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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-04-09 · Heft 15 (9.4.1867) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 15 (9.4.1867)
Date
1867-04-09
Page
Seite 300 (sequence 12)
Language
German
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300 Auf die verneinende Antwort seiner Frage, fügte er hinzu: „Diese Schutzmaßnahme wird zukünftig nur unter einer Bedingung ausgeführt werden: da,: mau den Israeliten dieselbe Ehre erweist, die man von ihnen verlangt. Alle Serben sind gleich." Auch sein Nachfolger, Fürst Michael, hielt diesen Weg ein. Mit der Revolution von 1842 aber, welche die Familie des Kara Georg auf den Thron rief, änderte es sich gänzlich. Diese Familie herrschte durch den Schrecken, und machte diesen den Juden nur allzu fühlbar. Wohl zu bemerken ist, daß die gegen die Juden erlassenen Ordonnanzen niemals veröffentlicht wurden , um das Urtheil Europa's nicht allzu offen heraus zu fordern, aber um so strenger wurden sie in Ausführnng gebracht. Die erste Ordonnanz verbot den Israeliten, sich im Innern des Landes niederzulassen, und befahl denen, die dort bereits wohnten, sofort ihre Grundstücke zu verkaufen, ihr Gewerbe aufzugeben und in das Innere der Stadt Belgrad zu ziehen. Hierdurch allein schon wurden fast alle Juden ruinirt und das Elend derselben, in Belgrad wurde so groß, daß die Gemeinde nicht einmal mehr im Stande war, ihre Cultus- und Wohlthätigkeitsanstalten zu erhalten. Alle Klagen wurden entweder gar nicht oder mit leeren Versprechungen beantwortet. Die nach dem Pariser Congreß von 1856 von der Pforte erlassenen Vorschriften des öffentlichen Rechts wurden in Serbien verhöhnt und vom Fürst und Senat für die Juden in's Gegentheil verwandelt; ein neues Gesetz gegen die letzteren wurde erlassen, ohne publizirt zu werden. Man wollte zu Gunsten einiger wenigen privelegirtcn christlichen Kaufleute alle Juden erdrücken, freilich auf Kosten des Volkes, das jene bereichern mußte. Das Volk verstand dies sehr wohl. Weder das Volk noch die Geistlichkeit in Serbien waren jemals unduldsam oder gehässig gegen die Juden. Die Feinde des letzteren sind eine kleine Anzahl Kaufleute und Zolinasi lWucherer). Ihr Monopol hat das Land in Armuth gestürzt; die Produkte des Landes bleiben unverkauft, die Kapitalien haben sich entfernt, der öffentliche Credit ist geschwunden, der Wucher verschlingt das ganze Land. Die allgemeine Unzufriedenheit stürzte endlich die Dynastie und rief den Fürsten Milosch zurück. Der Fürst hegte die besten Gesinnungen, aber die Feinde der Juden gewannen die Mehrheit in der Landesvertretung. Aus deren Votum antwortete der Fürst am 29. September 1859 durch folgendes Dekret: „Seine Hoheit, welche wünscht, daß alle Unterthanen Serbiens, ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubens, der Wohlthaten der Freiheiten theilhaftig werden, befiehlt, daß alle früheren Gesetze, die in Widerspruch mit dem jetzigen Dekret stehen, als abgeschafft betrachtet werden sollen. Die Beamten werden darüber wachen, daß kein Bewohner des serbischen Gebietes, welche auch seine Religion oder seine Nationalität sei, verhindert werde, sich niederzulassen, wo es ihm beliebt, sich einem Handel oder irgend einem Berufe zu widmen." In Folge dessen ließ sich eine gute Anzahl Israeliten wieder im Innern des Landes nieder, ergriffen ihre Gewerbe von Neuem und knüpften ihre alten guten Beziehungen mit dem Volke wieder an, das ihnen stets günstig gesinnt gewesen. Kaum aber war Milosch gestorben, als die Feinde der Juden wieder ihr Haupt erhoben und in der Skupschtina ein Gesetz durchbrachten (1861t, welches abermals den Juden die Niederlassung im Innern verbot und sie von allem Detailhandel ausschloß. Im allergrößten Widerspruche ertheilte inan ihnen das aktive und passive Wahlrecht, entzog ihnen aber die allerersten Rechte, die dem Menschen gehören. Man öffnete ihnen auch die militärische Laufbahn, aber sobald sie sich melden, weist man sie sowohl von der Arinee als von der Nationalgarde zurück. Hierzu kam nun das Bombardement von Belgrad. Die serbischen Truppen setzten sich im Judenviertel, das seine Bewohner, ohne etwas Anderes zu retten als das nackte Leben, verlassen mußten, fest und so betraf das Bombardement ganz besonders diesen Theil der Stadt. Sie mußten nach den benachbarten österreichischen Städten ziehen, und von der Wohlthätigkeit ihrer Glaubensgenossen leben. Einige wandelten demzufolge aus. Viele kehrten zurück, vermochten aber ihre zerstörten und geplünderten Wohnungen nicht wieder herzu stellen; sie leben im furchtbarsten Eleird. Alle Gesuche bei dem Prinzen und den Ministern blieben ohne Anttvort. Man sagte ihnen: wandert aus. Aber wie dies bewerstelligen ohne alle Mittel? Und ist cs den Meisten Menschen gleichgültig, die Stätte ihrer Wiege, die Gräber ihrer Väter zu verlassen? So die Schrift. Man weiß, daß in der jüngsten Zeft die Pforte den Serben neue Zugeständnisse gemacht hat, daß sie ihre Besatzungen aus Belgrad und den übrigen Festungen des Landes zurückzieht. I» der Lage der Juden ändert dies Nichts: Nur die herrschende Kaste zieht aus der größeren Freiheit Vortheile.

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