Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 17 (23.4.1867)
- Date
- 1867-04-23
- Page
- Seite 336 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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336 besteht in der von Dr. Jsler verfaßten Biographie. Sie umfaßt 663 Seilen gr. 8. Man ersieht hieraus, daß sie sehr gründlich und ausführlich abgehandelt ist, wenn auch einen Theil des Bandes ausgewählte Briefe Rießer's ausmachen. Es läßt sich voraussetzen, daß der Verf. mit einer warmen und aufrichtigen Liebe au seinen Gegenstand herangetreten, und er war in dieser Hinsicht vor vielen Biographen bevorzugt genug, da in der That das Leben, das er zu beschreiben hatte, diese Liebe in vollem Maße verdiente, ein fleckenloses, hochherziges edeles war. Demuugeachtet können wir uns eines Wortes der Kritik nicht enthalten. Die Biographie ist viel zu umfangreich, und thut dadurch nach zweien Seiten Schaden : es werden sie viel Wenigere lesen, und der Abdruck der Rießer'schen Schriften ist dadurch, da der Umfang der Ausgabe im Voraus bestimmt war, benachtheiligt, wie z. B. eine Menge kleinerer Aufsätze in den verschiedensten Zeitschriften wegbleiben soll. Es versteht sich von selbst, daß eine Biographie nach dem Maße, nach welchem der Betreffende allgemeinen Zuständen und Ereignissen angehö.rte, auch Bilder dieser letzteren entwerfen muß um verständlich zu sein und den Antheil, welchen der, dessen Leben beschrieben wird, daran hatte, klar zu legen. Die Kunst des Biographen besteht nun darin, diese Bilder in kurzen, prägnanten Zügen zu entwerfen, so wie überhaupt das Lebensgemälde bündig und charakteristisch zu halten. Denn, je weitschweifiger und verschwinnnender die Darstellung ist, desto weniger wird es dem Leser gelingen, eine deutliche und sichere Vorstellung von der Persönlichkeit des Biographirten daraus zn gewinnen. Die Sprache, in welcher die vorliegende Lebensbeschreibung abgefaßt ist, zeichnet sich überall als edel, correkt und fließend aus. Aber nervige Kürze und treffende Farbe fehlen ihr. Auch von den ausgewählten Briefen haben nicht alle weiteres Interesse. Bemerkenswerth ist, daß die auf den vielen Reisen Rießer's geschriebenen Briefe so überaus wenig Interessantes enthalten. Der zweite Band bringt die Schriften Rießer's: „Ueber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland (1831); Verteidigung der bürgerlichen Gleichstellung der Juden gegen die Einwürfe des Dr. Paulus (1831); kritische Beleuchtung der in den Jahren 183! und 1832 in Deutschland vorgekommenen ständischen Verhandlungen über die Emanzipation der Juden (1833); Denkschrift an die badische Ständeversammluug (1833); Bemerkungen zu den Verhandlungen der badischen Ständeversammlung über die Emanzipation der Juden (1835)." — Von Geiger's Vorlesungen über das Judenthum und seine Geschichte ist der erste Band in englischer Übersetzung in New-Pork bei Thalmessinger und Cahn in schöner Ausstattung erschienen. Der Uebersetzer ist Herr Maurice Mayer, der auch unsere Kreuzigungsbroschüre in's Englische übertragen hat. — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 4. April. iPrivatmitth.) Im Reichstage vertheilen sich die Abgeordneten jüdischer Religion so, daß Dr. Ree aus Hamburg zur Linken, Dr. Laster und Reichenheim zur national-liberalen Fraction und Freiherr v. Rothschild zu der Gruppe derer gehört, welche keine Fraction bilden und keiner angehören, doch stimmt der Letztere in der Regel mit der Rechten. Gesprochen hat Dr. Laster bereits öfter und einige von ihm gestellte Amendements sind angenommen, andere verworfen worden; Dr. Röe einige Male, Reichenheim ein Mal kurz, Rothschild garnicht. — Bor Kurzem feierte die „Gesellschaft der Freunde", ein von Jos. Mendelssohn und anderen Jünglingen im Jahre 1792 zur Unterstützung verarmender Mitglieder gestifteter Verein, seine 75jährige Jubelfeier. Im Jahre 1842, als das fünfzigjährige Jubiläum begangen ward, lebten noch zehn von den Stiftern, deren letzter, Dr. Rintel, erst 1861 starb, so wie 1866 noch ein Mitglied verstarb, das schon 1782 ausgenommen worden, A. H. Bendemann. Die Zahl der Mitglieder beträgt jetzt 417, das Vermögen der Gesellschaft 111,702 Thlr. so wie für die Wittwen- und Weisenabtheilnng 43,202 Thlr. In den ersten 50 Jahren wurden an Unterstützungen ca. 80,000 Thlr allsgezahlt, in den letzten 25 Jahren dagegen 139,800, zusammen ca. 220,000. Bei dem Eintritt in diese Gesellschaft zahlt man 25 Thlr., der Jahresbeitrag besteht aus 5 Thlr. und für die Wittwen- und Waisen-Abtheilung aus 2 Thlr. Der Zutritt wird durch Balottement gewährt und zwar nicht allzu leicht. (Auch der Redakteur d. Z. gehört dieser Humanitären Gesellschaft bereits seit 28 Jahren an.) — Am 31. März fand die öffentliche Prüfung der Religions-