Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1867)
- Date
- 1867-03-05
- Page
- Seite 192 (sequence 8)
- Language
- German
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192 Lehrer Hierselbst, welche bisher größtentheils durch die Regierung erhalten und als öffentliche Anstalt anerkannt worden ist, uns auch ferner unter staatlicher Anerkennung, Leitung und Beihülfe erhalten werden möge. 6) Daß der seit 1850 hier abgeschaffte ©bmore judaico hier in keiner Weise wieder eingeführt werde. 7) Daß, so lange die Civilehe nicht für alle Staatsbürger obligatorisch ist, die religiöse Schließung der jüdischen Ehen wie bisher volle staatliche und bürgerliche Geltung behalte, da wir, wenn die Civilehe wie in den altpreußischen Provinzen auch bei uns nur für Juden und Dissidenten als obligatorisch eingeführt würde, hierin eine Zurücksetzung der jüdischen Religion und ihrer Diener wie auch eine Verletzung des religiösen Gewissens erkennen müßten, namentlich auch im Hinblick auf das jüdische Eherecht; und 8) Daß die Führung der Civilstandsregister, in sofern sie nicht überall besonderen Beamten übertragen wird, auch ferner den Vorstehern der Shnagogengemeinden verbleiben möge, da aus dieser Einrichtung, abgesehen von der durch dieselbe den Gemeinden und deren Vertretern zu Theil werdenden staatlichen Anerkennung, auch für die Betheiligten eine wesentliche Erleichterung erfolge. Die Vorsteher werden ersucht, den Inhalt dieses Schreibens in ihren Gemeindeversammlungen zur Berathung zu bringen und, wenn sie ihn billigen, den hiesigen Gemeinde-Ausschuß zu ermächtigen, die beabsichtigte Petition auch in ihrem Namen zu überreichen und die zur Erreichung des Zweckes weiter erforderlichen Schritte zu thun. Auch in die hiesige Handelskammer wurden vier Israeliten, nämlich Banquier Louis Meyer, Gutsbesitzer Jacobson, Grossist I. Meyerhof von hier und Kaufmann M. Spiegelberg aus Lauenstein zu Vertretern und der erste auch noch zum Schatzmeister gewählt. Der frühere königl. hannoversche Regimentspferdearzt Meycrsburg hicrselbst ist als Stabsroßarzt beim 13. Ulanenregiment angestellt worden. Oefterreichischer Kaiserstaat. Szegedin, 16. Februar. Kaum war die Bewilligung eines ungarischen Ministeriums in Szegedin bekannt geworden, als wahrscheinlich zur Feier dieses Ereignisses ein Pöbelhaufe sich zusammenrottete, drohende Rufe gegen die Juden erhob und einige Individuen verwundete. Eine Mllitärpatrouille brachte die Ruhestörer auseinander. Westgalizien, im Januar.- (PrivatmiH.) Wie man gewöhnlich den Werth eines Besitzthums erst dann schätzen und würdigen lernt wenn man dessen verlustig wird, so fühlen die Gesinnungstüchtigen und Charakterfesten unter den Israeliten Galizieüs, seitdem Oesterreich aus Deutschland hinaus diplomasisirt ist, erst recht das Bedürfniß der geistigen Hingehörigkeit zu diesem Vaterlande ächter Biederkeit, hoher Intelligenz und gründlicher Wissenschaftlichkeit. Wenn nun die publizistische Theilnahme an jüdischen Angelegenheiten gewidmeten Journalen von Seiten der galizischen Judenschaft seit einiger Zeit in der That eine auffallend geringe war, so dürfte sich dieses — Dank den chaotischen politischen und socialen Zuständen unter unserer gegenwärtigen national-feudal-klerikalen Regierung — bald ändern. Wenn nämlich bei uns nicht bald ein Systemwechsel eintritt, so wird es in der nächsten Zukunft an Schmerzensrufen auch aus diesem Lande gewiß nicht fehlen, und wohin anders werden diese erschallen, als nach den deutschen Gauen? Gestatten Sie mir daher, hochgeehrter Herr Redakteur! indem ich Ihnen zur Eröffnung des 31. Jahrganges der Allg. Ztg. d. Judenth. tiefinnigst gratulire und den Herzenswunsch hinzufüge: daß es Ihnen von der Vorsehung beschieden sein möge noch eine lange, lange Reihe von Jahren zum Nutzen und Frommen Ihrer Glaubensgenossen Ihre heilsame und segensreiche Thätigkeit fortzusetzen, daß ich mit Einsendung folgenden mir von achtbarer Freundeshand zur Veröffentlichung übergebenen Aufsatzes den Anfang mache. Vielleicht gelingt es demselben die Aufmerksamkeit, nicht des Auslandes, sondern des bessern Theiles der jüdischen Bevölkerung Galiziens auf ihre pitoyabeln Verhältnisse zu lenken und eine journalistische Thätigkeit hervorzurufen, die als Zeichen des Wiedererwachens von guter Vorbedeutung wäre. Folgender Aufsatz „vom Dunajec" ist zwar schon älter als 6 Monate, *) allein in einem Lande, wo der Meilenzeiger der Zeit unbeweglich zu sein scheint, ja eher nach Rückwärts als nach Vorwärts weiset, kömmt es wohl auf ein halbes Jährchen nicht an, und sein jedenfalls interessanter, weil viel- *) Die um jene Zeit eiugetretenen Kommunikationsstörungen machten es dem pseudonymen Verfaffer unmöglich den Aufsatz unmittelbar nach Abfassung desselben an die löbl. Redakt. der A. Z. d. I., für die er ursprünglich bestimmt war, zu senden.