Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 14 (2.4.1867)
- Date
- 1867-04-02
- Page
- Seite 279 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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279 Wenn gleich bezüglich der Lehrmethode noch viel zu wünschen übrig bleibt, das Chederwesen noch immer wie ein Spuk unter den Bänken dieser Schule hockt, und der verworrene Jargon die Unterrichtssprache bildet; wenn von einem pädagogisch geprüften Lehrer nicht einmal Erwähnung geschehen darf, so ist es dennoch nicht zu verkennen, daß diese Schule für die bis nun ganz verwahrlost gewesene arme Jugend eine unschätzbare Wohlthat sei. Bei der gestern im Schullokale, in Gegenwart mehrerer israel. Honoratioren und des k. k. Kreisgerichtspräsidenten Herrn Smutnh abgehaltenen Prüfung, hat sich das min nj£p an» ■o iinm schon theilweise bewährt, indem diese Prüfung nicht nur zur Zufriedenheit der israelitischen Anwesenden ausgefallen ist, sondern selbst der edle Herr Kreisgerichtspräsident seine volle Zufriedenheit ausdrückte, und die so überraschten Kinder mit leutseligen Worten zum Fleiße und Gehorsam aufsorderte. Besonders verdient hervorgehoben zu werden, daß die isr. Stadtkommune über Ansuchen der Armenschulverwaltung sich herbeiließ, einen Lehrer aus der städtischen Trivialschule, zur Ertheilung des Unterrichtes in polnischer Sprache und Grammatik, zu delegiren, und selben hiefür mit 50 fl. Oe.W. jährlich aus der Stadtkasse zu remuneriren. Frankreich. Paris, 15. März. (Privatmitth.) Selten hat wohl ein Mann ein so einstimmiges und unbedingtes Lob nach seinem Tode erhalten, wie es hier aus jedem Herzen und Munde für den verstorbenen Munk ausgesprochen wird. Dem entspricht aber auch die hochherzige Weise, mit welcher für die Hinterlassenen gesorgt wird und von der wir nur gewünscht hätten, daß sie wenigstens theilweise dem Verewigten bei seinen Lebzeiten zu Gute gekommmen wäre. Außer bedeutenden Kapitalien, .die von einigen reichen Freunden des Dahingeschiedenen gezeichnet worden, werden die übrig gebliebenen Exemplare des Maimuni, das Exempl. zu wenigstens 300 Frcs. verkauft und sind jetzt schon nicht mehr zu haben.*) Man wird eingestehen, daß dieser *) Das Institut zur Förderung der Israelitischen Literatur kann bei diesen Preisen nicht mit concurriren, hat aber doch das Verdienst, eine Anzahl Exemplare bei großartige Zug von Wohlthätigkeit, so sehr die Verdienste des Verstorbenen den vollen Anspruch darauf begründen, ein Zug, der bereits bei früheren Gelegenheiten an anderen Orten mit nicht minder schönen Resultaten hervorgetreten ist, eine Erscheinung ist, wie wir sie in der Vergangenheit vergebens suchen, und die als religiös-sittlicher Fond unsrer Glaubensgenossen für manchen anderen Verlust reichlich entschädigt. — Das Leichenbegängniß Munk's war auch viel großartiger, als der Bericht in dieser Zeitung voraussetzen läßt. — Die Wiederwahl Gustav von Rothschild's in das Pariser Conststorium ist sicher, da er schon in dem ersten Skrutinium. — Die Licitationen zu den neuzuerbauenden zwei Synagogen haben stattgefunden, und so wird wohl der Bau bald in Angriff genommen werden. Es thut aber auch sehr noch. Bei den ungeheuren Entfernungen in Paris kann eine Synagoge im Mittelpunkte der Stadt für das Bedürfniß nicht genügen, noch dazu, da sie verhältnißmäßig klein und unansehnlich ist. Der Gottesdienst in ihr ist weihevoll und ohne jedwede Störung. Man hilft sich eben in der Stadt durch zahlreiche Minjanim. Italien. Dom Po, 11. März. (Privatmitth.) Dem Vernehmen nach wird binnen wenigen Tagen eine Versammlung in Florenz stattfinden, bei welcher man die Sache des OoU. rabbinicum besprechen wird. Ich werde Ihnen ihre Beschlüsse berichten. Wenn die anderen ital. Gemeinden zu den Kosten nicht beitragen, so ist die Auflösung unvermeidlich. In Livorno hat man seit einigen Jahren die Talmud tora in eine Art von Rabbinerschule verwandelt. Der Oberlehrer ist H. Benamozegh, ein rühmlichst bekannter Schriftsteller. Da in Italien zwei Rabbinerschulen nicht bestehen können, so wird, meines Erachtens, die Livorneser der Paduaner den Rang ablaufen; sie hat Vermögen, die letztere lebt von Tag zu Tag; sie hat jüngst Lebzeiten des verdienstvollen Autors übernommen zu haben. Wir können daher leider nicht darauf rechnen, noch eine Anzahl von Band 1 und II, die wir kurz vor dem Tode Munk's bei ihm bestellt hatten, zu erhalten. Bon dem dritten Bande aber haben wir noch Exemplare, die unsren Abonnenten bei unsrem Commissionär Herrn Oscar Leiner in Leipzig zu Gebote stehen. Redaktion. 14*