Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1867)
- Date
- 1867-04-16
- Page
- Seite 318 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226581-3226598--24873-3260349- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
318 Unterschied der Confession frei sein wird. Schön sagte in dieser Beziehung vor wenigen Tagen Franz Denk in Angelegenheit der Nationalitäten und Sprachenfrage Ungarns: „Die Nationalitätsbestrebungen scheinen in unserer Zeit ebenso zeitgemäß, wie einstmals die religiösen Zwiste waren, aber ich hoffe zu Gott, so >vie wir die Zeit bereits haben, oder ihr doch nahe sind, wo der Werth des Menschen nicht nach dessen Katechismus beurthcilt wird, so werde auch die Zeit kommen, wo inan die Würde, den Werth, die Tauglichkeit des Menschen nicht nach der Grammatik und dem Wörterbuche beurtheilen wird." Z.... Proßnitz, 18. März. Man schreibt von hier: Die Israeliten in Proßnitz, vortheilhaft bekannt durch ihre geschlossene Haltung in den deutsch -slavischen Wahlkämpfen dieser Stadt, haben ihren deutschen Sinn abermals zu bewähren Gelegenheit gehabt. Da nämlich die Landtagswahl mit dem üblichen Beginne des Altbrünner Marktes collidirt, und die Israeliten durch Abreise von Proßnitz dem Candidatcn der deutschen Partei, Bürgermeister Zajiczek, einen gefährlichen Abbruch in der Stimmenzahl bereiten würden, haben dieselben einstimmig das Uebereinkommen getroffen, erst am 27. lMittwoch), nach dem Wahltage, abzureisen. In gleicher Weise werden die israelitischen Geschäftsleute von Boskowitz und anderen Orten ihre Marktrcise verschieben. Frankreich. Paris, 4. April. Die Alliance israßlite nun. hat aus ihrer Kasse eine Summe bestinrmt, welche einem jungen Gelehrten, Herrn Halcvi, aus den Donaufürstcnthümern gebürtig, zur Verfügung gestellt ist, um in Abhssinicn über die Zustände der Fallascha's Nachforschungen zu unternehmen über ihre religiösen Ansichten und Gebräuche, ihren Ursprung und ihre Geschichte. Bekanntlich ward in neuerer Zeit angenommen, daß dieser Stamm dem israelitischen Volke entsprungen sei und noch heute bedeutende Spuren unserer Religion bewahrt hat. In wiefern dies nun wirklich der Fall sei, und welche Mittel nothwendig wären, um den Fallaschas das Judenthum wieder zugänglich zu machen, und sie hiermit der Civilisation zuzuführen, das ist die Aufgabe, die dem Herrn Halevi gestellt ist. (Derselbe inacht jetzt eine Reise durch Deutschland und geht auch nach London, um die Unterstützung des klon! of deputies zu erhalten. Nach Schabuoth denkt er seine Reise nach Abyffsinien über Konstantinopel und Kairo anzutreten. Bekanntlich sind die Zustände in Abyssinien jetzt in großer Verwirrung. Der sg. Kaiser Thcodorus ist ein blutdürstiger Tyrann, den Europäern und auch den Juden sehr gehässig, ein großer Theil des Landes in Aufstand wider ihn und somit wird Herr Halevi großen Schwierigkeiten und Gefahren begegnen, wenn er überhaupt zum Ziele gelangen kann. Redak. d. A. Z. d. I.) — Am 21. März, am Purimfeste fand in der Consistorialsynagoge die feierliche Installation des Herrn Isidor als Großrabbinen des Centralconsistoriums statt. Eine stattliche Versammlung von Würdenträgern, namentlich auch Vertretern des Cultnsministeriums, sowie auch der jetzt älteste französische Großrabbiner Herr Aron Arnold aus Sraßburg waren zugegen, sowie eine große Masse der israelitischen Bevölkerung von Paris. Orgel- und Harfenklang und das Boruch haba des Chores empfingen Herrn Isidor, worauf Herr Naumburg unter Begleitung des Chores und des Violoncells, den hundertsten Psalm anstiminte. Der Präsident des Centralconsistoriums, Herr Obrist Cerfbecr, hielt die Anrede an das neue Oberhaupt der französischen Synagoge, worauf Herr Isidor in einer ausführlichen Rede antwortete. Herr Kettou saug eine französische Hymne, begleitet vom Chor und allen Instrumenten. Während der Einsammlung von Spenden führte die Musik das Gebet Mosis von Rossini aus. Eine Torarolle wurde herausgehoben, vor welcher Herr Isidor das Gebet für den Kaiser recitirte. Ein Hallelujah beendete die Ceremonie. Herr Cerfbecr betonte in seiner Ansprache, daß an den „mächtigen Einfluß des neuen Großrabbinen appellirt werde, um der Jugend die Linie vorzuzeichnen, welche sie hinsichtlich der Satzungen cinhalten könne, um sich mit oen modernen Einrichtungen in Einklang zu setzen." Herr Isidor in seiner Rede hatte einige recht glückliche Stellen. Er spricht über den religiösen Jndisferentismus und meint „dieser Jndisferentismus ist nur auf der Oberfläche, nur scheinbar." Er sagt: „Ja, unsre Generation hat mehr Religion, als man denkt. Ich gehöre nicht zu denen, die bei jeder Gelegenheit den Alarmschrei ausstoßen, die fortwährend das von Salomon ausgesprochene