Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-03-05 · Heft 10 (5.3.1867) · p. Seite 206

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 10 (5.3.1867)
Date
1867-03-05
Page
Seite 206 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3224737-3226581-3226592--24753-3260223
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

206 Verhandlung eintreten solltet, hallt Ihr sie feindlich behandelt und verrätherisch überfallen. Ihr wußtet, daß der Tod hierauf stehe. Ich werde Euch hinrichten lassen." „Das werdet Ihr unterlassen. Die Androhung des Todes war Euer eigenes Machwerk. Ihr habet nicht das Recht, über den hohen Adel des Landes Gericht zu halten. Dazu müßte man wenigstens unseres Standes sein. Auch habet Ihr ja nur den bedroht, der feindlich über das aufgepflanzte Kreuz hinausgehe; als ich darüber hinausging, geschah es mit Eurer Einwilligung." Der Bischof fühlte recht wohl, wie der Graf auf seine Abkunft anzuspielen begann. Johansen machte aus dieser niemals ein Hehl, sondern fand seine Größe gerade darin, daß er sie so weit hinter sich gelassen. Er lächelte daher nur sanft. „Gewiß, erwiderte er ruhig, hat der Bauernsohn kein Recht, über den hochmögenden Grafen zu Gericht zu sitzen; anders aber ist es mit dem Bischof. Wer die heilige Kirche, ihr Gut und iht'e Diener mit den Waffen in der Hand verletzt, ist dem großen Banne verfallen und dem geistlichen Gerichte unterthan, wer er auch sei. Dieses Geschick haben gekrönte und gesalbte Häupter erfahren; und ein Gräflein aus einem Winkel des Landes wird sich dem nicht entziehen können." Der Gefangene knirschte mit den Zähnen, seine Augen begannen zu rollen; aber ehe er Worte gefunden, fügte der Bischof hinzu: „Euer Leben, Herr Graf, muß es Euch übrigens gelehrt haben, daß in unserer Zeit leider! die Rechtsfrage die geringste Rolle spielt, sondern stets die Machtfrage. Ihr steht in meiner Macht, und mit den Rechtsverdrehungen, die Ihr eben ausgesprochen, werdet Ihr nicht weit kommen. Was Ihr so vielen Anderen gethan, werdet Ihr auch einmal erleiden müssen." Diese Worte kühlten den Zorn des Grafen ab; er schwieg einige Augenblicke, dann sprach er: „Wie es auch sei, für mein Leben zittre ich nicht. Was könnte Euch mein Tod nützen? Meine Kinder und Brüder würden nur von allen Rücksichten frei sein, und mein Tod Euch die Rache des ganzen Adels auf den Hals ziehen, vom Einspruch unseres kaiserlichen Herrn gar nicht zu reden. Ihr habt Recht, ich bin ein zu guter Praktiker in diesen Dingen, als daß ich nicht auch Euren Weg in dieser Sache überschauen sollte. Ihr wollet mit mir um den Preis meiner Freiheit handeln. Ihr werdet diesen sehr hoch stellen. Ich werde nicht darauf eingehen. Ihr werdet mich in den Kerker zurückbringen lassen, um mich durch längere Haft mürbe zu machen. Ich sage Euch, Graf Geroldstein läßt sich nicht mürbe machen, und wahrscheinlich werdet Ihr hierzu auch nicht die Zeit haben." (Fortsetzung folgt.) Der Jordan und Jericho. Eine Reiseerinnernng. Ernst und nackt starren die Berge von Juda, und dürr und sonnenverbrannt sind die Fluren von Saron; aber wohin der Jordan seine geheiligten Fluthen treibt, dort lacht die Erde von Kräutern und Blumen, dort sprießt ein Waldparadies aus gelbem Wüstensand. Das Nildelta ist nicht sonniger und die Ufer unserer Gebirgsseen sind nicht Heller und grüner als die malerischen Jordanufer; denn hier trifft die glühende Sonne mit der erfrischenden Fluth zusammen, und königlich ausgegossen strömt das Wasser hin zum Todten Meere. Hier wunderst du neben üppigen Getreidefeldern über Grasland, dorniges Gebüsch und rauhes Felsengestein, und dort mischt sich das Rauschen des haushohen Schilfes mit dem des Stromes; hier weidet sich dein Blick an dem kühlen Dunkel der Weiden, Akazien und Zwergeichen, aus denen Granaten und Oleander mit ihren heißen Farben strahlen, und dort ziehen das Auge Lorbeer- und Pistazienbäume, Tamarisken, Erdbeerbäume und die weiche Feige an, mit den schlangenförmig auseinanderlaufenden Aesten und dem großen, schöngelappten Blatt. Im Sonnenstrahle glühen die rochen, fuchsienähnlichen Blüthen des Sidr und die tiefgelben Früchte des Eierstrauches, die zahllos zwischen den fleischigen, weiß-grauen Blättern hervorlugen. Darüber hin wölbt sich vereinsamt hier und da noch eine Palme, ihren Turban auf schlankem Stamme emporhaltend über dichtbelaubte Lorbeer- und Balsambäume — in der That der Baum der Märchen und der Träume. Das üppige, dicht mit Schlingpflanzen bewachsene Waldparadies birgt in seinem Dunkel zahlreiche Horden von Wildschweinen, Wasserhunden und kleinen Leoparden; in den weiten Schilffeldern nisten Schaaren von Wasservögeln, Reihern, Störchen, Rebhühnern, Enten und Schnepfen. Im Gezweige der Bäume hat die Wildtaube ihr Nest gebaut; über den Sträuchern schillert das buntglänzende Gefieder eines Dünnschnäblers und aus kühlem Dunkel strömt das Lied der Nachtigall. Fürwahr ein „lustiger" Strom, wie die alten Scribenten sagen. Er zaubert Leben aus dem Sand der Wüste und erfrischendes Grün aus den kalkigen Seitenwänden, die seine fischreichen Fluthen eindämmen. Und wenn im Sonnenbrand das pflanzliche Grün erstorben, dann schwillt er höher und höher und gießt segnend und befruchtend seine Wasser aus in das Land; dann grünt urd blüht es von neuem und weckt zu frischem Leben, was schon dem Tode verfallen schien. Allmälig tritt er dann wieder zurück, und auf den Uferterrassen, über die er hinabsteigt in sein Bett, glänzt dichtes Wiesengrün, aus dem die Adonis glüht, die Sternblume, die gelbe Anemone und die Ringelblume; in den stillen Uferbuchten aber sonnt sich die Wasserlilie. Es ist ein herrlicher, fruchtbarer Strom, der Nil Palästinas! Hier hat die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.