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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-03-12 · Heft 11 (12.3.1867) · p. Seite 216

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 11 (12.3.1867)
Date
1867-03-12
Page
Seite 216 (sequence 8)
Language
German
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7» 216 ' gegenwärtigen Landtagssession dem Zustandekommen des staatsrechtlichen Ausgleiches zwischen Krone und Nation gestellt wurde, hat sich, Gott sei Dank, nicht verwirklicht, denn ein heute, seitens des Deputirten dieses Wahlbezirkes aus Pest eingelangtes Telegramm verkündet, auf Grundlage der in der gestrigen Landtagssitzung verlesenen k. Reskripte, die endliche Erfüllung der patriotischen Hoffnungen, nämlich die Restitution der Landesverfassung in ihrer Integrität. Daß unsere hierländischen Glaubensgenossen vollen Grund haben, auch als Juden den Eintritt dieses günstigen Ereignisses mit der lebhaftesten Freude zu begrüßen, braucht wohl nicht erst näher erörtert zu werden; denn gemäß den wiederholten feierlichen Erklärungen der Volksrepräsentanten, sowohl im Landtage selbst, als auch in ihren Adressen an den Monarchen, soll ja nach Wiederherstellung der Constitution eine der ersten und wichtigsten Aufgaben der Landesvertretung: „die Befriedigung der gerechten Ansprüche sämmtlicher Nationalitäten und Confessionen" bilden, und daß unter diesen „gerechten Ansprüchen" der Angehörigen mosaischer Confesfion die vollständige, unbedingte Gleichstellung mit den übrigen Landesbürgern zu verstehen sei, hat ja das Repräsentantenhaus,.-'durch den Mund seines weisen Führers Franz Deak, bereits vorhinein erklärt. Indem ich mir Vorbehalte, die geschätzten Leser d. Bl. bezüglich der weitern Entwickelung der Gleichberechtigungsfrage hierzulande au fait zu erhalten, mache ich mir heute nur noch das Verzügen, eine sehr erfreuliche Volkskundgebung zu verzeichnen, die aus Anlaß der Wiederherstellung der ungarischen Constitution in der unweit von hier liegenden Ortschaft Torzsa heute Vormittag stattfand. Als nämlich daselbst ein Telegramm die freudige Botschaft verkündete, versammelten sich die Ortsbewohner, aus Deutschen beider Protestant. Bekenntnisse sowie aus Israeliten bestehend, zuerst in der Kirche Augsb. Conf., wo ein Dankgottesdienst abgehalten wurde. Von da begab sich Alles in die Kirche der Reformirten, woselbst der ehrwürdige Pfarrer Karman eine gediegene, vom Geiste wahrer Menschenfreundlichkeit und Freisinnigkeit durchwehete Festrede hielt. Hierauf strömte die Volksmenge, die beiden Geistlichen und der israelitische Cultusvorstand*) *) Die dortige Gemeinde ist eine Filiale des Kula- Verbaßer Rabbinatssprengels. nebst der Ortsbehörde an der Spitze in das jüdische Bethaus. Auch hier wurde eine auf die Bedeutung des Momentes bezügliche Ansprache gehalten u. z. von dem dortigen jüdischen Lehrer, worauf sich die Menge, "unter Musikbegleitung, in die Volksschulen verfügte, um die Schüler, die künftigen Bürger des Vaterlandes, dem Aufstecken der zahlreichen Nationalfahnen mitanwohnen zu lassen. — So wie, nach einem oft gebrauchten Worte, kommende Ereignisse ihre Schatten vorauswerfen, so schickt, — wie die eben geschilderte Volksmanifestation, welche sicherlich nicht vereinzelt bleiben wird, beweiset — das von den Israeliten Ungarns seit so langer Zeit ersehnte, und nun hoffentlich bald eintreteude Ereigniß ihrer Gleichberechtigung schon eine seiner schätzenswehrtesten Lichtseiten, die innigere sociale Annäherung nämlich, voraus. Sal. Blum, Hauptschullehrer. Neu-Verbüß, 22. Febr. «Privatmitth.) Das Antwortschreiben des Herrn Jokai zum Ehrenmitgliede der „Concordia" ist zu bedeutend, als daß es in diesem Blatte fehlen dürfte. Es lautet in treuer Übersetzung: Herrn K. L. Posner, Präses des israelit. Wohlthätigkeits-Vereins „Concordia" in Pest, 20. Februar. Geehrter Compatriot! Mit Freuden empfing ich das mir durch Sie zugesandte Document des Pester Concordia-Vereines, in welchem mir meine Erwählung zum Ehrenmitgliede dieses humanen Institutes mitgetheilt wird. Ich kann es nun nicht unterlassen, auch bei dieser Veranlassung diejenigen meiner Ansichten zu entwickeln, auf welche unter den Motiven der Erwählung Berufung geschieht. Daß ich bisher jede passende Gelegenheit benutzte, das Wort für die bürgerliche Gleichberechtigung der ungarischen Vaterlandssöhne mosaischer Confesfion zu erheben, dazu trieb mich nicht bloß politische Freisinnigkeit, nicht bloß poetische Schwärmerei*), nicht bloß abstrakte philosophische Theorie an, sondern das gebot mir die reelle Lebensauffassung, besonders als Ungar «Magyar). Als Ungar muß ich „Pietät" fühlen für jenes Volk, welches seine avitischen Institutionen durch an- % Jokai ist einer der beliebtesten und fruchtbarsten magyarischen Romanschrifsteller.

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