Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1867)
- Date
- 1867-04-16
- Page
- Seite 317 (sequence 9)
- Language
- German
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317 genöthigt sind, die Beamte n-Stellen mit zugewanderten, unbekannten Ausländern zu besetzen, weil von Preußischen Juden, der prekären Stellung und der unfreundlichen Aussicht in die Zukunft wegen, nur äußerst wenige sich dem Cultusbeamtendienste widmen. Alle diese Uebelstände werden jedoch mehr und mehr schwinden, je größer die Betheiligung der Corporationen an dem Vereine wird. Mögen daher alle Gemeinden in Preußen dieser lobenswerthen und zeitgemäßen Einrichtung ihre thatkrästige Mitwirkung nicht versagen, und dieses Institut wird für sie und ihre Beamten zum Segen werden. Oesterreichischer Kaiserstaat. Pest, im März. lPrivatmitth.) In de'' ungarischen Akademie der Wissenschaften brachte der um das Judenthum hochverdiente Or. med. Primärarzt Dr. I. Rözsai den vom vr. Zilz zur Academieseier herausgegebenen Jubelgesang, sowie das so eben bei M. E. Lövy Sohn herausgegebene Gebetbuch mit ungarischer Uebersetzung von Heinrich Deutsch zur Sprache. Gleichzeitig brachte der benannte Academiker die demnächst vom ung. isr. Verein herauszugebende ungarische Bibelübersetzung zur Kenntniß der Academie. Der Verein zur Erziehung der Emancipation ist im Zunehmen begriffen. Ri-... Aus Ungarn, 15. März. (Privatmitth.) Während die ausländischen Blätter uns von Judenverfolgungen in Ungarn erzählen, wissen die hiesigen von Festessen, Reden in Synagogen u. s. w. uns zu unterhalten. Um die Masse nicht aufzuregen ist es jedenfalls besser, wenn die Mückenstiche elender Judenfeinde nicht in die Oeffentlichkeit dringen, doch wollen Sie uns gestatten, daß wir einige Vorfälle der jüngsten Zeit hier registriren, mehr künftigen Historikern zu lieb, als mit deren Mittheilung unsere Verhältnisse klären zu wollen. 1) Baron Wenkheim, Minister des Innern, betont bei seiner Rede im Oberhause die Gleichberechtigung aller Confessionen, und wird die betreffende Stelle mit Eljen ausgenommen. 2) Eine jüdische Deputation, bestehend aus den Vorstehern der Pester Cultusgemeinde, erwähnt in der Begrüßungsrede bei dem Ministerpräsidenten Grafen Audr-lssy der Emancipation der Juden. In der A ntwort hebt der Ministerpräsident hervor, daß Ungarn die Juden emancipiren wolle und müsse, doch dürfe hierin nicht überstürzt werden, da mau auch die christlichen Interessen berücksichtigen müsse. 3) Herr —z iLandesadvocat Mezei) fordert in einem der gelesensten Journale Ungarns die Mitglieder des Landtages auf, jenen Punkt in dem Munizipalgesetze, welcher den Juden in den freien Städten das Wahlrecht nehme, um so geneigter streichen zu wollen, da ohnehin das betreffende Gesetz revidirt werde. Obwohl, wie wir erfahren, mehrere Landtagsdeputirte den fraglichen Gegenstand in den Parteiberathungen erwähnten, fand es doch die Mehrzahl für gut, die Angelegenheit beim Reichstage nicht zur Sprache zu bringen. 4! Die Fleischhauer-Innung zu Mezei-Szepsi bittet beim Landtage, daß dem dortigen israelitischen Einwohner Samuel Schäfer verboten werde, Fleisch auszuschroten. Obwohl das Gesetz von 1840 den Israeliten gestattet, in Ungarn jedes Gewerbe auszuüben, so wird doch vom Landtage die Petition dem Ministerium des Innern mit dem Bemerken überwiesen, den Sachverhalt um so mehr zu untersuchen, nachdem in dem Gewerbegesetze von 1840 ausdrücklich hervorgehoben sei, daß nur jene Israeliten Ungarns ein Gewerbe betreiben dürfen, wenn hinsichtlich ihres moralischen Lebenswandels genügende Einwendungen nicht gemacht werden können und ohnedies der Mezei Szepsi Stuhlrichter in seinem Zeugniß den Character dieses Juden nicht sonderlich günstig schildere. 5) Die öffentlichen Blätter, insbesonders jene, die dem Ministerium nahe stehen, erwähnen, daß der Justizminister damit umgehe, einigen Israeliten im Ministerium höhere Aemter einzuräumen, und sind in der That, >venn wir gut unterrichtet sind mehrere hervorragende Juristen des Landes in das Justizministerium berufen worden. 0) Die Petition des Lehrers Chaim Pollak in Angelegenheit der jüdischen Schulen des Landes wurde dem Cultusminister zur Berücksichtigung vom Landtage überwiesen. Die Thatsachen sprechen so deutlich, daß ein Commentar uns überflüssig dünkt. Trotz dieser Vorfälle hoffen wir vom Landtage das beste, denn eine Nation, die einen Franz Deal zum Führer hat, muß uns und wird uns emancipiren, da in einem konstitutionellen Ungarn Jedermann ohne 16