Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1867)
- Date
- 1867-03-19
- Page
- Seite 248 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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248 die zwei anderen Deputirten. Dann gingen alle drei rückwärts weg, und machten wieder dieselben drei Reverenzen wie beim Eintritt. — Sie gingen nun in derselben Ordnung in das Zimmer, worin sich Seine Majestät der römische Kaiser befand, hier hielt Herr Susel Kulp folgende Anrede: Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster und unüberwindlicher römischer König! Allergnädigster Herr! Eurer römisch-königlichen Majestät in allertiefster Submission, Namens deren allerunterthänigste Kammerknechte einer hiesigen Judenschaft, daß Allerhöchstdieselben allerhuldreichst erlaubt haben, Dero Allerhöchsten Gnadenthron fußfällig zu nahen, unsere allerdemüthigste Freude zu bezeugen und auch mit einem geringen Präsent aufwarten zu dürfen. Wir fuppliciren also in tiefster Ehrfurcht, Eure römisch - königliche Majestät geruhen allergnädigst dieses allerdevoteste Opfer anzunehmen und uns Dero mächtige Protection, gleich wie solches von Dero allerdurchlauchtigsten , großmächtigsten und unüberwindlichen römischen Kaisers und Herrn Vaters Majestät allermildest geschehen, zu erhallen. Wir, Dero allerunterthänigste Knechte, flehen Gott den Allmächtigen täglich, sowohl ins Gemeine als Besondere herzlich an: Er wolle Dero allerhöchstes geheiligtes Haupt und Dero allerdurchlauchtigste Eltern Majestäten, nebst dem gesummten kaiserlichen Erzhaus, bei immerwährender höchsten Glorie, Glanz, Blüthe und Wachsthum in allem nur erdenklichen, niemals unterbrochenen Glück und Segen bis zu dem spätesten Lebensalter erhalten! Amen! Jhro römische Majestät erwiederten ebenfalls sehr huldvoll. Die oben beschriebenen Geschenke wurden auf einen Tisch niedergelegt, welcher neben dem Thron stand. Dann ging die Deputation in die Audienz zu dem Erzherzog Leopold kaiserliche Hoheit, allwo Herr Kulp den Präsentirteller mit den 200 Reichsgulden überrreichte und Herr Leser die zwei Leuchter. Kulp hielt auch hier wieder die folgende Anrede: Durchlauchtigster Erzherzog! Gnädigster Herr! Gleich wie die gemeine Judenschaft Hierselbst die allergnädigste Erlaubniß erhalten hat, Ihrer kaiserlichen Majestät und Ihrer römisch-königlichen Majestät die gewöhnlichen Präsente allerunterthänigst zu überreichen, also hat dieselbe nicht ermangeln wollen, Eurer kaiserlichen Hoheit ebenfalls mit dergleichen unterthänigst aufzuwarten, welchem wir also im Namen unserer Gemeinde hiermit unterthänigst Nachkommen wollen, mit submissester Bitte, daß Eure kaiserliche Hoheit solches geringe Präsent gnädigst anzunehmen huldreichst geruhen. Wir bitten den allmächtigen Gott, daß er Eure kaiserliche Hoheit und das gesammte allerdurchlauchtigste kaiserliche Erzhaus Oesterreich in seiner gnädigsten Obhut halten möge, und wollen uns die gemeine Judenschaft Hierselbsten Eurer kaiserl. Hoheit Huld und Gnaden unterthänigst empfohlen haben. Der Erzherzog empfing die Geschenke huldvoll, ertheilte eine sehr gnädige Antwort und versicherte die Juden seiner Gnade; ja ließ sich sogar in eine ganz familiäre Unterhaltung mit der Deputation ein. Und so wurden sie endlich in Gnade, und mit großen Ehren entlassen. Die Deputation ging zu Fuß durch die Stadt nach der Judengasse und wurde überall unterwegs mit großer Auszeichnung behandelt. Diese ganze Begebenheit wurde lateinisch gedruckt und im Diarium niedergeschrieben. Hier schließen wir unseren Bericht mit folgendem Gebet: Gepriesen sei o Herr unser Gott, König der Welt, der Du Deinem Volke Israel nie Deine Gnade entzogen; Du wirst auch ferner Dein Volk Israel Gunst und Gnade finden lassen in den Augen der Fürsten und Völker! Amen und Amen! Kuriosum. Die Wiener „Presse" enthält folgenden, nicht ohne Ironie gehaltenen Bericht: „Eine Akademie mit confessionellem Anstrich soll demnächst zum Besten des israelitischen Frauen- Wohlthätigkeits-Vereins veranstaltet werden. Neben der Erzielung eines möglich großen Erträgnisses für den wohlthätigen Zweck scheint die Absicht der Arrangeure < Mosenthal, Wilhelm Frankl rc.) auch dahin gerichtet zu sein, der Akademie in Bezug auf die milwirkenden Kräfte nach religiöser Seite hin einen gewissen einheitlichen Charakter zu verleihen; es dürften sonach unter den mitwirkenden Sängern und Sängerinnen die Namen Bettelheim, Tellheim und Ferenczy kaum fehlen. Ein kleines französisches Lustspiel wird wie selbstverständlich von Herrn Sonnenthal, der Frau Gabillon und — Herrn Lewinsky dargestellt werden. Der letztere Künstler war wahrscheinlich nicht zu umgehen, er ist auch unter den übrigen Hofschauspielern in Anbetracht des Umstandes, daß er Nathan den Weisen spielt, der am wenigsten Bedenkliche. Den interessantesten Theil der Akademie aber sollen Darstellungen lebender Bilder abgeben, nach Art wie sie im vorigen Jahre im Salon eines der hiesigen Geld- Aristokraten gezeigt und mit Beifall ausgenommen wurden. Für eine Judith, eine Ruth und Esther sollen unter den Damen, die sich dem wohlthätigen Zwecke zur Verfügung stellten, ganz reizende Muster gefunden worden sein. Die Preise sollen in Anbetracht des Außerordentlichen, das geboten wird, nicht minder wie zum Vortheile des wohlthätigen Zweckes der Akademie ziemlich hoch fixirt werden." Wir unsererseits finden Zwiefaches darin: zuerst, daß es schön ist, wenn die Juden erweisen, daß die Zeit hinter ihnen liegt, wo sie ängstlich vermieden, sich als Juden ju erkennen zu geben, und alles Jüdische nach außen zu verstecken; zweitens, daß die jüdischen Kräfte auch in Wien auf dem Gebiete der Kunst und des Geschmackes zum Vorzüglichsten gehören. Verlag von Baumgartners Buchhandlung in Leipzig. — Druck von I. B. HLrschfeld. Verantwortlicher Redakteur Dr. H. Lotze.