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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-04-02 · Heft 14 (2.4.1867) · p. Seite 286

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 14 (2.4.1867)
Date
1867-04-02
Page
Seite 286 (sequence 18)
Language
German
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286 W i? m IM r ' \ i: iMB Itll x« -;Vf Ife i/:> Fl MG I|f v’ Wv,':.V-"vl mn. ■■ t daran klebt und aus deinen Adern geflossen? Elender, Schwacher, der du jammerst über das böse Geschick, das dich verfolgt, aber dir deine eigene Verschuldung nicht eingestehst! Was hast du dich auf Menschen verlassen, auf ihren Rath und ihre Versprechen? Warum List du nicht selbst zum Bischof gegangen, hast ihm Alles entdeckt, hast dich zu seinen Füßen geworfen — er soll nicht so ungnädig sein und hätte dich wahrlich nicht verschlungen! ... In dem wirren Fluge seiner Gedanken blieb Menachem bald stehen, oder ging doch langsam vorwärts, bald eilte er stürmisch dahin. Er hatte sich jetzt wieder ganz zurecht gefunden, und wußte, daß er in weniger als einer Viertelstunde am Ziele sein mußte. Unterdeß war das Gewölk am Himmel höher gestiegen, und machte sich daran, die Sonne zu bedecken, nachdem es sie bereits durch die vorangesandten Nebel fast ganz verhüllt hatte. Der Wind erhob sich, schwoll an, und trieb Wolkensäulen von Staub und Kies durch die Luft. Menachem näherte sich den Felsen, welche den Friedhof umschlossen, in deren Schooß er verborgen lag. Schon war er dicht an der Krümmung des Felsen, deren uralte Spaltung den Eingang zu der Schlucht bildete. Da gewahrte er einen Mann, einen alten Mann in verschlissenen Bauernkleidern, der unter einem überhängenden Felsenvorsprung stand, wohin er sich wohl vor dem zum Sturm anschwellenden Winde geflüchtet hatte. Auch ließ sich bereits der Donner mächtig hören und dann und wann deutete ein Blitzstrahl an, daß das Ungewitter nicht mehr fern sei und über diesen Ort hirrwaudeln werde. Noch wußte Menachem nicht, ob er bei dem Manne stehen bleiben oder an ihm vorüber solle, als dieser auch ihn erblickte, an seinem Gange das Ziel des Herankommenden erkannte, und nun plötzlich ihm entgegensprang und mit kreischender Stimme schrie: „Halt! Wohin willst du? keinen Schritt weiter! .. ." Menachem errieth schnell, wen er vor sich hatte. Sein Blick versenkte sich in die Züge des alten Mannes, und glaubte ihn doch wieder herauszuerkennen. „Lämle, sagte er sanft, bist du es?" „Ja, ich bin Lämle, lautete die Antwort, Ihr sucht mich auf, hier bin ich, kommt, kommt, Ihr wollt von mir schöne Holzwaaren kaufen, Küchensachen, Gartensachen, Spielsachen, kommt zu meiner Wohnung, da habe ich genug, Ihr könnt es Euch aussuchen. Kommt!" Und er griff Menachem beim Arme und wollte ihn von dannen ziehen. Menachem hielt ihn zurück. „Lämle, erkennst du mich nicht? Ich binMenachem, dem du vor dreißig Jahren so freundlich zugethan wärest, ihm manchen Apfel, manches Stück Brod gabst. . „Du, Menachem? Ein alter Mann und Menachem, ein Knabe mit rothen Backen.. ." „Ja, wir sind alt geworden, Lämle, du ein Greis, ich ein alternder Mann ..." „Das kann Jeder sagen: Ich bin der alt gewordene Menachem... Ich weiß es besser, Menachem war ja erst vor Kurzem hier, ein schöner frischer Knabe, der nur noch jünger geworden ist, seitdem ich ihn nicht gesehen hatte... Geht, geht, Ihr wollt mich betrügen, aber Lämle läßt sich nicht betrügen ... Aber nun kommt, ich will Euch meine Maaren zeigen, schöne buntgefärbte und selbstgeschnitzte Sachen, Ihr werdet Eure Freude daran haben .. Und krampfhaft ergriff er den Arm Menachems, diesen von diesem Orte hinwegzuziehen. Der Sturm raste in immer stärkeren Stößen, in immer länger dauernden Wirbeln über ihren Häuptern dahin, die von dem schützenden Felsblocke bedeckt waren; der Donner rollte. Aber Menachem machte seinen Arm frei und warf jetzt einen ernsten, strengen Blick dem Narren zu. „Laß mich, Lämle, rief er mit entschiedenem Tone, ich habe eine hohe heilige Pflicht zu erfüllen, ich muß auf Kewer Owaus gehen, ich muß auf den Gräbern meiner Väter mein Geber verrichten, zu lange schon habe ich gewartet! Hindere mich nicht, denn selbst das Ungewitter, der Sturm und der Blitz sollen mich nicht länger aufhalten ..." '„Du darfst nicht hinein! schrie Lämle, wie außer sich gerathend, es darf Niemand hinein. Siehst du nicht, daß ich hier Wache stehe — warte mit mir, wenn du willst — der Lichtschein wird kommen, hier um die Ecken des Felsens, Heller als der Blitz, glänzender als die Sonne, und dahinter kommt meine Hinde und ihre Mutter, und dann kommt der Moschiach und dann Alle, die hier ruhen, deine Eltern auch..." Aber auch Menachem gerieht in Wuth. Zornsprühenden Blickes, die Arme mit den Knotenstöcken zum Schlage erhoben, standen sich die beiden Männer gegenüber und es war zweifelhaft, wer der Stärkere sein würde, der jüngere Mann oder der Wahnsinn des Greises ... Da rauschte eine Fluth von Sand und kleinen Steinen von oben herab; ein furchtbares Krachen, ein erderschütternder Schlag — größere Steine, schweres Gerölle folgte.. . Stücke flogen den beiden Männern auf Haupt, Rücken und Arme: sie wurden aufmerksam, sie blickten auf, mit einem Schrei des Entsetzens wollten sie hinwegspringen, es war zu spät.. . der herabhängende Felsblock war losgelöst, hatte sich in Bewegung gesetzt, stürzte in diesem Augenblicke herab und begrub beide Männer mit seinem Schutt, nachdem er sie erschlagen hatte. Der Orkan brauste weiter; auf seinen Flügeln fuhr das Gewölk eilends nach Osten; der Donner rollte, die Blitze zuckten. Bald war es an der Felsschlucht vorüber, an deren Eingang unter dem Haufen zerschellter Steine ein kleiner Blutstrom hervorfloß. Das Gewitter machte denselben Weg, den vor kurzer Zeit Menachem zurückgelegt hatte. Sturm, Donner und Blitz langten über Speyer an. Die Glocken läuteten von den Kirchen, da man deren Klängen die Gewitter zu vertreiben die Kraft zuschrieb. Abermals ein furchtbares Krachen, ein Blitz fährt herab, schlägt durch das Dach des Doms in das von der vorausgegangenen Dürre ausgetrockuete

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