Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1867)
- Date
- 1867-03-05
- Page
- Seite 198 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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iss sistorium an Stelle des zum Großrabbiner des Centralconsistoriums gewählten Herrn Isidor einen Großrabbiner von Paris zu wählen hat. Drei Herren haben bereits durch Cirkular die Wähler um ihre Stimmen ersucht. Unter diesen dreien ist der eine Herr Benoit Levy hervorzuheben, weil er in seinem Rundschreiben ausführlich und offenmüthig in die einzelnen Punkte, auf welche es jetzt in Paris ankömmt, eingeht, der andere, Herr F. Derenbourg, als ein gelehrter Orientalist. Ein kaiserliches Dekret vom 5. Februar ergänzt übrigens soeben das Wahlreglement für die israelitischen Konsistorien vom 29. August 1862, indem es die geheime Abstimmung und die absolute Majorität der abgegebenen Stimmen, welche wenigstens zu einem Drittel der eingeschriebenen Wähler betragen müssen, bei den consistorialen Wahlen vorschreibt. Ist die absolute Majorität nicht erreicht, so tritt eine Nachwahl ein, bei welcher die relative Mehrheit entscheidet und die Zahl der Abstimmenden gleichgiltig ist. Italien. Florenz, 15. Febr. (Educ. Isr.) Auch in der Hauptstadt nehmen Israeliten die bedeutendsten Stellungen ein. Sie sitzen im Gemeinderathe wie in der Handelskammer und befinden sich an der Spitze der hervorragendsten Kreditinstitute. Auch zu der Eigenschaft als Friedensrichter — ein Amt, das in der Emilia erst jüngst errichtet und ein höchst ehrenvoller Vertrauensposten ist — sind Juden in der Hauptstadt von der Regierung ernannt worden. Trotzdem aber ist auch in Italien die Emanzipation nicht so gänzlich durchgeführt, wie es wünschenswerth wäre. Es handelte sich z. B. jüngst im florentiner Gemeinderathe um die Ernennung einer Elementarlehrerin. Das Comits schlug eine Bewerberin vor, die in dem kürzlich bestandenen Examen eine schlechtere Nummer erhalten hatte, als eine andere Bewerberin mit Namen T. Ein Gemeinderath fragte nach dem Grunde dieses ungerechten Vorzugs und erfuhr von einem Comitsmitglied zu seiner großen Verwunderung, man habe die T. ausgeschlossen, weil sie eine Jüdin sei. Als nun nach langer und animirter Debatte ein Antrag auf Ernennung der T.zu der betreffenden Stelle eingebracht worden war, wurde er mit sechszehn Stimmen gegen sechszehn abgelehnt. Den Gegnern stand in der That das Gesetz zur Seite, das in den Elementarschulen einen ausschließlich katholischen Unterricht festsetzt. Man sieht, daß nicht allein in Preußen die Juden von dem Lehramte ausgeschlossen werden! Schweden. Gothenburg, 19. Febr. lPrivatmitth.i Ich habe heute über ein Ereigniß zu berichten, welches die Juden Schwedens mit um so größerer Bekümmcrniß erfüllt, die Nichtjuden in um so größeres Erstaunen versetzt, als Niemand vorher an dessen Möglichkeit gedacht. — Die Gleichstellung der Juden in Schweden scheiterte bisher hauptsächlich an dem entschiedenen Widerstande des Priesterstandes in dem Bier-Stände-Reichstage. Nachdem durch die vorjährige Reform dieser Reichstag dem Zweikammersystem gewichen, schien es unzweifelhaft, daß die jetzt tagenden beiden Kammern, deren Mitglieder vom Volke gewählt, den folgenden höchst bescheidenen Antrag mit großer Majorität annehmen würden, was auch von Seiten der zweiten Kammer mit allen gegen eine Stimme (Liss 01a Larsson) geschehen, während ihn die erste Kammer mit 58 gegen 43 Stimmen verwarf. Der Antrag, welcher am 16. d. M. von den Kammern berathen wurde, ging dahin, §. 28 zu ändern, sodaß er fortan folgendermaßen lauten sollte: Zu Richtern, geistlichen Aemtern, Lehrern an Volks- und Elementarschulen, sowie für Religion, Geschichte und Philosophie an Universitäten dürfen nur Bekenner der rein evangelischen Lehre ernannt werden. Zu allen übrigen Aemtern dürfen auch die Bekenner einer anderen christlichen Confession sowie auch die Juden zugelassen werden.*) — Eines jeden persönlichen Urtheils will ich mich enthalten und nur mittheilen, was die Presse, welche hierin völlig mit den Ansichten des Schwedischen Volkes übereinstimmt, über den Vorfall sagt. Ich wähle die verbreitetste Zeitung Stockholms „Aftonbladet" und die gelesenste Zeitung der größten Provinzialstadt Schwedens, Göteborgs Handelsoch Sjöfarts-Tidning. *) Abermals ein Beweis, daß die Intoleranz niemals eine Partei allein trifft. In Schweden werden die Katholiken ebenso wie die Juden ausgefchloffen, während in Spanien und anderen, noch näher gelegenen Ländern, die Protestanten sammt den Juden Ausnahmegesetzen unterliegen. Red. d. A. Z. d. I,