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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-04-16 · Heft 16 (16.4.1867) · p. Seite 327

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 16 (16.4.1867)
Date
1867-04-16
Page
Seite 327 (sequence 19)
Language
German
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327 Die Übergriffe der Nationalversammlung und die Steuerverweigerung lieferten der Reaction die besten Waffen in die Hand, die Versammlung aufzulösen und eine Verfassung zu octroyiren. In der neuen zweiten Kammer erhielt, auch Jacoby 1849 für Berlin einen Sitz. Als auch diese am 27. April aufgelöst worden war, ging Jacoby nach Frankfurt, wo er an der Stelle Friedrich Räumers seinen Sitz im deutschen Parlamente einnahm, begab sich auch später mit dem Rumpfparlament nach Stuttgart und dann nach der Schweiz. Während er nach Zersprengung des letzten Restes des einst so stolzen Parlaments deutscher Nation mit Heinrich Simon am Genfer See lebte, ward gegen ihn, weil er dem Abberuf aus der Paulskirche nicht Folge geleistet, die Anklage auf Hochverrat!) erhoben und ein Steckbrief erlassen. Jacoby beantwortete den letzteren durch eine Erklärung in den Zeitungen, daß er sich sofort nach Beendigung seiner Erholungsreise dem Gericht stellen werde. In der That ging er bald daraus aus der Schweiz über Berlin nach Königsberg zurück, und fuhr dort unmittelbar vor dem Jnquisitoritätsgebäude vor, sich zur Haft zu stellen. Nach zweimonatlicher Untersuchungshaft ward er vor ein Geschwornen-Gericht gestellt, das ihn am 8. December 1849 freisprach. Unmittelbar nach seiner Freisprechung wurde er von der Stadt Koesseld in Westphalen auf's neue zum Abgeordneten für die zweite preußische. Kammer gewählt, aber er lehnte die Wahl ab, und kehrte nun völlig und ausschließlich zu seiner ärztlichen Praxis zurück. Zehn Jahre hielt er sich von jeder öffentlichen Wirksamkeit völlig fern, ja er zog sich fast von allem Menschenverkehr, soweit derselbe nicht mit feinem Berufe zusammenhing, zurück, indem er sich ganz in historisch-philosophische und physiologische Studien versenkte, ohne jedoch den Gang der politischen Ereignisse aus dem Auge zu verlieren. Der Umschwung der Dinge in Preußen, welcher mit dem Sturze des Ministeriums Manteuffel-Raumer-Westphalen eintreten zu wollen schien, fand Jacoby bereit, wieder aus dem Kampfplatze zu erscheinen. Von ihm zuerst ging ein Versuch aus, die völlig aufgelöste demokratische Partei in Preußen aufs neue zu ordnen, und zu erneuter thätiger Theilnahme am Staatsleben in constitutionell monarchischem Sinne hinzuleiten. Sein Auftreten geschah im Ganzen in versöhnlichem Sinne. Ertrug kein Bedenken, öffentlich zu erklären, daß auch er und seine Partei geirrt und gefehlt, und daß fortan diejenige Partei die achtungswertheste sein werde, die am meisten aus der Vergangenheit gelernt, am deutlichsten ihre Fehler einsehe und am bereitwilligsten sei, sie einzugestehen und zu verbessern. An dem allgemeinen Wahlrecht hielt er jedoch principiell fest, obgleich er das Wahlrecht als factisch bestehend anerkannte. Sein politisches Glaubensbekenntniß veröffentlichte er in der bei Franz Duncker 1859 erschienenen kleinen Schrift: „Die Grundsätze der preußischen Demokratie"; und nachdem er seine Parteigenossen dahin gebracht hatte, sich wieder an den Wahlen zu betheiligen, leistete er selbst auf eine Wahl in seiner Vaterstadt Verzicht, um nicht mit seinem Auftreten auf der einen Seite zu unbegründeten Hoffnungen, auf der anderen Seite zu unbegründetem Mißtrauen Veanlassung zu bieten. Erst seit 1863 nahm er wieder seinen Sitz im Abgeordnetenhause für den ihm treu gebliebenen zweiten Berliner Wahlbezirk an. Er kämpfte hier den bekannten Streit um das Budgetrecht tapfer mit; aber auch die Ereignisse des Sommers 1866 vermochten ihn nicht, seinen Standpunkt zu verändern, und er verhielt sich gegenüber der Judemnitätsfrage, der Bewilligung eines Pauschquantum für das Militärbudget und der Anuection der eroberten Länder streng negativ, und wies in Folge dessen eine Wahl in den norddeutschen Reichstag ab. Mittlerweile mußte er auch, wegen einer Wahlrede verurtheilt, eine mehrmonatliche Haft verbüßen. In der jüngsten Zeit wurde unter seinen Auspicien ein politisches Tageblatt „die Zukunft" in Berlin gegründet, welches den Standpunkt der Radikalen einnimmt. *) *) Die von Jacoby veröffentlichten Schriften sind folgende: Pc natura Delirii tremenlis, inaug. Dissert. Reg. 1827. 8. Einige Worte gegen die Unentbehrlichkeit der medicinisch-chirurgischen Pepmiere in Berlin. In Adolph Henkes Zeitschrift für die Staatsarzneikunde, Erlangen 1831, S.63 - 75. Ueber das Verhältuiß des Königl. Preuß. Oberregierungsrathes Herrn Streckfuß zur Emancipation der Juden. Hamburg 1833. 8. iS. 32.) Der Streit der Pädagogen und Aerzte. Erwiederung auf die Schrift des Herrn Director Gotthold: Lorinsers Beschuldigung der Schulen rc. Königsberg 1836. 8. (S. 36.) Die Apologie des Herrn Director Gotthold', beleuchtet. Das. 1836. 8. iS. 35.) iBeide ans den preuß. Provinzialblättern abgedruckt.) Beitrag zu einer künftigen Geschichte der Censur in Preußen. Paris 1838. 8. (S. 32.) Bier Fragen, beantwortet von einem Ostpreußen. Mannheim 1844. 8. (S. 47.) Neue Auflage. Nebst dem Erkenntniß des Ober-Appellations-Senats des Kammergerichts. Leipzig 1863. 8. iS. 29.) 4 Qucslions resolues par un habitanl do 1a Prasse orientale, trad. de l’Allemand par M. C. 1. Riva. Paris 1842. 8. Meine Rechtfertigung wider die gegen mich erhobene Anschuldigung des Hochverrats, der Majestätsbeleidignng und des frechen, unehrerbietigcn Tadels der Landesgesetz.'. Dritte Auflage. Zürich und Winterthur 1842. 8. iS. 54.) Meine weitere Bertheidigung wider die gegen mich erhobene Beschuldigung der Majestätsbeleidigung und frechen, unehrerbietigen Tadels der Landesgesetze. Daselbst 1842. 8. sS. 78.) lieber das Recht des Freigesprochenen eine Ausfertigung des wider ihn ergangenen Erkenntnisses zu verlangen. Zweite Auflage Königsberg 1844. 8. >S. 36.) Preußen im Jahre 1845. Eine dem Volke gewidmete Denkschrift. Glarus 1845. 8. lS. 16.) Beschränkung der Redefreiheit. Eitle Provocation auf rechtliches Gehör. Zweite Auflage. Mannheim 1846. 8. iS. 24.> Das Königliche Wort Friedrich Wilhelms 111 Eine den Preußischen Ständen überreichte Denkschrift. Pans 1845. 8. iS. *.» Bertheidigung meiner Schrift: Das Königl. Wort Friedrich Wilhelms 111. Mannheim 1846. iS. SO.) Ein Urtheil des Königsberger Criminal-Seuats. Beleuchtet. Das. 1846. S. (L>. 44.> Deutschland und Preußen! Zuruf an die Preußischen Abgeordneten, am |8. Mai 1848. Frankfurt am Main 1848. 8. >S. 12.) Rede des Abgeordneten Johann Jacoby. Gehalten vor einer Wähler- Versammlung am 12. September 1848 «in Berlin). Berlin 1818. 8. iS. 8.) Ueber die Verfassungs-Frage. Reden von Jacoby und Waldeck nebst dem Adreßentwurfe der demokrati-

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