Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1867)
- Date
- 1867-03-26
- Page
- Seite 255 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226581-3226595--24805-3260278- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
255 Von All' diesem : von den Vorurteilen, ihren Ursachen, ihren Aeußerungen, der Weise ihrer Bekämpfung oder dem indifferenten Vorbehalten gegen dieselbe, werden wir an geeignetem Orte ausführlich berichten. Und so haben wir denn den niederländischen Israeliten in seinen socialen Beziehungen, von seinen Licht- und seinen Schattenseiten, sine ira et studio, beschaut und kennen gelernt. Wir wollen uns nächstens nach seinem geweiheten, religiösen Boden hin versetzen. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 15. März. Gegen unsere kurze Kritik in Nr. l 0 sendet uns Herr Dr. Hamburger eine Erwiederung. Es wäre nun sehr schlimm, wenn wir auf jedes Wort der Beurtheilung eine ausführliche Entgegnung aufnehmen müßten. Allein weil Herr Dr. H. es so dringend wünscht, machen wir eine Ausnahme. Wir geben die Erwiederung sogar ohne Bemerkung unsrerseits, da der einsichtsvolle Leser sich schnell selbst ein Urtheil bilden wird. „Sie fragen in der Besprechung des Artikels „Feste": was soll es heißen, wenn der Verfasser als Bedeutung des Sabbats angiebt: „die heiligende Erhebung des Sinnlichen uub Materiellen für den Dienst des Göttlichen und Heiligen? Das Materielle soll erhoben werden?" Darauf antworte ich: das Materielle kann und soll nach der Lehre des Judenthums durch seine Verwendung für edle Zwecke erhoben werden. In diesem Dienste für das Heilige wird das Materielle aus seiner sonst sinnlichen Sphäre erhoben, es wird selbst heilig! Nicht auf die „Sabbatmahlzeiten," die gar nicht, wenn sie nur gut zubereitet werden, zu verwerfen sind, sondern auf die Gründung und Erhaltung unserer Wohlthätigkeitsinstitute weise ich hin, die nur der Erhebung des Materiellen aus seiner niedrigen Sphäre durch seine Verwendung zu edlen Zwecken ihr Dasein zu verdanken haben. Nur der Buddhaismus setzt die Vernichtung des Sinnlichen und Materiellen als höchstes Ziel, dagegen glaubt das Judenthum, daß auch das Materielle in der Welt seine Bestimmung hat, es soll dem Geistigen dienen und ihm zu seinen Zwecken verhelfen. Ist dieses klar? Und diese Idee ist es, die durch den Sabbat verkündet wird. Weiter sagen Sie, daß ich mich in dem Artikel „Gvttähnlichkeit" fast bis zu pantheiflischen Ansichten verleiten lasse. Lieber Herr Doktor! gestatten Sie wir die Zitirung einiger Sätze, damit der Leser den Pantheismus kennen lerne, den ich predige, oder zu dem ich mich durch Unklarheit habe verleiten lassen. S. 473 sage ich: „Nicht leiblich, sondern geistig; nicht sinnlich, sondern sittlich; nicht wirklich, sondern vorbildlich; nicht in dem, was der Mensch ist, sondern wie er sich durch seine Thaten verwirklicht — macht seine Würde, die Verwandtschaft desselben mit Gott aus. In der Welt offenbart sich Gott als Urbild der Sittlichkeit, dem Menschen als Vorbild, wie er in seinen Werken gottähnlich werde." Ist das pantheistisch?! Aber das ist ja nicht die in der Recension von Ihnen berührte Stelle! auch diese sollst Du, lieber Leser! aber in ihrem Zusammenhänge lesen. S. 472 sage ich: „Nach meiner Ansicht bezieht sich die Gottähnlichkeit des Menschen nicht auf Gott an sich, in seiner absoluten Wesenheit, die dem Menschen, nach der Bibel, unerforschbar bleibt, sondern aufseine in und durch die Welt, ihre Schöpfung, Regierung und Erhaltung sich offenbarende Gottesgestalt. Die Verbindung Gottes mit der Welt, wo das All gleichsam seine Hülle, Leib, ist, durch die er in seinen großen Eigenschaften leitend und wirkend sichtbar wird, sollte er in und durch den Menschen sick verbildlichen." Das klingt also pantheistisch, wenn man sagt, daß Gott in .d r Welt durch seine Werke der Vorsehung sichtbar hervortritt, dem der Mensch in seinen Werken nachahmen soll, um Gott ähnlich zu werden — o dann war der Talmud gewiß Pantheist, so er ähnlich lehrt: „Gehe Gott in seinen Wegen nach, wie er barmherzig ist, so sei auch du!" — Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bonn, 8. März. lPrivatmnth.) Schon früher brachten wir einmal die Notiz, daß eine edelgesinnte Dame eine Stiftung an der hies. Universität zu Stipendien für arme und würdige jüdische Studirende zu machen gedenke. Diese Absicht ist jetzt ihrer Ausführung nahe. Die Frau Jsabella Fulda, geb. Herz, zu Coble nz hat hierzu ein Kapital von 200V Thlr. bestimmt. Der Gedanke ist von dem Herrn Rabbiner Ben Israel zu Coblenz angeregt worden; das Statut I