Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1867)
- Date
- 1867-03-19
- Page
- Seite 247 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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247 Kanzler abgeschickt, bestehend aus den Herren Susel Kulp, Leser Leiter und Moses Scheier. Diesen gelang es nicht nur, daß das betreffende Rathsdekret aufgehoben, sondern sie erwirkten noch einen Befehl an die Militärbehörde und an die löblichen Bürgerkapitäne, worin dieselben angewiesen wurden, mit besonderer Obhut darüber zu wachen, „daß keinem Juden etwas in den Weg gelegt werde"; wirklich wohnte die ganze Gemeinde von Groß bis Klein dem Krönungszuge bei und Niemandem widerfuhr eine Unbill. Kinder, Männer, Greise, Jünglinge und Jungfrauen erhoben lautes Vivatgeschrei und es war wie es in dem Buche Esther K. 8. V. 16. heißt: Bei den Juden Licht und Freude und Lust und Ehre! Am Tage nach der Krönung ging Herr Susel Kulp wieder zum kaiserlichen Minister, um an die in Heusenstamm zugesicherte Audienz zu erinnern, um die von der Gemeinde bestimmten Geschenke überreichen zu dürfen. Durch den Fürsten-Reichskanzler erhielten sie die wiederholte allergnädigste kaiserliche Versicherung, daß ihnen nächstens augesagt werden solle, wann die Audienz stattfinde. — Der Fürst-Reichskanzler ertheilte einem seiner Untergebenen den Befehl, die Wohnung des Gemeindevorstehers zu notiren, und denselben mit der oben erwähnten Deputation zur festgesetzten Zeit abzuholen. — Doch die Angelegenheit stand auf dem Punkte Hintertrieben zu werden. Es befand sich zu jener Zeit ein Jude hier, der nicht zur Gemeinde gehörte; dieser wollte sich zum Fürsprecher aufwerfen, wollte Leute zur Audienz und zur Überreichung der Geschenke nach seinem Willen regeln, was natürlich gegen die Ehre der Gemeinde lief, daß ein Fremder sich, ohne gerufen, in die Gemeindeangelegenheit mischen sollte; dieser aber wurde nun zu einem heftigen Gegner und suchte die Audienz zu vereiteln. Aber der liebe Gott, gelobt sei Er und sein heiliger Name, ließ es der außerordentlichen Mühe des Gemeindevorstehers Susel Kulp gelingen, die zum Wohle der Gemeinde erbetene Audienz zu erhalten. Seine kaiserliche Majestät gab dem Fürsten-Oberstkämmerer den Befehl, der jüdischen Deputation die Audienz auf Samstag zu bestimmen. Allein Freitag Vormittag um 10 Uhr wurde plötzlich die Deputation zur Audienz bei dem Kaiser und den Erzherzogen befohlen. — Da dieses unerwartet gej schehen, so war keiner von den Deputaten, die ihren Geschäften nachgegangen waren, zu Hause; sie wurden aufgesucht und versammelten sich im Hause des Herrn l Susel Kulp. Alle drei waren in schwarzem Sammt gekleidet und trugen schwarze seidene Mäntel mit Umschlagen darüber. Von diesem Hause aus fuhren die drei Deputirten in einer Kutsche; in einer zweiten Kutsche folgten die zwei Gemeindediener, ebenfalls schwarz gekleidet, aber ohne Mäntel; die Diener führten die Geschenke mit sich. — Die Geschenke bestanden für den Kaiser in einer I stifte von gelbem Sasian mit schwarzem Sammt gefüt- I tert. Darin befand sich eine große silberne inwendig I vergoldete Podolie-Kump (Suppenschüssel<f mit schönem I Deckel, einer Platte und einem Löffel, alles nach der neuesten Fa^on mit Laubwerk verziert, 24 Mark schwer; ferner ein reich mit Goldspitzen verzierter Beutel, worin sich 300 neue Reichsgulden befanden mit dem Bildniß Königs Josep II.; ein gleiches Geschenk erhielt der König Joseph II. Der Erzherzog Leopold erhielt zwei große silberne dreiarmige Leuchter, welche mit silbernem Präsentirteller 15 Mark wogen; ferner einen aus Drapd'or verfertigten, mit silbernen Spitzen besetzten Beutel mit 200 neuen Reichsgulden. 'Nun stiegen die Deputirten aus, die Gemeindediener trugen die Kiste bis zum Audienzzimmer; daselbst angekonnnen, nahm der Vorsteher Susel Kulp die Suppenschüsselplatte, worauf der Beutel mit dem Gelde lag, nebst dem Borlegelöffel und stellte sich zur Rechten; in der Mitte ging der Sprecher Leser Leiter, zur Linken Moses Scheier, der die Suppenkumpe mit dem Deckel trug. Bei dem Eintritt in das Zimmer verneigten sie sich zur Erde; ebenso in der Mitte des Zünmers und endlich zum dritten Male an den Stufen des Thrones, worauf sich Se. kaiserliche Majestät befand; da sich aber die Deputirten noch etwas entfernt vom Kaiser aufgestellt hatten, so befahl ihnen der Kaiser naher zu treten. Hierauf hat der Sprecher die folgende Anrede an Se. kaiserliche Majestät gerichtet: Allerdurchlauchtigster, großinächtigster und unüberwindlicher römischer Kaiser! Allergnädigster kaiserlicher und königlicher Herr! Erlauben Eure kaiserliche Majestät allergnädigst, daß, nachdem das ganze Frankfurt über deren allerhöchste Anwesenheit bei einer so glorreichen Gelegenheit sammt dem ganzen Reich seine innigliche Freude bezeugt hat,^ auch Dero getreue Kammerknechte, die hiesige Judeuschaft sich zu Deren Füßen werfe und zu größerer Bezeugung ihrer Devotion ein Geschenk überreiche, welches nicht nach der Größe, sondern nach ihren geringen Umständen abzumessen ist. Euerer kaiserlichen Majestät mächtigem Schutz empfiehlt sich die gedachte Judeuschast in aller Unterthänigkeit: Gott segne Allerhöchstdieselben als einen Mann nach dem Herzen Gottes; er erhalte deren Allerdurchlauchtigste Frau Gemahlin, kaiserliche und königliche apostolische Majestät; er gebe dem glorreichen römischen König, was er dem König Salomo verheißen; er wende seine Gnade Dero ganzem kaiserlichen Hause zu! Dieses ist dasjenige, worum und wofür Gott den Allerhöchsten die demüthige Judenschaft im allgemeinen sowohl als besonderen Gebet inniglich anrufen und sich dabei kniebeugend zu kaiserlichen Gnaden niederwirft. Der Kaiser erwiederte: Wir werden die Judenschaft in unserem Allergnädigsten Schutz behalten, und ihr auch ferner unsere Gnade angedeihen lassen. Die zwei anderen Vorsteher stellten dann die Geschenke auf den Tisch, der sich neben dem Thron befand. Herr Susel Kulp stieg dann, wie er es sich vom Minister erbeten hatte, eine Stufe an den Thron und küßte den Saum des kaiserlichen Mantels; ebenso thaten alsdann