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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-03-12 · Heft 11 (12.3.1867) · p. Seite 217

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 11 (12.3.1867)
Date
1867-03-12
Page
Seite 217 (sequence 9)
Language
German
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217 derthalb Jahrtausende, aller Hilfe der Macht beraubt, bloß durch seine geistige Energie, zu bewahren wußte, — welches die Gesetze seines Vaterlandes auch dann beobachtete, als es sein Vaterland verlor, und welches die Sitten seiner Vorältern in treuer Tradition befolgte, als es dafür lange Leiden erdulden mußte. Als Ungar muß ich eine „Lehre" finden indem Leben jenes Volkes, welches, seines Vaterlandes beraubt, vermögenlos hinausgestoßen in die Welt, rechtlos gelassen in der Gesellschaft, mit eiserner Geduld, emsiger Geistesschärfe und rastlosem Fleiße uns das Beispiel gab, wie ein Volk das verlorene Leben auf's neue beginnen muß, wie es sich nie der Verzweiflung ergeben darf, und wie es auf niemanden sonst sich stützen soll, als auf sich selbst und den einen Gott! Als Ungar muß ich einen „Gewinn" darin finden, daß wir (an den Israeliten) zahlreiche Compatrioten besitzen, die, mit vielseitiger Bildung, europäischer Civilisation und hohen geistigen Fähigkeiten ausgestattet, ein großes geistiges Kapital unseres Ungarlandes repräsentiren, und durch ihre ausgebreiteten Verbindungen für unsere internationalen Verhältnisse wahrhaft unentbehrlich sind. Und endlich, als Ungar, muß ich „Liebe" für jenen Volksstamm empfinden, der, in unserem Vaterlande an Zahl eine halbe Million überschreitend, in den schweren Zeiten unserer Verfassungskämpfe, weder seine Seelenzahl, noch seine geistige Kraft oder seine Geldmacht gegen die Ungar. Nation in die Wagschale warf; welcher in den Jahren des Absolutismus nicht seine „Aeltesten" absandte, um an dem Versuche der Vernichtung Ungarns theilzunehmen; welcher in den Tagen der freien Rede seine Stimme nicht für die Zerstückelung der ungarischen Verfassung erhob, vielmehr auf dem publicistischen Gebiete fortwährend im Vereine mit uns für deren Wiederherstellung kämpfte, der seine Interessen immer mit denen des Vaterlandes identificirte, und nie etwas anderes forderte, als in Ungarn ungarischer Bürger sein zu können. Um auf diesen Wunsch „Amen" zu sagen, brauche ich nur Ungar zu sein, und als dessen Ergänzung bloß den Gegenwunsch hinzuzufügen, daß bei unseren israel. Compatrioten, als „ungarischen Bürgern", die Naturalisirung des ersten Epithetons eben solche Bereitwilligkeit finden möge, als unsererseits die des zweiten Epithetons; was ich mit Gewißheit hoffe. Aber — wenn all das Erwähnte auch nicht so wäre, selbst dann könnte ich, als Mitglied des gesetzgebenden Körpers, keine andere, als meine jetzige unveränderliche Ansicht hegen, daß nämlich „für Bewohner eines und desselben Landes nicht zweierlei Rechte bestehen können." Ich bitte Sie, haben Sie die Gefälligkeit, diesen Brief, nebst dem Ausdruck meiner aufrichtigen Werthschätzung dem rc. Concordia-Vereine mitzutheilen. Ihr Sie schätzender Compatriot Moritz Jokai. Mitgetheilt von Sal. Blum. Italien. Venedig, im Februar. Mno. Igr.) In dem Berichte der, zur Unterstützung der Armen während der Dauer der Cholera ernannten Kommission lesen wir mit Vergnügen folgenden wohlthätigen Beschluß: „Die Kommission, die erfahren hatte, daß seit einiger Zeit die israelitische Gemeinde ihre Armen mit Lebensmitteln unterstützte, war der Meinung, dem betreffenden Herrn Rabbiner eine, der Zahl der israelitischen Armen angemessene Quote von dem Ertrage der zum Nutzen aller Armen der Stadt unternommenen Kollekte zur Verfügung stellen zu müssen. Da aus den eingezogenen Erkundigungen erhellte, daß in Venedig die israelitische Gemeinde ungefähr den vierzigsten Theil der Bevölkerung ausmacht, und daß auch die Zahl ihrer Armen im gleichen Verhältniß steht, so wies die Kommission zu dem bestimmten wohlthätigen Zwecke dem Herrn Rabbiner Abram Lattes 868 Lire 35 Centesimi an, den vierzigsten Theil der aus der Kollekte erzielten Summe." — Die Witttve des berühmten Professors Roman in, des Verfassers der „Urkundlichen Geschichte Venedig's," übersandte dem König Viktor Emanuel dieses Werk, und erhielt zum Dank einen goldenen Ring mit den,Anfangsbuchstaben des königlichen Namens in Brillanten, nebst einemsehr schmeichelhaften Schreiben des königlichen Kabinetsekretärs. Schweden. Gothenburg, 25. Febr. (Privatmitth.j Ich übersende Ihnen anbei zwei Leitartikel der hiesigen „Handelsoch Sjöfarts - Tidning" vom gestrigen Tage, 11

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