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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-03-05 · Heft 10 (5.3.1867) · p. Seite 195

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 10 (5.3.1867)
Date
1867-03-05
Page
Seite 195 (sequence 11)
Language
German
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195 dem alleinigen edlen Motive, „um den Sambatjon- Fluß aufzusuchen"), *) zu ersuchen, seinen Rückweg über die Insel Kibritz zu nehmen und uns einige Dutzend Paare achter Kibritzer mitzubringen; ein Geschäft, dem sich dieser fromme Pilger gewiß opferwilligst unterziehen würde. Von einer andern Seite soll man dem Öberhaupte des westgalizischen und oberungarischen Chassidismus empfohlen haben: sich an die Firma Lehmann, Hildesheimer & Comp, zu wenden, bei der nächstbevorstehenden Expedition von Er-irro, nnr:, ■pV’Sp, mntn® u. s. w., u. s. w., die sie an die Falaschas abzufenden beabsichtigen,**) darauf bedacht .zu sein, bei der Rückreise eine Ladung Kibritzer verfrachten zu lassen; ein Verlangen, welches, bei der hochfrommen Sinnesart dieser edlen Firma, gewiß mit Begeisterung angenommen, und mit sorgsamster Umsicht ausgeführt werden würde. Unerwähnt mag hier bleiben die geradezu lästerliche Bemerkung eines bekannten Spaßvogels: Der Herr Oberrabbiner zu Neu- Sandez möge sich, anstatt seine Nase in die Küchen zu stecken, in den Rabbinerkreisen seines eigenen Landes umsehen, wo es noch „unreine Vögel" genug gebe, die sogar Rabbinats- und Kreisrabbinatsposten einnehmen. Wurde doch erst vor einigen Monaten in einem vielgelesenen Wiener Journale***) von Tarnow aus darüber Klage geführt, daß der Kreisrabbiner einer kreishauptstädtischen großen Gemeinde für das Geschäft des Uebertragens einer neuen Tora-Rolle am Vorabende des jüngsten Tora-Freudenfestes „eine Remuneration von 10. fl. -ÖW. beanspruchte" und es blos der vermittelnden Intervention eines frommen Talmudgelehrten zu verdanken war, daß sich der Kreisrabbiner „mit 3 fl. ö> W. b e g n ü g t e." Ein Rabbiner aber, der sich von einer armen, frommen Brüderschaft «man), deren Mitglieder durch jahrelanges Sparen von Kreuzern endlich so glücklich sind, das erforderliche Sümmchen zur Anschaffung einer neuen Tora- Rolle zusammengebracht zu haben, für die pietätvolle Funktion der feierlichen Uebertragung aus dem ärmlichen Bereinslokale in die Synagoge „Trägerlohn" *) S. Hamagid 1865 Nr. 24 S. 192, überschrieben nra'pa: ne* trsnb nrrn wo: rnbam .'■»si yrtaattö **) S. Israelit «Mainzer) 1864 Nr. 44 S. 577. ***) Neue fr. Presse 1865 Mrgbl. Nr. 425 vom 3. Nov. S. 4 Sp. 3: Oeffentliche Anfrage an Rabbinate. zahlen läßt, gehört doch gewiß nicht zit den „reinen Vögeln!" — Dem sei aber, wie ihm wolle, jedenfalls scheint durch dieses energische Vorgehen des Oberrabbincrs zu Sandez ein bedeutender Schritt nach Vorwärts gethan worden zu sein; denn es kann dieser Schritt zur endlichen Lösung der seit lange schwebenden Frage betreffs der Gründung einer Rabbinatsschule für Galizien viel beitragen. Bekanntlich hat die hiesige Negierung schon vor 5 Jahren, laut Erlasses des hiesigen Staatsministeriums vom 21. Febr. 1861 einen Anlauf genommen, „in Galizien eine mit dem Rechte einer öffentlichen Anstalt ausgestattete Rabbinatsschule" zu errichten, und sollte diese Anstalt schon mit Beginn des Schuljahres 1861—62 ins Leben treten. *) Ebenso bekannt ist, daß bis heute nichts, gar nichts von alledem geschehen. An welcher Klippe dieses löbliche staatsministericlle Vorhaben gescheitert, ist in der Oeffentlichkeit nicht bekannt geworden. Später erfuhr man von einer Versammlung von Vertrauensmännern, welche die Regierung zur Berathung über die in Rede stehende Angelegenheit in aller Stille einberufen, daß diese wirklich in aller Stille genachtet (getagt?) und in aller Stille auscinandergegangen. So wurde dieses Projekt, welches bei dessen öffentlicher Ankündigung jedenfalls Lebenszeichen an sich getragen, von dieser stillen Versammlung in aller Stille zu Grabe getragen, und wie dieses theilte auch die verehrliche Versammlung das Los der Fehlgeburt (Kohel. VI, 4) „im Dunkeln kam sie, in Finsterniß ging sie und mit Finsterniß bleibt ihr Name bedeckt." — Wie dem Schreiber dieses von unterrichteter Seite viel später mitgetheilt wurde, hätten die Gegner des Fortschrittes geltend gemacht, daß die galizischen Juden im Allgemeinen für das Bedürfniß von gebildeten Rabbinern noch nicht reif seien, es müsse erst die junge Generation durch zeitgemäßen Schulunterricht herangebildet und zur Erkenntniß eines solchen Bedürfnisses reif gemacht werden. Es sei demnach die Gründung einer Rabbinerschule für Galizien noch nicht an der Zeit. Dagegen solle man dahin wirken, daß allenthalben durch Gründung von isr. Haupt- und Trivialschulen zeitgemäß unterrichtet, dem Chederwesen allmälig der Boden unter den *) Wen dieses Thema iuteresfirt, wolle darüber Nachlesen A. Z. d. I. 1861 Nr. 29 Leit.-Art. Aus Galizien. 10*

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