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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-03-12 · Heft 11 (12.3.1867) · p. Seite 215

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 11 (12.3.1867)
Date
1867-03-12
Page
Seite 215 (sequence 7)
Language
German
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215 zu erwidern, oder es über die Natur seines Vorschlages und die Verschiedenheit aufklären zu wollen, welche zwischen der Rückkehr der Güter der „todten Hand" zum Staatsvermögen und in den allgemeinen Verkehr und dem von ihm vorgeschlagcnen Raube des Person-' lichen Eigenthums stattsindet. Solche Menschen überzeugen zu wollen, ist völlig unnütze Arbeit, denn endweder kennen sie den Wahnwitz, den sie vortragen, selbst sehr gut, und wollen ja nur im Sinne ihrer Partei manoeuvriren, oder sie sind wirklich in ihren Unsinn verrannt, und dann kommen sie niemals zur Vernunft. Wir wissen nicht, wohin von beiden Fällen die „Wiener Kirchenzeitung" gehört: sie ist für beide befähigt. Noch unnützer wäre das Unternehmen, weil kaum die eigenen Partisane der „Wiener Kirchenzeit." solche Insinuationen für mehr als Spaß halten. Aber nach einer Richtung hin schadet sie doch sehr, indem sie die Klerikalen immer mehr zu Haß und Versolgungssucht besonders gegen die Juden drängt, und der Einfluß der Klerikalen auf die Bolksmassen namentlich außerhalb der größeren Städte noch immer sehr groß ist. Von dieser Seite aus ist der Einfluß aller ultramontanen Blätter nicht zu unterschätzen. Wenn diese ihren Anhängern, besonders den Geistlichen, täglich vorpredigen, in den Juden ihre erbitterten Feinde, die Urheber der Gefahren für die Kirche, die Träger aller liberalen Ansichten zu sehen, so glauben diese, so lächerlich diese Ansicht an sich ist, sie dennoch zuletzt, denn '„der Tropfen höhlt den Felsen aus," und sie schöpfen daraus eine Erbitterung gegen uns, die niemals ohne Folgen bleibt und wenn auch nicht der Gesammtheit, doch Einzelnen, große Gefahren bereitet. Da heißt es denn, wenn hier und da der Pöbel einen Auflauf gegen Juden macht, und die Bürger diesem ruhig zusehen, die Gesinnung des Volkes sei gegen die Juden — während das ganze nur Werk stiller und fortgesetzter Aufhetzerei, Aufstachelei und Folge conscquent fortgeführter Verbreitung bittren Hasses ist. So wenig es aber diesen Säemännern von Rohheit und Gewaltthätigkeit gelingen wird, den Juden die ihnen durch die Entwickelung des Staates, durch die Verbreitung des Rechtsbewußtseins gewordene bürgerliche Stellung wieder zu rauben, so wenig wird es ihren Machinationen gelingen, die Juden zu dem zu machen, wozu sie dieselben stempeln möchten, zu thatsächlichen Feinden der Kirche. Es mögen immerhin Einzelne auch unter uns sich zu diesen gesellen, deren ungeheure Mehrzahl garnichts mit uns zu thun hat; aber in der Gesammtheit werden wir Juden in diesem großen Kampfe uns passiv verhalten, sowohl weil es uns nicht zukommt, hierin eine Rolle spielen zu wollen, als auch, weil wir durchaus nicht den Einfluß besitzen, den die ultramontanen Blätter uns pur force insinuiren, um diejenigen gegen uns zu reizen, welche sich von ihnen verblenden lassen. Zuletzt: die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Pest, am 22. Febr. (Privatmitth.) Eine neue Aera hat begonnen. Ungarn hat seine Constitution — nach welcher es 18 Jahre vergebens rang — wieder erlangt. Die Freude, welche sich bei diesem großen Geschenke in allen Kreisen ohne Unterschied der Confession abspiegelte, ist unbeschreiblich. Jetzt nun sind auch wir hoffentlich zum Ziele unserer Wünsche gelangt und steht uns die bürgerliche Gleichberechügung schon in nächster Zeit bevor. Freilich sind die Aussichten nicht ganz klar! Wenn wir nur zum mindesten Theile ein Gewicht aus das Histörchen, welches Szegedin (eine bedeutende Stadt Ungarns) dieser Tage zur Schau trug, legen wollten, so müßten wir von dem Gedanken „Emancipatiou" gänzlich abstehen; doch zu unserm Tröste gehörte die demonstrative Partei der untergeordnetsten Classe an, und ist sonach nicht maßgebend.*) Hier in Pest — Gott sei Dank — ist es bei Weitem anders. Die Sympathie, welche man für uns hegt, macht sich an bedeutender Stelle merkbar.' Hierfür mag uns als genügender Beweis ein Artikel im gestrigen „Hon" gelten. Jokai, der Verfasser desselben, sagt unter Andern: daß es in einem Lande durchaus keine zweierlei Rechte geben könne. Der eben erwähnte, rühmlichst bekannte Patriot wurde aus Anerkennung seiner, für das Wohl des Judenthums oftmals erhobenen Stimme zum Ehrenmitgliede des hiesigen isr. Concordia-Vereines ausgenommen, und hat derselbe an den Präses des gedachten Vereines Herrn Carl Louis Posner ein Dankschreiben gerichtet. — Sam. Markus. Neu-Verbäst, 19. Februar. (Privatmitth.) Das ungünstige Prognostiken, welches bei Eröffnung der *) Wir haben hierüber in vor. Nr. berichtet. Leider wird Aehnliches bei derselben Veranlassung aus Szigeth berichtet. Redakt.

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