Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1867)
- Date
- 1867-03-19
- Page
- Seite 238 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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m In seiner Sitzung vom 1t. Jan. hat der Regierungsrath den öffentlich Angestellten der hiesigen isr. Gemeinde in Bezug auf Niederlassung die gleiche Begünstigung gewährt, wie den öffentlichen Beamten und Angestellten des Staats, den Geistlichen und Lehrern; sie sind daher berechtigt, die Niederlassung zu erlangen, auch wenn sie einem nicht vergegenrechteten Staate angehören. — Auch in dem, am Bodensee freundlich gelegenen Rorschach beginnt man die Festungsmauer der Aufnahmsverweigerung für die Juden zu schleifen. Die Bürgerversammlung der dortigen politischen Gemeinde hat einem Israeliten von Hohenems die Niederlassung gewährt und der Regierungsrath dieselbe bestätigt. Es werden sonach im Canton St. Gallen von Juden bewohnt: St. Gallen, Tablat, Rorschach, Rapperschwhl, Schmerikon und Flawyl. Frankreich. Paris, im März. Bei der am 24. Februar ftattgefundenen Wahl dreier neuer Mitglieder des Cvnsistoriums von Paris fanden sich von 4850 Wahlberechtigten nur 1298 ein. Da nun gesetzlich zur Gültigkeit der Wahl ein Drittel der Wahlberechtigten erforderlich ist, so wurde die Wahl annullirt, und eine neue Wahl auf den 17. März ausgeschrieben. — Abermals sind zwei Juden in den Professorenkörper der Pariser Universität eingetreten. Es wurden nämlich durch kaiserliches Dekret die Herren DD. Axsenfeld und Sse zu Professoren an der medicinischen Fakultät zu Paris ernannt. — Der Banquier Herr Cahen (d’Anvers) ist zum Bürgermeister von Nainville ernannt worden. Paris, 28. Febr. (Privatmitth.) Herr Albert Cohn beweist jetzt dem verstorbenen Munk, wie er es so oft dem lebenden gethan, was wahre Freundschaft sei. Unser werther Oberrabbiner, Herr Isidor, steht ihm zur Seite, und bereits ist von beiden der Plan ausgegangen die noch in großer Anzahl übrigen Exemplare des „More“ zu hohen Preisen an die Verehrer des Verblichenen zu verkaufen, und auf diese Weise den Hinterlassenen eine Rente zu bilden. Die Sitzungen des Konsistoriums sollen weiter in Munk's Wohnung gehalten werden. Vielleicht geben die verschiedenen Aemter, die der Verstorbene bekleidete, der Familie Recht auf eine Pension. Munk ist, als Officier der Ehrenlegion, mit militärischen Ehren bestattet worden. Es wäre wünschenswerth den litterarischen Nachlaß des Verstorbenen, so wie seine in verschiedenen Zeitschriften zerstreuten Aufsätze zu sammeln, und mit seinem Bilde, das sowohl Hr. A. Cohn als Munks Familie besitzt, herauszugeben. Bemerken wir hierbei, daß Munk, mit einer Bescheidenheit, die ihn ehrt, den oftgemachten Antrag sein Bild in den jüdischen Kalender von Paris aufnehmen zu lassen, niemals annahm. Munk wird schwerlich als Gelehrter, nie aber als Mensch ersetzt werden. Und dieser Verlust ist um so mehr zu bedauern da die wenigen noch lebenden ausgezeichneten Männer bereits alt sind, und'sich noch keine neue, der großen vergangenen werthe, Generation zeigt. L. 8. Paris, 1. März (Privatmitth.) Herr Senior Sachs in Paris ist seit schon langer Zeit mit einem größeren Werke über Salomo Jbn Gabirol beschäftigt, das gewissermaßen die früheren Forschungen des Autors auf diesem Gebiete vervollständigt. Die Freude, mit der S. Sachs dies große Werk begonnen, wurde ihm leider durch Munk's Tod verleidet. Dieser hatte chm stets die größte Theilnahme gezeigt, und sich über die neuen Entdeckungen, die der Autor chm mündlich mittheilte, herzlich gefreut. Denn Munk war nicht einer solcher Gelehrten, die Jedem, der auf demselben Felde arbeitet, mißgünstig sind; sein edler Charakter zeigt sich genügend in einem Privatbriefe, wo er über S. Sachs unter anderen sich folgendermaßen ausdrückt: „c’est ce que je lui souhaite par la Sympathie que m’inspire la communautö de certaines etudes de pr6dilection.“ S. Sachs trifft dieses Unglück um so schmerzlicher, da er jetzt auf diesem Gebiete vereinzelt dasteht. Rußland. Warschau, im Februar. Herr Aron Kaufmann, ein Israelit, ist jetzt durch den Minister der russischen Marine zum Generalintendanten des Schiffsbaus ernannt worden. Dies ist derselbe, der die Mittel gefunden hat, die Jnsecten in den Schiffen zu vernichten.