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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-03-26 · Heft 13 (26.3.1867) · p. Seite 259

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 13 (26.3.1867)
Date
1867-03-26
Page
Seite 259 (sequence 11)
Language
German
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25S itttg in jüdischen Kreisen erzeugt. Die Antwort war zwar selbstverständlich nicht ablehnend, betreffs der Emanzipation aber doch etwas unklar und nicht ohne Vorbehalte. Die Pester Journale haben bis heute die ganze Deputationsangelegenheit ignorirt. Die „Debatte" enthält unter Anderm hierüber: Der Vorstand der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde brachte Anfangs dieser Woche dem Ministerpräsidenten die Glückwünsche seiner Glaubensgenossen dar und kam dabei selbstverständlich auf die alte Sehnsucht nach der politischen Gleichstellung zu sprechen. Graf Andrässy antwortete sehr freundlich, würdigte die Verdienste der ungarischen Juden um die Hebung der Intelligenz im Allgemeinen und um die materielle Wohlfahrt des Landes im Besonderen, soll aber gesunden haben, daß ein großer Theil der ungarischen Israeliten doch noch nicht in dem wünschenswerthe Maße mit der Nation verschmolzen sei. Dieses „aber" erfüllte die Israeliten mit bangen Ahnungen. „Lloyd" erhielt zwar die Weisung, nichts von der Sache zu sprechen, man that auch alles Mögliche, um das peinliche Geheimniß vor den geschwätzigen Journalisten zu bewahren. Man wollte eben gegen das Ministerium, das zu unterstützen jeder Patriot sich verpflichtet fühlt, nicht oppositionell auf» treten. Wie dies bei dem ungarischen Juden immer der Fall ist, war auch diesmal der Patriot mächtiger in ihm als der Jude. Die jüdischen Kreise indessen durchflog die schlimme Kunde mit Blitzesschnelle und es gab Trauer in Israel. Heute bringt das Journal „1848" eine Art halb offiziellen Communiqe's, in welchem versichert wird, daß die israelitische Deputation einzelne Worte des Herrn Mnisterpräsidenten mißverstanden habe. Wir schenken dieser Aufklärung aus vollem Herzen Glauben; sie ist in der That die ungleich wahrscheinlichere Version. Man müßte sich zwingen, zu glauben, daß ein Staatsmann von der hohen Bildung und der Freisinnigkeit des Grafen Andrässy gerade in der Judenfrage hinter unserem Jahrhundert zurückgeblieben sei. Wir wollen indessen hoffen, daß der offiziösen Erklärung bald offizielle Thatsachen folgen, denn wir sind in jedem Falle so weit schon mit der ungarischen Nation verschmolzen, um selbst bei dem besten Vertrauen die Thaten den Worten vorzuziehen." Wien, 12. März. (Privatmitth.» Es ist eine erfreuliche Erscheinung, daß das stürmische Jahr 1866 in der Bewegung des hiesigen „Vereines zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten", wie der eben erschienene 24. Jahresbericht erweist, keinen Rückschritt, ja nicht einmal einen Stillstand bewirkt hat. Der Verein hatte am Ende 1865 136 Lehrlinge und nahm 1866 102 Zöglinge an; davon verließen 37 die Lehre und 35 vollendeten sie, so daß Ende 1866 166 in der Lehre verblieben. Die 35 zu Gesellen gesprochenen Lehrlinge des Vereins gehörten 12 Prosessionen an. Der Verein nahm 6455 fl. ein und gab 5900 fl. aus. Sein Vermögen besteht aus fast 30,000 fl. Es sind mit dem Vereine mehrere edle Stiftungen verbunden, aus denen Unterstützungen von Gesellen, wenn 'sie sich als Meister niederlassen, Vorschüsse an tüchtige Meister und dergleichen fließen. Alle diese wurden wacker benutzt, aber auch die schuldigen Rückzahlungen geschehen regelmäßig. Um die wohlthätigen Wirkungen des Vereins zu bezeichnen, fügen wir noch die Bemerkung hinzu, daß von den gegenwärtigen 166 Lehrlingen 78 aus Ungarn, 29 aus Mähren, 23 aus Böhmen, 19 aus Wien, 8 aus Galizien, 3 aus Schlesien, 4 aus Oesterreich, 1 aus Kroatien und 1 aus Slavonien gebürtig sind. Alle diese Länder leisten für den Verein Nichts, und es wiederholt sich hier wie auch in Berlin, daß die jüdische Bevölkerung der Hauptstadt für die der Provinzen Vieles thun muß, ohne daß sie dafür die thätige Theilnahme der Provinzen zu wecken vermag. Schweden. Golhenburg, 25. Febr. lPrivatmitth.) Der zweite Artikel lautet: Unter den seltsamen Dingen, welche man bei der Diskussion in der ersten Kammer am 16. d. zu hören bekam, war auch die Behauptung, daß die evangelisch-lutherische Lehre die Grundlage des schwedischen Staates sei. Die Philosophen haben den : Grund der Staaten in der Göttlichkeit gesucht, in der Rechtsidee, in den socialen Anlagen des Menschen, in dein Bedürfniß gegenseitigen Schutzes und gegenseitiger Hülfe u. s. w.; aber niemals haben wir bis jetzt gehört, daß man einen solchen Grund in einem Glaubensbekenntniß sucht, welches einige deutsche Geistliche vor 300 Jahren verfaßt haben um ihren Abfall von der, wie man damals glaubte, allein seligmachenden katholischen Kirche zu rechtfertigen. Wenn des schwedischen Staates Existenz auf dieser Glaubenslehre, wie ein Gebäude auf seinem Grund und Boden, 13*

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