Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1867)
- Date
- 1867-04-09
- Page
- Seite 296 (sequence 8)
- Language
- German
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206richte in den Elementargegenständen und einem Mematischen Religionsunterrichte, die Zöglinge der oMen Klasse für die mittleren Klassen eines Gymnasiums und einer Realschule gründlichst vorzubereiten. In letzterer Beziehung hat die Anstalt bisher besonders Tüchtiges geleistet, und diese Leistungen sind umsomehr anzucrkennen, als die Anstalt bisher lediglich auf sich selbst, auf ihre eigene Kraft angewiesen war. Die mannigfachen Schwierigkeiten, mit denen besonders jüdische Privatschulen zu kämpfen haben, blieben auch dieser Anstalt nicht erspart. Um so auftichtiger und lebendiger ist der Wunsch Aller, denen die Erziehung der jüdischen Jugend eine ernste und heilige Herzenssache ist, daß dem strebsamen Dirigenten, der unter den schwierigsten Verhältnissen die Anstalt mit Aufopferung der persönlichen Interessen aufrecht erhielt, die thatkräftige Theilnahme und Unterstützung der städtischen und Gemeindebehörden zu Theil werde. Aus Westphalen, im März. (Privatmitth.) Die von Ihnen, hochgeschätzter Herr Redakteur, auf Einsendung von Artikeln über die Seminarfrage gerichtete Mahnung, „man möge die That reden lassen, es könne leicht der Fall eintreten, daß über etwas debattirt werde, was nicht mehr vorhanden", ist eine inhaltschwere, mögen die Herrn Lehrer und Gemeinden dieselbe ja beherzigen. Sie hat aber nicht blos für die erforderlichen Zeichnungen, Seitens der Gemeinden, sondern auch für die laufenden Collecten ihre folgenwichtige Bedeutung. Läßt man das Seminar im Stiche, wer bürgt dafür, daß man eines später zu reorganisiren findet; bis zu dem Zeitpunkte, da die Vorarbeitung zur Neugestaltung erledigt, muß für seine Existenz gesorgt werden. Die Beiträge für das reorganisirte Seminar aufheben zu wollen, möchte schwer zu verantwortensein.— Nun sind beinahe seit einem Jahre die Beiträge aus den Gemeinden fast gänzlich ausgeblieben. Mögen die Zeitverhältnisse einen Theil dieser Erscheinung erklären, zu rechtfertigen sind sie nicht. — Das Bedürfniß und der Wunsch nach einer Reorganisation darf keinen Vorwand zur Entziehung der Beiträge abgeben; durch Zurückhaltung eine Pression ausüben zu wollen, wäre eben so verantwortlich wie zwecklos. — Wer nicht mitthatet, hat keinen Anspruch zum Mitrathen. — Wirket nach Kräften, dann frisch heraus mit Erfahrung, Vorschlägen rc. Obige Erfahrung hat aber noch eine zweifache Bedeutung. — In Anbetracht solcher Krisen ist es gewiß von großer Bedeutung, wenn an der Spitze eines solchen Institutes eine Familie engagirt bleibt, 'die Mittel und Willen hat ungünstigen Zeitverhältnissen zu trotzen, und sich über zeitweilige Ungunst des Publikums wie über den Kampf der Parteileidenschaften hinwegzusetzen. — Dann aber auch muß die Erfahrung des letzten Jahres die Vorbedingung des Herrn Löb, vor allen Spezialitäten und Weitläufigkeiten die Existenz der Anstalt gesichert zu sehen, .als gerechtfertigte und weise Maßregel erscheinen lassen. — Wem es also Ernst um die Anstalt ist, der betreibe unverzüglich die jährlichenCollecten, und rege dann die Zeichnungen für das zukünftig reorganisirte Seminar an. Schließlich noch ein Wörtchen an die Herrn Lehrer. Seit je haben die Aufklärung und die Volksschulen ihre im Finstern schleichenden Feinde; Geister der Verdummung stacheln zu Haß gegen die Träger besserer Erkenntniß. Da muß die Religion leider zur Maske genommen werden. — Und die Lehrer, aus dem Haindorf'schen Seminare hervorgegangen, haben einen guten Theil des Kampfes zu bestehen gehabt. Wie, wenn es nun hier und da eben darum zu thun wäre, die fachmäßig gebildeten Lehrer aus dem Felde zu schlagen, und die mißleiteten Gemeinden mit Bachurim zu versorgen, die zu allem dienstbar, was die aufkeimende Saat, die Ihr mühsam gestreut, zu vernichten sucht. Also frisch ans Werk!*) -h. Der Lehrer St. Oesterreichischer Kaiserstaat. Krakau, 1. März. (Privatmitth.) Die Wahlen zu dem im vorigen Monate eröffneten galizischen Landtage sind im Allgemeinen für die Juden nicht sehr günsüg ausgefallen. Zwar haben wir auch dieses Jahr die gleiche Anzahl Israeliten, wie in der vorigen Session *) Wir werden in einer der nächsten Nummern im Stande sein, über den bisherigen Ausfall der Gemeindezeichnungen für das Seminar zu berichten. Da aber jedenfalls die Reorganisation des Seminars noch eine ziemliche Zeit in Anspruch nehmen wird, so finden wir die obige Aufforderung des Lehrers St. völlig gerechtfertigt und empfehlen sie zu nachdrücklichster Berücksichtigung. Redaktion.