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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-04-09 · Heft 15 (9.4.1867) · p. Seite 299

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 15 (9.4.1867)
Date
1867-04-09
Page
Seite 299 (sequence 11)
Language
German
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299 anführt — gerade das Gegentheil beweisen. Im Jahre 1863 betrug nach obigen Zahlangaben die jüdische Bevölkerung in Warschau 32 Prozent, dagegen die jüdischen Geburten nur 24 Prozent. Im Jahre 1864 die jüdische Bevölkerung wiederum 32 Prozent, die jüdischen Geburten 25 Prozent. Im Jahre 1865 betrug die jüdische Bevölkerung nur 31 Prozent und die jüdischen Geburten nur 24 Prozent. Die Bevölkerung mehrte sich also im Jahre 1864 nur gleichmäßig, im Jahre 1865 ging die jüdische Bevölkerung rückgängig; die jüdischen Geburten aber befanden sich gegen die christlichen im Verhältniß wie vier zu fünf. Die Zahlenangaben können also nur bestimmt sein, den ganz oberflächlichen Beobachter zu täuschen. Man kann daher voraussetzen, was die Phrase, daß in der Provinz das Mißverhältniß noch größer sei, zu bedeuten habe. Man darf hierbei nicht vergessen, daß die Juden in Polen nur in den Städten wohnen dürfen, und daß es nur einen sehr geringzähligen Bürgerstand unter den Polen giebt. In den polnischen Städten werden die Juden deshalb numerisch einen bedeutenden Theil ausmachen. Zur Beurtheilung des Gesammtverhältnisses wird daher das christliche Landvolk, welches die städtische Bevölkerung weit überwiegt, hinzugezogen werden müssen. Als ebenso übertrieben läßt sich darum die Klage voraussetzen, daß die ökonomischen Kräfte des Landes in Händen der Juden seien. Jedenfalls müßten sie dann in erbärmlichem Zustande sein, da bekanntlich die polnischen Juden außerordentlich arm sind. Verhielte es sich aber in Wirklichkeit so, wie die Klagenden behaupten, so wäre dies ein Zeugniß von der Verkehrtheit, Trägheit und Geistesarmuth der Mehrheit, die sich die ökonomischen Kräfte von einer Minderheit aus den Händen nehmen läßt. Aber auch dann würde die schwächste national-ökonomische Einsicht den Juden hieraus ein Verdienst und keinen Vorwurf machen, würde sich des Vorhandenseins der Juden in Polen freuen, statt es zu bedauern. Denn was würde aus der sich selbst als so indolent bezeichnenden Bevölkerung werden, wenn die Juden auch nicht da wären! Wir sahen uns veranlaßt, der „Köln. Zeit." eine desfallsige Berichtigung zuzusenden, die sie auch ausgenommen. Wir ersuchen deshalb andere Blätter, z. B. die „Wiener Presse", welche den Art. des Dniewnik ebenfalls brachte, auch durch Aufnahme der Berichtigung der Wahrheit ihr Recht zu geben. Serbien. Paris, im März. (Privatmitth.) Die serbischen Israeliten, das sind die in Belgrad wohnen, haben hier eine kleine Schrift über ihre Lage «Situation äos Israslitss en Serbie) erscheinen lassen. Sie weisen darin auf die Geschichte der Israeliten in Serbien, welche von Flüchtlingen aus Spanien abstammen und deren sich eine große Zahl in Belgrad niedergelassen hat. Von dem Augenbicke an, wo die Türken diese Stadt erobert hatten, blühete die israelitische Gemeinde. Die Juden konnten unter der türkischen Herrschaft unbeschränkt.und überall.Grundeigenthum erwerben. So bald im Anfang dieses Jahrhunderts die Serben unter Kara-Georg ihre Unabhängigkeit wieder erlangt, änderte sich dieses Verhältniß vollständig. Man kämpfte für die großen Grundsätze der Freiheit und des Rechtes, aber die Christen wollten sie für sich allein besitzen. Als aber Fürst Milosch-Obrenowicz zur Regierung kam, wollte dieser erleuchtete Prinz die Freiheit für Jedermann. Er wollte die Serben an die Uebung der Freiheit gewöhnen, und zu diesem Zwecke sollte Jedermann frei sein. Er ließ keine Rechtsbeschränkungen aus religiösen Gründen zu. Unter seiner Regierung blühete das Land nach allen Richtungen hin aus, besonders in commerzieüer und finanzieller. Es währte dies von 1817—1830. Hieran nahmen die Israeliten Serbiens einen bedeutenden Antheil, und hierdurch wieder wurde der Neid der nichtjüdischen Kaufleute erregt. Das Statut, welches für Serbien erlassen war, enthielt keinerlei Bestimmung, welche den Israeliten eine Beschränkung auferlegte, vielmehr erklärte es ausdrücklich die Gleichheit Aller (§. 27). Die Gesinnung des Prinzen Milosch wird man aus folgendem Zuge erkennen. Er kam von Zeit zu Zeit nach der Stadt Posareivatz. Einst kam er nach einer ziemlich langen Abwesenheit an einem Sonntag dort an, in dem Augenblicke, wo die Christen ihren Gottesdienst abhielten. Als er, von den Magistratspersonen begleitet, durch die Stadt kam, fiel es ihm auf, daß alle Geschäfte, besonders die der Israeliten, geschlossen waren, und da er sein Erstaunen darüber aussprach, sagte man ihm, daß dies den Israeliten auferlegt worden, um die Feierlichkeit des Sonntags zu erhöhen. „Genießen die Israeliten desselben Vorrechtes, fragte der Prinz, und sind Eure Geschäfte am Sabbath geschlossen, während Eure Mitbrüder in der Synagoge beten?". 15*

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