Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1867)
- Date
- 1867-04-09
- Page
- Seite 290 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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290 Patriotismus zu besitzen; aber der Patriotismus ist nicht Ueberzeugung, er ist nur fixe Idee bei ihm. Es erregt fast Mitleiden, zu sehen, wie der nun bald siebzigjährige Mann seine politischen und kirchlichen Rückschrittsphantasien eigensinnig ausspinnt und dabei glaubt, den Fortschritt, welchen Deutschland gemacht, begreifen zu können. Und worin findet Menzel „die Wurzel alles Unheils, die Ursache von Oesterreichs innerem Verfall"? Er findet sie darin, daß dem Reiche nicht der „katholische Charakter" bewahrt wurde, daß die Kirche „Magd des Staates" blieb, daß man es selbst unterließ, der Akademie der Wiffenschaften in Wien „einen specifisch katholischen Geist emzuhauchen". Armes Oesterreich, dessen Loos es von jeher war, verkannt zu werden, du besitzest ein Concordat und hast der Kirche den Ehrenplatz im Staate eingeräumt, du hast Gott gegeben, was des Kaisers ist; an der Wiege, an dem Brautbette, und selbst noch am Sarge des Oesterreichers steht die kirchliche Mahnerin und macht ihren Vertrag geltend, und Herr Menzel weiß nichts von diesem Concordat; er erwähnt es nicht einmal, er schweigt die schweren Opfer, welche du der Kirche gebracht hast, todt, und sucht dich anzuweißen, der Verleumder, obwohl du dich jeden Augenblick schwarz waschen kannst vor der Welt! Herr Menzel wüthet daher gegen das Protestantengesetz und die Toleranz, er erhebt den Tyroler Landtag bis zum Himmel, daß er diese Sündfluth von sich abwehrt, da sich hinter der Toleranz nach Menzel doch nur „der wüihendste Haß gegen die alte Kirche, die Verleumdung und Verhöhnung ihrer Priester, die Auflockerung altehrwürdiger Sitte und die Vergiftung des Vvlksgeistes durch die schlechte Presse verbergen." Der Recensent der Presie fährt fort: „Aber noch andere Factoren kamen hinzu, um den inneren Verfall Oesterreichs zu beschleunigen. Jeder Abonnent der „Kirchen- Zeitung", welcher die Geschichte Oesterreichs kennt, weiß, daß jetzt die Juden an die Reihe kommen. Außer einigen zerstreuten Bemerkungen über die Bosheit der Juden, welche, angenehm 'erfrischend, sich durch die ganze erste Lieferung hindurchschlängeln, wird diesem Thema in dem Capitel über Oesterreichs inneren Verfall von Herrn Menzel eine ausführlichere Besprechung gewidmet. Auf acht Seiten, von Seite 43 bis Seite 50, wird ausschließlich von der „Judenwirthschaft" gesprochen. Die Juden figuriren als Juden, als moderne Juden, als jüdischer Stamm, als Haus Israel, als semitisches Geblüt; dem Stande und der Beschäftigung nach sind sie: Großjuden, jüdische Speculanten, jüdische Lieferanten, jüdische Wucherer, jüdische Gauner, Tintenjuden und jüdische Poeten; je nachdem sie eine private oder eine öffentliche Stellung einnehmen, sind sie jüdische Blutsauger oder jüdische Staatsbetrüger; der Geist, der sie beseelt,, ist theils der reformjüdische, theils der jüdische Speculationsgeist; im figürlichen Sinne wird der Juden als Aussatz, als Borkenkäfer und als Läusekrankheit Erwähnung gethan; eine besondere Eigenthümlichkeit der jüdischen Wucherer in Böhmen ist, daß sie den Landmanu um Haus und Hof bringen, der jüdischen Poeten in Wien, daß sie die harmlose Gutmüthigkeit vergiften, der Wiener Judenblätter, daß sie ein Zetergeschrei intoniren, des reformjüdischen Geistes, daß er in den Alpen Kärntens und Steiermarks, wie in den böhmischen Flächen predigt; mit Namen werden unter Anderen erwähnt: der Jude Kuranda, der Jude Löwenthal und der Jude Landsteiner; als historische Quellen endlich, welche das Treiben der Juden näher erläutern, werden bezeichnet: die historischpolitischen Blätter, die Augsburger Post-Zeitung und die evangelische „Kirchen-Zeitung". Die wenigen Stellen, welche aus den genannten Journalen citirt werden, zeigen die Sachkenntniß der Mitarbeiter und verrathen die feinen Spürnasen dieser Schweißhunde für Judenverfolgungen. Wenn diese keinen Binkeljuden in die Wade beißen können, setzen sie sich auf die Hinterpfoten, und weissagen heulend, als säßen sie auf dem pythischen Stuhle, daß die Fürstenmäntel in Gefahr sind, so lange man den Juden nicht den Handel mit alten Kleidern entziehe. Das Verlangen des „Philisters" nach Trennung der Schule von der Kirche und nach unbedingter Gewerbefreiheit ist Herrn Menzel selbstverständlich nur ein Beweis mehr der inneren Fäulniß Oesterreichs. Das ist die furchtbare Strafe, welche die Reactionäre endlich doch einholt, sie können nicht consequent nach rückwärts gehen, ohne endlich auf den Kopf zu fallen!" Dagegen weiß Herr Menzel kein Wort von der Finanzwirthschaft in Oesterreich zu sagen, obgleich er hier doch seinem Drange nach Grobheit so schön genügen konnte. Daß in dem Werke eine Menge Jrrthümer und Beweise der Unwissenheit, der Unkenntniß des Stoffes, den er behandelt, vorkommt, braucht nicht besonders bemerkt zu werden, das ist man von Menzelschen Arbeiten gewohnt. In Preußen ist ihm die Kreuzzeitungspartei das Ideal, der Kern und die edelste Zierde des Volkes, durch die allein Preußen erhalten worden. Dies genügt zur Charakterisirnng dieses Produktes.