Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1867)
- Date
- 1867-04-02
- Page
- Seite 287 (sequence 19)
- Language
- German
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287 Gebälk; eine kurze Zeit und Flämmchen Hüpfen am ganzen Dachstuhl hin, bald schlägt die Flamme loh hinaus: der Dom steht in Feuer. So rasend schnell geräth das herrliche Bauwerk, erst vor 35 Jahren noch unvollendet geweiht, erst vor 11 Jahren zum Gebrauche hergestellt, in Brand und leuchtet grell durch die Nacht des Ungewitters, durch die Stadt und ihre Umgebung. .Feuerlärm erschallt, die Hörner tönen durch die Viertel der Stadt, Wehklagen und Jammern erhebt sich, die ganze Bevölkerung Speyers rennt zusammen — aber hier war Nichts mehr zu retten, sondern nur noch zu fürchten. Werden die Bränder, die der Wind über die Häuser der Stadt ausstreut, nicht zünden? Wird der brennende Thurm, wenn er einstürzt, nicht zur Seite sich neigen und das ganze Viertel der Stadt, das daran stößt, mit Untergang bedrohen? Bange Stunden der Furcht und des Schreckens. . . Von dem herrlichen Gebäude blieben nur die äußeren Mauern und das ganz aus Steinen aufgeführte Thorübrig. 8. Der Bischof Johansen war von tiefem Leide über diesen harten Schlag ergriffen. Er stand mit starrem Blicke an den rauchenden Trümmern seiner bischöflichen Kirche, des Glanzes des ganzen Bisthums, an welcher sechs Jahrzehende bereits eifrigst gebaut und geschafft hatten. Sie mußte aus der Asche Wiedererstehen; das Bisthum konnte des Domes nicht entbehren, wo der Bischof selbst seine Funktionen versah und den Dom so zum Gnadenquell der Kirche für die ganze bischöfliche Heerde machte. Aber woher die Mittel nehmen? Konnte er auch auf manche freiwillige Gabe aus dem Sprengel und auch von Außen rechnen, so würde dies doch nur einen geringfügigen Theil der ungeheuren Kosten des Baues und der Wiederherstellung des Innern ausmachen, und der bischöfliche Schatz selbst hatte sich gerade für die Ausschmückung des Doms in letzter Zeit fast ganz geleert. Bon der Stadt durfte er wenig erwarten. Diese war wegen der Angelegenheit des gefangenen Grafen noch allzusehr ergrimmt. Kaiser und Reich waren wie immer arm, und es sah im letzteren ein jeder nicht viel über sein Weichbild hinaus, das selbst der kräftigsten Anstrengung bedurfte, um aus verwilderten Zuständen herauszukommen. Doch Bischof Johansen war nicht der Mann, der lange bei der bloßen Wehklage über geschehene Dinge stehen blieb. Er hob die Augen gen Himmel und den Geist in die Höhe und „frisch ans Werk!" war sein Losungswort, „mit Kleinem beginnen, das Große folgt nach" sein Gedanke. Er spähte nach allen Seiten, was und woher etwas geschafft werden könnte und hatte bald eine Reihe von Entwürfen sich zusammengestellt. (Fortsetzung folgt.) Korrespondenz. Der Prozeß betreffs des Juden Krawalls in Äamnih (Mähren). Znaim, 22. Februar. Am Mittwoch begann vor einem Fünfrichter-Collegium unter dem Vorsitze des hiesigen Kreisgerichtsrathes Spurny die Schlußverhandlung gegen die 14 Personen, die als Hauptbetheiligte bei den Juden-Excessen von Jamnitz angeklagt sind. Drei Tage nahm dieselbe in Anspruch. Die Anklage führte der Staatsanwalts-Substitut Ritter Schön von Liebingen, die Bertheidigung die hiesigen Advokaten Dr. Glaser und Dr. Wittek. Von den 14 Angeklagten nahmen nur 12 ihre Sitze auf den Anklagebanken ein, die zwei Letzten wurden erst am zweiten Verhandlungstage eingeliefert. Zur Zeugenaussage sind 25 Zeugen vorgeladen. Die Verhandlung wurde zumeist in böhmischer Sprache geführt. Der Thatbestand ist folgender: Am 12. Juli v. I. kamen die ersten preußischen Reiter-Abtheilungen unter Anführung eines Husaren-Rittmeisters nach Jamnitz. Wie überall, wurde auch hier der Bürgermeister zum Commandirenden beordert, um Aufschlüsse über die österreichischen Truppen zu geben. Bei dieser Gelegenheit war es, wo der jüdische Cantor Bellak aus Jamnitz durch sein „zudringliches Benehmen" sich besonders bemerkbar machte und den Unwillen der ohnehin aufgeregten Menge in hohem Maße hervorrief, der sich schließlich in unliebsamen Aeußerungen gegen sämmtliche Juden Luft machte und die insgesammt dahinausliefen, daß diese mit den Preußen gemeinsame Sache machten. Die Aufregung wuchs von Tag zu Tag; Jeder wußte neue Verdächtigungen hervorzubringen, und schließlich einigte man sich in der Annahme, daß die Juden es waren, die am Kaiser Berrath übten und den Feind ins Land riefen. So verlief der 13. und 14. Juli. Der 15. fiel auf den Sonntag. Au diesem Tage langte das Manifest Sr. Majestät in Jamnitz ein, das von einem dortigen Gerichts-Adjuucten auf öffentlicher Gasse vorgelesen wurde, wobei der israelitische Brauutweinschänker Moritz Hirschenhauser, genannt „Mayer", dem Vorlesenden über die Schultern sah. Alsbald wurde dieser, ein 78jähriger Greis, ergriffen und mißhandelt, bis ein Amtsdiener ihn den Händen der Wüthenden entriß und im Hause des in der Nähe wohnenden Bürgermeisters verbarg. Der Tumult hatte seinen Anfang genommen, doch hatten sich die Meisten bald wieder besänftigen lassen, um den in der Nähe stattfindenden Gottesdienst nicht zu stören. Der mißhandelte Jude hatte diese Zeit benutzt, um nach Hause zu eilen. Der Gottesdienst war zu Ende, Alles schien ruhig; da plötzlich ertönte der Ruf: „Jetzt geht's über die Juden her!" Wie gesagt, so gethan. Kaum wurde dieser Ruf vernommen, als sich der Zug der zusammengerotteten Menge eilends zur Schenke des genannten „Mayer" be-