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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-03-26 · Heft 13 (26.3.1867) · p. Seite 251

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 13 (26.3.1867)
Date
1867-03-26
Page
Seite 251 (sequence 3)
Language
German
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251 wird durch sie mehr denn je von dem Gedanken erfüllt, Mitarbeiten zu helfen an der Erleuchtung der Geister, Licht und Aufklärung dahin zu bringen, wo die Finsterniß ihre Throne aufgeschlagen; Liebe, Eintracht und Anerkennung da einzuführen und schätzen zu lehren, wo Lieblosigkeit und Fanatismus Haß und Zwietracht ausstreuen und die Herzen trennen. „Das Volk, das in Finsterniß wandelt, Licht soll es sehen, die da wohnen im Lande des Todesschatten, hell glänze es über ihnen." sJes. 9, 1.) „Jede edle Frucht, die der Mensch säet, ist unsterblicher Art, und wird reiner Ertrag für die Zukunft, die der Orkus nie verschlingt. Aber hüte Dich, daß Du kein Unkraut streuest! Du würdest Dich in Unvollkommenheiten und Fehlern verewigen." Manns Katz, cand. phil. et tlieol. Aus Holland. Sinken aus Holland, ii. Die sociale Stellung. (Fortsetzung). Bon bedeutenden Industriellen giebt es, wenn auch nicht gerade viele, doch mehrere Juden. Hier ist besonders zu erwähnen der im vorigen Jahre verstorbene Dr. med. Sarphati zu Amsterdam, der Gründer mehrerer sehr bedeutender Unternehmungen, wie der Creditnnd Deposito-Bank, und des großartigen Paleis van volksvlijt (Palast des Volksfleißes, ein Gebäude für fortwährende Gewerbe-Ausstellungen). Ein eigener Zweig der Industrie ist noch hervorzuheben, nämlich die Diamautenschleifereien zu Amsterdam, deren Inhaber sowohl als Arbeiter meift Juden sind, und wird die Geschicklichkeit der Letzteren in ihm Fache außerordentlich gerühmt. In den commerciellen Kreisen sind die Juden zahlreich vertreten unter den Banquiers und Effektenhändlern: auch in anderen Branchen bedeutender Art. Wenn nun noch hinzugefügt wird, daß die Zahl der in vorerwähnten Berufszweigen thätigen Männer im Verhältuiß zu der gesammten jüdischen Bevölkerung in den Niederlanden eine beträchtliche ist; so sollte mau sich zu dem Schluffe berechtigt glauben, daß die holländischen Juden im Ganzen und Großen von der Bildung durchdrungen seien, und die geistige Entwickelung derselben im Allgemeinen auf einer hohen Stufe stehe. Dem ist aber leider nicht so. Es ist dies, beiläufig bemerkt, ein Beweis, wie statistische Berichte und Zahlen nicht immer maßgebend sein können, und zuweilen zu irrthümlichen Folgerungen verleiten. Es verhält sich mit der Wissenschaft und Bildung der holländischen Juden wie mit der Sonne, deren Strahlen durch die Oeffnung eines sonst finsteren Raumes von einem Medium aufgesangen werden, sich prismatisch brechen, an Einem Orte das herrlichste Farbenspiel entfalten, den ganzen übrigen Raum aber unbeleuchtet lassen. Die geistige Entwickelung der holländischen Juden bleibt da concentrirt, wo sie einmal ist, vererbt sich etwas kaftenartig, ohne daß ihr weitere Dimensionen angewiesen werden. Die Hochgebildeten und Gebildeten geben natürlich ihren Kindern eine sorgfältige Erziehung, und weisen sie edleren Berussthätigkeiten zu. Die Banquiers und Kaufleute ersten Ranges erwerben mit ihrem Gelde auch einen gewissen Grad von Lebensbildung, aber diese letztere wird kein Beispiel der Nachahmung für Viele, die außerhalb dieses Kreises stehen. Daher giebt es unter den holländischen Juden keinen gebildeten Mittelstand für das praktische Leben, wie man in Deutschland ihn anzutreffen gewohnt ist. Es bleibt immer beim Alten, und die Sehnsucht nach Intelligenz erwacht in der Mehrzahl nicht; zum Theil eine natürliche Folge der materiellen, in der Gewohnheit beharrenden Richtung des Holländers, der zufrieden ist „als het maar zoo gemakkelijk gaat“ (wenn es nur so bequem geht). Mit der Intelligenz hängt aber auch der materielle Wohlstand zusammen. Wir finden deßhalb unter den holländischen Juden auch durchaus keinen so wohlhabenden Mittelstand wie in Deutschland. Der Gold- und Silberglanz bleibt ebenso an bestimmten Orten concentrirt, wie die Sonnenstrahlen der Bildung. Man hört es selten, daß in der Geschäftswelt Jemand durch eigenes Streben, vermöge seiner geistigen Befähigung, sich emporgeschwungen. Der Reichthum ist meist ein ererbter, der hin und wieder durch günstige Zeitumstände wohl auch wächst, gewöhnlich aber auf ziemlich gleichem Niveau verharrt. Diese Erscheinung ist indessen auch mit begründet in der Solidität und Vorsicht des Holländers; während er auf ein kühnes Emporsteigen verzichtet, schützt er sich zugleich gegen einen jähen Fall. In Geldkrisen sind daher die Calamitäten verhältnißmäßig gering. Was den Mittelstand nm betrifft, so liegt der 13*

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