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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-03-19 · Heft 12 (19.3.1867) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 12 (19.3.1867)
Date
1867-03-19
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
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237 Warum die löbliche Cultusrepräsentanz noch immer nicht die Gemeindebibliothek den Studirendcn zur Benutzung öffnet, ist mir ein Räthel. Sollen denn die Motten die Bücher zerfressen? Wie wir einer brieflichen Mittheilunz aus Brünn entnehmen, wurde dort ein jüd. Grabstein aufgefunden, der, wie sich nach der Entzifferung herausstellte, 1000 Jahre alt sein soll Demselben Briefe entnehmen wir auch, daß Herr vr. Nehemias Brüll, der durch verschiedene wissenschaftliche Arbeiten, namentlich durch seine ausgezeichnete Monographie „die Alabarchen" in Geigers Vierteljahrschrist sich einen guten Namen in der Gelehrtenwelt erworben, in Bisenz, einer der größten Gemeinden der Provinz Mähren, zum Rabbiner gewählt wurde. A. W. Aus Ungarn im Februar. (Privatmitth.) In diesem Augenblicke, wo der electrische Draht die Ernennung des Grafen Andrössy Gyula zum Ministerpräsidenten des Königreiches Ungarn meldet, dürfte es an der Zeit sein, die Ansichten dieses Patrioten über die Emancipation der Juden kennen zu lernen. Uns kömmt bei dieser Mittheilung der Umstand zu statten, daß der Graf Deputirter bei der Stadt S. a. Ujhely ist und sowohl bei der Deputirtcnwahl im Jahre 1801, als im vorigen Jahr sein Glaubensbekenntniß nach dieser Richtung aussprach. Im Jahre 1861 versprach der Deputirte dieser Stadt einer israelitischen Deputation, bei dein Landtage der vollständigen Emaneipation der Israeliten das Wort zu reden; rvährend er im vorigen Jahre bei ähnlicher Gelegenheit sich als Jünger Deäk's seinen Wählern vorstellte und auch im Landtage im Geiste des Weisen der Nation stimmte. Aehnliche Hoffnungen kniipfen wir an den Cultusminister Eötvös und seine Räche. Wenn wir gut unterrichtet sind, werden Männer der lieberalsten Richtung ins Cultusministerium treten, Männer, welche einer Autonomie der israelitischen Einwohner endlich das Wort reden und dem Laboriren auf dem Gebiete der Schule und Synagoge ein Ende machen werden. Zum Glücke für das ungarische Judenthum vereinigt in diesem Augenblicke Pest solche Männer in seiner Mitte, denen es um die Wahrung der Interessen des ungarischen Judenthums Ernst ist, und dürfen wir die glückliche Wahl des Herrn Cohn zum ungarischen Prediger in diesem Augenblicke um so weniger unterschätzen,^da Pest mehrere hundert jüdische Studirende in seinen Mauern birgt, Jünglinge, die ebenso begeistert für das Judcnthum, wie für die nationalen Bestrebungen des Vaterlands sind. Daß unter diesen Umständen die Vorlesungen im Ungar, israel. Verein zahlreich besucht werden, läßt sich vermuthen und sprechen sich denn auch die tonangebenden Journale sowohl der Hauptstadt, als der Provinz, über dieses wahrhaft patriotische Wirken dieser an der Spitze des Vereins stehenden Herren recht günstig aus. Nicht minder erfreulich ist die Stimmung der liberalen Presse, sowohl der Provinz, als der Hauptstadt und können wir Ungarn stolz sein, auch keine Stimme in dieser so ernsten Zeit gegen uns zu vernehmen. Wie wir aus den öffentlichen Blättern ersehen, haben sich die Israeliten überall im Lande bei den Festlichkeiten zur Herstellung der Verfassung des Landes betheiligt. Nr. 8 der allgemeinen Zeitung des Judenthums erwähnt S. a. Ujhely schon seit länger als unter die begünstigten Rabbinatsschulen gehörig. Wir sind in der Lage, berichtigend zu erwähnen, daß S. a. Ujhely vor den 36 Rabbinatsschulen nichts voraus hat, nur ivurde nicht überall dieser hohe Erlaß der hohen Königl. Statthalterei und Hofkanzlei veröffentlicht, vielmehr von den meisten Comitaten des Landes ad acta gelegt, ja deren Mittheilung an die Rabbinate hartnäckig verweigert. Inwiefern Rebb Hilel in Szikßs seine Rabbinatsschule auch unter dem Ministerium Andrbssy zu erhalten in der Lage sein wird, sind wir um so gespannter zu erfahren, da der edle Graf das Wirken dieses chassidischen Rebbes aus eigener Anschauung kennt. Oberlehrer I. I. Rosenmeyer Schweiz. St. Gallen, 6. März (Privatmitth.) Die Verhandlung und hoffentlich günstige Erledigung derSchächtangelegcnheit im Schooße der Regierung stehen nahe bevor. Sehr vortheilhaft hat hierfür ein ausführlicher Aufsatz des Herrn vr. Engelbert in Nr. 49 ff. des hier erscheinenden „Tageblattes" gewirkt, welcher mit Nachdruck hervorhob, daß die in der Schweiz üblichen Methoden, Thiere zu tödten, viel mehr Thierquälerei enthalten, als die jüdisch-rituelle Schächtweise. 12

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