekürzt werden — und cs entstand ein nicht geringer Ausfall sowohl an Betsitzmiethen, wie an Spenden." „Dagegen wendete der Gemeinde-Ausschuß Alles an, durch Vermehrung der Anzahl der Cultus-Beitragleistenden die Einnahmen der Gemeinde zu vermehren, und gereicht es ihm zur wahren Befriedigung berichten zu können, daß er bis zu Ende des Jahres alle Budgetlasten der Gemeinde, und alle außergewöhnlichen Bedürfnisse vollkommen befriedigte, ohne die Gemeinde mit neuen Passiven zu belasten und ohne von den Gemeindemitgliedern einen Zuschuß zum Cultus-Beitrag in Anspruch zu nehmen, obgleich auch die im Budget für Koscherfleischrevenüen präliminirte bedeutende Ziffer von 13800 fl. sich als ganz illusorisch hcrausstellte, und die Gemeinde unter diesem Titel nicht das geringste Einkommen erzielte." „Indem ich nun auf die Berichterstattung über die spezielle Gemeindeverwaltung übergehe, zuförderst auf die unserer Cultus-Section, kann ich es mit wahrer Befriedigung constatiren, wie es Ihnen ohnehin auch bekannt ist, daß der durch Ihre Wahl berufene neue Gemeindeprediger Herr Dr. Samuel Kohn unserem geehrten Herrn Oberrabbiner würdig zur Seite steht, und seinen Beruf mit Würde und Sachkenntniß zur vollen Befriedigung der Gemeinde ausfüllt, und bestens bestrebt ist, seine heilsame Wirksamkeit zur religiösen und sittlichen Veredlung unserer Gemeinde immer zu erweitern, und nach Außen die Ehre und das Ansehen unserer Gemeinde bestens zu wahren. — Es hat die Anstellung dieses neuen Predigers, namentlich seine gediegene Leistung in der geliebten Landessprache, in Maßgebenden öffentlichen Blättern die vollste Würdigung und die belobendste Anerkennung gefunden, und dürfen wir von seinem Wirken die heilsamsten Folgen, insbesondere für die Erziehung unserer Jugend erwarten." „Mit der Regulirung der Koscherfleisch-Angelegenheit war unsere Cultus-Section das ganze Jahr hindurch vollauf beschäftiget; es handelte sich nicht mehr darum, die früheren Revenuen der Gemeinde vom Koscherfleisch zu rehabilitiren, der Gemeinde-Ausschnß kam bald zur Ueberzeugung, daß, wie bereits erwähnt, das Präliminar im Budget eine reine Illusion sei. — Hohe Verordnungen — das eingeführte Gesetz der Gewerbefreiheit und die veränderten Zeitverhältnisse haben diese Quelle des Geineindeeinkommens versiegen gemacht, aber es handelte sich darum, den gerechten und begründeten Beschwerden der Gemeinde-Mitglieder über die Mißachtung der religiösen Satzungen in den Koscherfleischbänken abzuhelfen, und solche Koscherfleischbänke selbst mit Opfern von Seite der Gemeinde zu beschaffen, aus welchen jeder Israelit, auch der frommgläubigste, seinen Fleischbedarf, ohne mindesten Gewissens-Scrupel beziehen kann. Dies zu bewerkstelligen ist die Pflicht einer jeden israelitischen Gemeindevertretung und ist es uns auch gelungen, diesem gerechten Verlangen Genüge zu leisten, es sind bereits drei Koscherfleischbänke unter strengster religiöser Beaufsichtigung, und unter besonderer Jnspection und Controlle unseres ehrwürdigen Rabbinates errichtet worden, in nächsten Tagen wird eine vierte und später, wenn sich die Nothwendigkeit ergeben sollte, werden mehrere ähnliche Koscherbänke errichtet werden, unter eigener Regie und unmittelbarer Verwaltung der Gemeinde. Die im Budget hiefür eingestellten Ausgaben mit 4000 fl. werden, wie wir mit Bestimmtheit hoffen, nicht der Gemeinde zur Last fallen, sondern sich wieder durch die Manipulation, vielleicht noch mit einigem Nutzen für die Gemeinde, ersetzen — und einem schreienden Uebelstande in der Gemeinde ist radical abgeholfen worden." „Durch unsere Schulsection werden die vielfachen Unterrichtsanstalten der Gemeinde von den Mitgliedern der Section mit Umsicht und Fleiß überwacht; leider mußten unsere Schulen, während der wirrevollen Zeit, durch volle drei Monate gleich allen übrigen Schulanstalten in der Stadt, geschlossen bleiben, und konnten auch die öffentlichen Prüfungen im Sommer-Semester nicht abgehalten werden. — Es wurde jedoch darüber 17*

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