Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1867)
- Date
- 1867-03-19
- Page
- Seite 236 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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236 existirenden Gesetzes aufheben zu lassen. Hätte man für die ungarische Judenschaft nicht etwas Aehnliches thun und derselben „bis auf weitere Verfügung des Gesetzes" das Recht der activen und passiven Wahl einräumen können? Schädigt es das existirende Gesetz mehr, wenn man demselben noch einen Punkt hinzufügt, als wenn man einen Abschnitt desselben außer Rechtskraft setzt? Oder haben die Juden Ungarns durch ihr politisches Verhalten sich weniger um das Land verdient gemacht, als es die Serben oder die Rumänen gethan?" Nun, was das Ministerium unterlassen hat, kann der Landtag nachholen, und es käme nur darauf an, daß irgend ein Deputirter ein desfallsiges Amendement stellte. In der Judenfrage hat man es gar zu oft erlebt, daß die Sprache der Politiker vor Erlangung dessen, was man erstrebt, und nach der Erlangung bei Vielen eine sehr verschiedene ist, und man kann es uns daher nicht verargen, wenn wir nach den Worten endlich auch die That sehen wollen. Pest, im Febr. (Privatmitth.) Vom unermüdlichen M. Ehrentheil ist so eben im Verlag von Lampel dahier eine deutsche Sprachlehre für Ungarn erschienen Wie wir vernehmen wird der seit dem Jahre 1861 unterdrückte „ULMAr izraelita“ unter der Redaktion des wackeren P. Tencer wieder erscheinen. Möge das patriotische Unternehmen die weiteste Verbreitung finden. R- Prag, den 8. März. (Privatmitth.) Im Auftrag des k. k. Ministeriums kam die böhmische Landesrepräsentanz hier zusammen, um in den Sitzungen, die am 4. und 5. d. M. stattfanden, über die Verwendung der Summe von 200000 fl. Oest.W, die den Landgemeinden Böhmens nach Theilung des jüd. Fonds zufielen, zu berathen und zu beschließen. Bevor man zur Sache selbst schritt, wurde Herr Tausig aus Budin wieder einstimmig zum Obmann gewählt. Hierauf wurde beschlossen ein Waisenhaus für Böhmen zu gründen, nebst einer Vorbereitungsschule, in welcher der Unterricht derart ertheilt werden soll, daß die Schüler Lei dem Austritte aus derselben die Reife erlangt haben, eine jüd. theolog. Lehranstalt wie in Breslau frequentsten zu können. Wir hoffen, daß die Prager Gemeinde mit den Landgemeinden sich vereinen wird, um zusammen etwas Ganzes schaffen zu können, da ohnehin, wie wir schon berichtet haben, Prag die ihm zugefallenen 100000 fl. zu denselben Zwecken verwenden will. Dr. Friedrich Wiener wurde dieser Tage zum Vicepräsidenten der böhmischen Advocatenkammer an Stelle des verstorbenen vr. Hohlfeld gewählt. Wir zweifeln gar nicht, daß bei der am 20. d. M. neuerdings statthabenden Landtags-Abgeordnetenwahl jene 50 Herren in der Josefstadt „ihm ohne weiteres ihre Stimmen geben werden, die ihm selbe das vorige Mal entzogen haben." Unter den Vielen, die anlässig ihrer Verdienste um Pflegung und Heilung verwundeter Krieger von Sr. Majestät dem Kaiser Auszeichnungen erhielten, sind auch folgende 4 Israeliten aus Prag: Herr Markus Rosenbacher bekam ein Anerkennungsschreiben. Herr Salomon Schwarz, Handelsmann, das goldene Ver' dienstkreuz ohne Krone, und die Herrn vr. Salomon Bondh und Latzar Plowitz das goldene Berdienstkreuz mit der Krone. Letzterer ist ein auch um die jüd. Gemeindeinteressen wohlverdienter Mann. Der Umbau des Tempels ist bereits in Angriff genommen. Wir können nicht umhin bei Gelegenheit das tolerante und humane Benehmen des Herrn Kvffuth, Pastors an der reformirten Gemeinde, mitzutheilen. Derselbe stellte dem Tempelvorstand den Antrag, während der Zeit des Baues den Gottesdienst unterdeß in der Kirche abzuhalten; das humane Anerbieten wurde vom Vorstande dankend abgelehnt, da die Wohnung des H. Prof. Kämpf in eine Interims-Synagoge umgestaltet wurde. In der Pinkas-Shnagoge trat am verflossenen Samstag ein gewisser vr. Hof sein Amt als Prediger an. Herr Adolf Langer, der bereits in mehreren Gemeinden als Cantor mit ausgezeichnetem Erfolge fungirte und zum Unterschiede von den sogenannten Chasanim, deren ohrenzerreißenden schnörkelhaften Singsang man hier noch zu hören bekommt, sich durch gediegene musikalische Bildung auszeichnet, suchte bei der Statthalterei um Bewilligung zur Gründung einer Cantorschule an. Wie wir hören, wird die Bewilligung hierzu ertheilt werden, da Herr Langer der an ihn als Bedingung gestellten Aufforderung, sich einer Prüfung bei einer auf musikalischem Gebiete anerkannten Capacität zu unterziehen, nachgekommen, und von Herr» Prof. Krejci ein ausgezeichnetes Zeugniß über Befähigung zur Leitung eines solchen Institutes erhalten hat.