Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 15 (9.4.1867)
- Date
- 1867-04-09
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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31 Jahrgang JW 15. Allgemeine Zeitung des Zudeuthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»» in Bonn. Leipzig, den 9. April 1887. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 2 bis 2i/2 Bogen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2Thlr. Vierteljährig l Thlr. Inserate werden mit 1 lj2 Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition für beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Polemisches V. Wolfgang Menzel redrvius. — Die Petition an den norddeutschen Reichstag. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Schwerin, Breslau, Aus Westphalen. O e st err e i ch is<f) e r Kaiserstaat: Krakau Fr ankreich: Paris. Rußland: Warschau. Serbien: Paris. Feuilleton-Beilage: Verschenkt! — Verkauft! l Schluß. Correspondenz. — Kuriosum.' Leitende Artikel. Bonn, 31. März. Polemisches. V. Wolfgang Mergel redivivus. Viele unserer älteren Leser werden fragen: wie, lebt Wolfgang Menzel noch? Sein Literaturblatt ist todt, seine deutsche Literaturgeschichte vergessen, er selbst nur noch eine Erinnerung, über die man jetzt eher lächelt als zürnt, lebt er wirklich noch? Mer die Antwort lautet: er lebt nicht allem, sondern schreibt noch, und mit eiserner Consequenz ganz so wie vor vierzig Jahren. Vor Kurzem erschien von ihm: „Der deutsche Krieg im Jahre 1868 in seinen Ursachen, seinem Verlauf und seinen nächsten Folgen." Das Werk soll zwei Bände umfassen, die ttste Lieferung ist erschienen. Wir gestehen unfern Lesern offen, daß wir dieses neueste Produkt deS siebzigjährigen wiederkäuenden Autors nicht selbst gelesen, ja nicht einmal gesehen haben, auch nicht lesen werden. Wir wissen ja längst, was Wolfgang Menzel zu sagen hat. Wir kennen es nur nach einer Kritik in der Wiener „Presse", und geben aus derselben einige Stellen, sowohl der Curiosität wegen, als auch um von unseren Lesern diejenigen, welche etwa Wolfgang Menzel nicht kennen, vor Schaden durch den Ankauf zu bewahren. Es heißt da: Wenn man nach dieser ersten Lieferung, welche die Ursachen des traurigen Bruderkrieges erörtert, schließen darf, wird weniger die historische als die grobianische Literatur dem Verfasser eine Bereicherung zu danken haben; aber nein, auch die grobianische nicht. Die Grobheit des Herrn Menzel hat sich nicht entwickelt, sie ist die alte geblieben, denn er schimpft auf Advocaten, Zeitungsschreiber, Juden, Franzosen und Liberale in denselben Ausdrücken, die er vor vierzig Jahren gebraucht, da man noch im Postwagen fuhr — die Wunder des Dampfes sind an ihr spurlos vorüber.gegangen! Er sagt den Advocaten immer noch nach, daß sie das Volk beschwatzen, und der periodischen Presse, daß sie sich in den „unreinsten Händen" befinde; die Juden bewuchern wie in den schönsten Tagen des Herrn Menzel Volk und Regierung; er frißt die Franzosen nach vcu alten Ragoutrecepten; und die Liberalen sind wie früher „ganz dumme zweckessende Gewohnheitsschreier". Kirchlich und politisch ein hartgesottener Reactionär, glaubt Herr Menzel noch immer, ein guter deutscher Patriot sein zu können, oder richtiger ein Monopol ans den Deutsch