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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-04-09 · Heft 15 (9.4.1867) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 15 (9.4.1867)
Date
1867-04-09
Page
Seite 297 (sequence 9)
Language
German
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m hereingebracht, allein wenn man bedenkt, welche wichtigen jüdischen Interessen noch von dem galizischen Landtage ausgetragen werden müssen, daß die Wohn-Rechtsrrnd Grundbesitz-Frage noch ihrer Erledigung harret, so wird man die Zahl der Israeliten sehr gering finden. Und was leider das traurigste dabei ist, daß die hiesige Judenschast selbst einen großen Theil der Schuld daran trägt, da, wenn dieselbe in den größeren Provinzial-Gemeinden sich nicht so erbärmlich zersplittert hätten, es ein Leichtes gewesen wäre, noch einige fähige Männer hineinzubringen, die im Vereine mit den andern jüdischen Abgeordneten eine stärkere Phalanx gegen die judenfeindlichen Elemente des Landtages bilden könnten. Auch hier in Krakau herrschte Uneinigkeit in der jüdischen Gemeinde, und opferte man durch unliebjame Agitation, einer Persönlichkeit zu Liebe, die Sache. Es bleibt nun daher nichts anderes übrig, als unsere Hoffnung auf die liberalen christlichen Abgeordneten zu setzen. Ob diese den an sie gestellten Erwartungen, und dem öffentlich verkündeten, politischen Glaubensbekenntniß gemäß handeln werden, wird die Ankunft lehren. Im Allgemeinen sucht sich die christliche Bevölkerung (namentlich hier in Krakau) den Israeliten anzunähern, und das Unrecht ihrer Vorfahren allmählich gut zu machen, und überhaupt die von denselben im sozialen Leben zwischen uns und ihnen gezogene Scheidewand zu durchbrechen. Dies zeigte sich erst vor Kurzem bei Gelegenheit eines von den Israeliten veranstalteten Wohlthätigkeits-Balls, den sämmtliche städtische Honoratioren besuchten, und Toaste auf allgemeine Verbrüderung ausbrachten. Ueberhaupt sprachen sich die hohen Herrn (meist adlige) sehr lobend über den ästhetischen Sinn der Israeliten und über deren feines Benehmen aus, und gestanden offen, daß der Ball gegen ihre Erwartungen ausgefallen, indem sie bis dahin gewisse Vorurtheile in dieser Beziehung gehegt hätten. Dieser Ball war in der That ein Stück Kidusch Haschern, und können wir es deshalb nicht unterlassen, sowohl dem Ball-Comite, bestehend aus den Herrn Akademikern Goldmann, Jnrawicz, Blatteis und Horowicz, welche wochenlang mit den Vorbereitungen sich uneigennützig beschäftigten, als auch H. Wolf Schönberg und dessen Sohn Nathan, welcher seinen prachtvoll decorirten Salon zur Benützung hergab, im Namen aller Besser-Denkenden zu danken. Mögen diese Herrn fortfahren, stets zum Wohle der Judenheit thätig zu sein, und die Anerkennung ihrer Glaubensgenossen wird nie ausbleiben. Auch in unserer Mitte beginnen allmählich die Strahlen des Fortschrittes einzudringen. Der Predigermangel wird allgemein fühlbar, und ist das Bedürfniß so weit gediehen, daß sich einige Beiräthe veranlaßt gefunden haben, in der am 27. v. M. stattgefundenen Plenar-Bersammlung in Angelegenheit des Budgets, den Antrag einzubringen, daß die Cultus-Gemeinde in dem Budget pro 1867 1000 fl. Oe.W. für die Anstellung eines akademisch gebildeten Predigers votire. Selbstverständlich erhob die polnische Fraktion ihre Opposition dagegen, und nachdem sie sich in der Majorität wußte, würde sie bald den Antrag zur Abstimmung gebracht haben, um denselben auf solche Weise gleich iin Keime zu ersticken. Allein der wackere vr. Oetinger erklärte den Herrn Opponenten, daß es ihnen nicht so leicht ankommen werde, denn im Falle sie diesen Betrag im Compromiß- Weg nicht gutwillig hergeben wollten, so würde man den Antrag auf die Neuwahl des Rabbiners, dessen Wahl-Periode schon längstens abgelaufen ist, einbringen. Diese Worte verfehlten nicht ihre Wirkung, denn die Herrn wurden bald milder, unterließen die Abstimmung, und beschlossen die Ueberweisung dieses Antrages an die Finanz-Section. Ueber den weitern Verlauf dieser für die hiesige Gemeinde zur Lebensfrage gewordenen Angelegenheit nächstens. 8. Frankreich. Paris, im März. (Privatmitth.) Nachdem der Plan, jüdische Colonieen in Palästina zu gründen, in Deutschland nur geringen Anklang gefunden, werden jetzt, wie Sie aus dem jüngsten Hefte der Arcli. isr. ersehen können, in Paris neue Anstrengungen zu diesem Zwecke unternommen. Gewiß ist jedes wohlthätige Unternehmen zu fördern, auch wenn der allgemeine Nutzen, wie sich die Unternehmer denken, viel zu hoch angeschlagen ist. Wenn aber ein Plan die Wohlthätigkeit, mit deren Mitteln sparsam umzugehen die höchste Verpflichtung ist, geradezu irre zu führen und nachtheilige Folge zu bewirken droht, so muß man ihm entschieden entgegen treten. Die Meinung, daß mit jüdischen Colonieen in Palästina der jüdischen Nationalität oder gar den messianischen Hoffnungen eine Stütze geboten werde, ist pure Schwärmerei und selbst vom orthodoxesten Standpunkte aus verwerflich, da 15

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