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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-04-09 · Heft 15 (9.4.1867) · p. Seite 298

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 15 (9.4.1867)
Date
1867-04-09
Page
Seite 298 (sequence 10)
Language
German
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298 Vicht hierauf die Ankunft des Messias beruht, und die Rückkehr Israels nach Palästina nicht durch gesammeltes Geld, sondern eben durch den Messias selbst bewerkstelligt werden soll. Hiervon aber wollen wir ganz absehen. Die Hauptsache ist, daß gegenüber der sogenannten orientalischen Frage, d. h. der völligen Unsicherheit in der Zukunft des türkischen Reiches, einer Unsicherheit, die nicht blos aus den Gelüsten der europäischen Großmächte, sondern auch aus der Mannigfaltigkeit und Unruhe der Völkerschaften, die unter dem Scepter des Sultans stehen, entspringt, dieser Unsicherheit gegenüber ist es eine vollständige Verirrung, jüdische Ackerbaucolonieen in Palästina anlegen zu wollen; es würden dadurch die armen Juden, welche sich dazu hergäben, ins Verderben gestürzt und die Mittel der frommen Wohlthätigkeit in unverantwortlicher Weise vergeudet. Palästina ist durch seine Lage gerade das Land, welches bei dem ersten bedeutenden Kampfe, der für die Türkei entsteht, dem schlimmsten Schicksale ausgesetzt ist. Da wird es sofort von den arabischen Beduinen überschwemmt, geplündert und ausgemordet werden; im Norden werden die Drusen und Maroniten zu mörderischem Kampfe aus ihren Bergen Hervorbrechen, und wo eine starke griechische Bevölkerung ist, wie z. B. in Smyrna, wird diese über die Juden herfallen. Aber auch jetzt schon ist die Unsicherheit in Palästtna außerhalb der größeren Städte so bedeutend, daß die wehrlosen jüdischen Colonisten schwerlich ein oder das andere Jahr die Früchte ihres Fleißes und ihrer Entbehrungen ruhig einheimsen würden. Nein, so lange nicht das heilige Land unter dem Scepter einer festen und geregelten Regierung steht, ist jeder Versuch, im Lande Juden zu colonisiren, abzuweisen. Inmitten einer großen europäischen Stadt sich einen solchen Plan auszusinnen und durch irgend einen wandernden Rabbi unterstützen zu lassen, ist eine leichte Sache; schwer aber wiegt die Verantwortlichkeit, welche Jeder übernimmt, der eine solche Phantasterei unterstützt. Rußland. Warschau, 20. März. Die „Köln. Zeit." enthält Folgendes: „Ueber die außerordentliche Vermehrung der jüdischen Bevölkerung in Warschau bringt der hiesige russische Dniewnik einen interessanten Artikel. In Warschau wurden i. 1.1863 bei einer Einwohnerzahl von 211,396 Seelen, unter denen 67,701 Juden, im Ganzen 9930 Kinder geboren, von denen 2443 jüdischen Eltern angehörten. 1864 waren unter 222,906 Einwohnern 72,866 Juden; geboren worden 12,867 Kinder, darunter 3234 jüdische. 1865 hatte Warschau 243,612 Einwohner, darunter 77,219 Juden; geboren wurden 11,980 Kinder (also 987 weniger gegen das vorhergehende Jahr), darunter 2967 jüdische. In der Provinz ist dieses Mißverhältniß noch größer. Auf diese Art bedarf es nicht mehrere Jahrhunderte (sagt der Dniewnik), so muß in Polen die jüdische Bevölkerung die christliche überragen. Da nun das jüdische Volk ohnehin schon beginnt, die ökonomischen Kräfte des Landes zu beherrschen, und eine solche Ordnung der Dinge durch ihre Vermehrung eine steigende Wirkung haben muß, so müssen die Juden über die Christen nothwendig mit der Zeit das Uebergewicht erlangen. Der Grund für diese überwiegende Vermehrung der Juden wird unter Anderem in den frühen regelmäßigen Ehen, bei der größeren christlichen Bevölkerung aber im Gegentheile, sowie theilweise im Findelhause und den Spitälern zu suchen sein, worüber die stattstischen Tabellen gar erschreckliche Thaten liefern." . Wir haben zu dieser Mittheilung folgende Bemerkungen zu machen. Die Klagen über die Vermehrung der Juden in Polen, welche die christliche Bevölkerung mit der Gefahr völliger Verdrängung bedrohe, werden von den polnischen Beamten seit dreißig Jahren immer wiederholt, mit der entschiedenen Absicht, die russische Regierung zu Beschränkungen für die Juden zu veranlassen, oder sie doch wenigstens abzuhalten, irgend welche Erleichterungen von dem früheren Druck eintreten zu lassen. Zwar sieht der einfache Menschenverstand leicht ein, daß, wenn diese Vermehrung selbst unterhalb der schweren Beeinträchttgungen, welche insbesondere bis zum Regierungsantritt des Kaisers Alexander II. für die polnischen Juden bestanden und die wir damals in einem durch fast alle europäischen Zeitungen wiedergegebenen Memoire besprachen, stattfand, sie also durch solche nicht behindert werden könne — aber man will ja nur Schreckbilder aufstellen, und was man im Namen der polnischen Nationalität nicht mehr erreichen kann, zum Schutz der christlichen Bevölkerung erreichen. Das Merkwürdige ist aber nun, daß die Zahlen, die man zum Beweise dieser überwuchernden Vermehrung

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