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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-04-09 · Heft 15 (9.4.1867) · p. Seite 306

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 15 (9.4.1867)
Date
1867-04-09
Page
Seite 306 (sequence 18)
Language
German
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306 ganz wiederherzustellen. Sie fasteten mit den Gelehrten der Gemeinde zwei Tage lang, indem sie nur Abends etwas Speise zu sich nahmen, vollzogen um Mitternacht rituelle Untertauchungen, verbrachten die Zeit mit Studium des Gesetzes und Gebeten, und rüsteten sich erst am dritten Tage, mit der Kaufssumme zum Bischöfe zu ziehen, das Kästchen in Empfang zu nehmen und es feierlich nach ihrer Wohnung zu bringen. Alles dies geschah mit innigster Andacht, mit der ganzen Gluth der religiösen Begeisterung, die nur den Geschlechtern des Mittelalters, und diesen in allen ReÄgionen zueigen war. In dieser ihrer Erregung bemerkten sie es auch kaum, daß der Bischof die Uebergabe nicht selbst leitete, von ihrer Anwesenheit in seinem Palaste gar keine Notiz nahm, sondern den Empfang des Goldes, die Uebergabe des Kästchens und des Schlüssels, so wie die gegenseitige Bescheinigung durch seinen Geheimschreiber vollziehen ließ. In Anselm's Wohnung .endlich zurückgekehrt, bereitete man sich vor, das Kästchen aus den seidenen Hüllen, mit welchen sie es beim Transport umgeben hatten, zu nehmen, und es zu öffnen. Man hatte die Gebetmäntel umgelegt, mit welchen man auch das Dokument anzufassen gedachte, um es nicht mit bloßen Händen zu berühren. Als Meschulam nun das Kästchen geöffnet, Anselm die Pergamentrolle herausgenommen und entfaltet hatte, machte der Anblick der herrlichen Schrift in ihrem vollen Farbenglanze,' mit der Schönheit der Buchstaben, der Verzierungen und Arabesken einen begeisternden Eindruck auf die anwesenden Gelehrten, und sie murmelten schnell einen Segensspruch, wie man ihn bei dem Anblick großer Wunderwerke spricht. Das Auge Anselm's fuhr schnell über die Worte der Urkunde; er erkanute leicht, daß sie im reinsten Hebräisch, aber mit vielen dunkelen Ausdrücken abgefaßt war, und überlas im Fluge ihren Inhalt, so weit er ihn fassen konnte. „Geehrte Brüder, sprach der Greis mit bewegter, fast zitternder Stimme, wir haben hier eine geheimnißvolle Verkündigung des Ruach hakkaudesch, des göttlichen Geistes, an sein getreues Volk Israel vor uns, vernehmen wir ihre Worte mit Demuth. Wir wissen nicht, woher sie gekommen, durch wen als Werkzeug der göttlichen Barmherzigkeit sie niedergeschrieben worden, und ob uns ihr Geheimniß zu Verständniß und Einsicht kommen werde. Lange war sie uns verborgen, das dunkle Besitzthum einer in noch größeres Dunkel verwiesenen Familie, deren letzter Vertreter sogar seit drei Tagen verschwunden ist. Alle Umstände erweisen aber, daß die Fügung des Allerheiligsten, gelobt sei Er! die Zeit hat kommen lassen, wo dieses Sein Wort uns offenbar werden soll. Hören wir es, indem wir im Geiste unser Knie beugen vor Dem, der unsichtbar, aber allgegenwärtig ist!" Wir wollen hier unseren Lesern den Inhalt jener Urkunde, wenn auch nicht mit ihren eigenen Worten geben, da diese des Unverständlichen zu Vieles enthielten. Es hieß da ungefähr: Wenn nach der Zerstörung des heiligen Tempels durch die verruchte Hand Titus des Bösen dreifache neun Jahre vorübergegangen sein werden, beginnt eine Zeit großer Verdunkelung. Die Schleusen des Himmels öffnen sich, nicht aber um wie in Noah's Zeit Fluthen des Wassers herabzuschütten, sondern dichte dunkle Wolken, Nebel und Dunstmassen; welche den Himmel verfinstern und Sonne, Mond und Sterne dicht bedecken, als ob die Hand des Herrn sie ausgelöscht. Und aus den Schluchten der Erde werden Stürme hervorbrechen, und aus dem Schooße der Erde die Nacht hinausstoßen, die in ihm ewig wohnt. Das einzige Licht, das den Augen der Erdenkinder erscheint, wird sein, wenn die eine noch dunklere Nacht ihre Vorgängerin verdrängt, denn jene wird hell scheinen gegen diese. Verwirrung, Krieg, Raub und Mord werden unter den Menschen wüthen wie noch niemals, daß Ströme des Blutes über die Fläche der Erde fließen und die Wohnungen der Menschen zu Brandfackeln werden in der dichten Finsterniß. So geschieht es dreimal neun Jahre. Wenn diese verflossen, erheben sich die Völker des Abendlandes und ziehen nach dem heil. Lande, um gegen die Völker des Morgenlandes zu kämpfen. Es wird ein allgemeines Schlachten werden. Die Heere aber, die nach dein heiligen Lande ziehen, werden über die zerstreuten Söhne Israels herfallen, ihnen Leides die Fülle thun und Viele tödten. Heil denen, die in der Heiligung des göttlichen Namens den Tod erleiden! In der Zeit aber, wo alle Nationen in den Grenzen des heiligen Landes versammelt sind, um in unermeßlichem Blutvergießen sich einander zu vernichten — da erscheint Menachem ben Amiel (der Tröster, Sohn deS Volkes Gottes, der Messias); er läßt die große Drommete erschallen, die Erde erbebt, der Oelberg spaltet sich und seine Hälften rücken zu einem großen Thale gen Morgen und Abend auseinander. Da erstehen alle Söhne Israels wieder, die in der Heiligung des göttlichen Namens gemordet worden, von den vier Säumen der Erde sammeln sich alle Nachkommen Jakobs, um nach dein Thale Jehoschaphat zu ziehen. Aber dreimal Heil denen, vom Saamen Abrahams, die in jener Zeit im heiligen Lande weilen. Sie werden dein Sohne Davids, dem Bar Naphli*>, der die zerfallene Hütte Davids wieder aufrichtet, zur Kelle und zum Hammer dienen, und die Fürsten werden unter seinem Scepter stehen und die Weisen und Lehrer Israels. Dam: bricht die Zeit an, die da kommt, die Welt der Zukunft, in der kein unheiliges Gefäß sein wird auf dem ganzen Tempelberge, und der heilige Tempel selbst wird stehen auf fünf Höhen und reichen bis in die Wolken des Himmels und gesehen werden von allen Enden der Erde, und Israel wird groß und heilig sein, und alle Nationen kommen, sich zu bücken und zu opfern auf der Stätte der Anbetung des Einzigen und das Fest der Laubhütten zu feiern in Jerusalem. All' dies hat der Engel Metatron offenbart dem Serubabel, dem Reis *) Sanhedr. 96. 2.

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