Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1867)
- Date
- 1867-03-05
- Page
- Seite 188 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Berlin (durch Vermittlung des Herrn Dr. Steinschneider) erwarteten Gutachten in den nächsten Nummern. Meine diese Angelegenheit behandelnde Schrift „die Schächterfrage" wird bis Anfang April, so Gott will die Presse verlassen. Kayserling. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 14. Februar. Angekommen: La Joie. Discours prononce le 2 octobre 1866, au temple consistorial de Paris, par M. le rabbin Leon Nordmann. Mit schönen beredten Worten wird von dem Redner die Freude, welche die Festvorschrift fordert, die reine lautere Freude, wie die Religion Israels sie will, geschildert, die aus der Erhebung zu Gott, aus der Forschung in seinem Worte, aus dem Leben in der Familie, aus allen reinen, sittlichen Empfindungen fließende Freude. — Rede, gehalten am l i. November 1866 zur Feier des Friedensfestes in der Synagoge zu Schwerin a. W. vom Rabbiner D r. A. Cassel. (Berlin, R. Voll.) Eine gute, die Situation zeichnende homiletische Auseinandersetzung des Verses Psalm 29, 11. — Real- Encyclopädie für Bibel und Talmud. Biblischtalmudisches Wörterbuch von Dr. I. Hamburger, Landrabbiner. Heft 2 von Eidesformel bis Jacob lStrelitz, im Selbstverl. d. Verf. 1867.) Es ist uns erfreulich, die Fortsetzung dieses Werkes vor uns zu haben, das ebenso ein Produkt umfassender Bibel- und Talmudkenntniß, als ausdauernden Fleißes ist. Der Verfasser bringt zur Beendigung seines Werkes große Opfer an Arbeit und Kosten, und es wäre daher zu wünschen, daß er durch einen reichlichen Absatz entschädigt und belohnt, so wie in Stand gesetzt werde, die weitere Fortsetzung ununterbrochen geben zu können. Wenn auch dieser Arbeit eine wirklich wissenschaftliche Behandlung der Gegenstände abgeht, so bringt sie doch einen reichen Schatz von Materialien, erschöpfend aus der heil. Schrift und mannigfaltig aus Talmud und Midrasch, und wird besonders denen, welche populäre Vorträge zu halten haben oder über einen Gegenstand dieses Gebietes im Allgemeinen die in Bibel und Talmud ausgesprochenen Ansichten erfahren wollen, eine sehr willkommene Gabe sein. Schade ist es, daß der Verf. des sprachlichen Ausdrucks nicht so Herr ist, daß er da, wo er eine etwas tiefere Ansicht aufstellen will, sich klar und verständlich auszusprechen vermag, oder präcife Bezeichnungen zu finden versteht. Z. B. während er die Schalosch Regalim als „Geschichts- und Naturfeste" bezeichnet, nennt er Rosch Haschanah und Jom Kippur „Religion s-oderGlaubensverjüngnngsfeste, die das aus sich selbst Heraustreten Gottes zur Schöpfung, Erhaltung und Verjüngung der Welt, um durch sie erkannt und geheiligt zu werden, feiern und den Menschen zur Reinigung von allem Sündhaften und zur sittlichen Hebung seines Lebens mahnen." Was soll es heißen, wenn der Verf. als Bedeutung des Sabbaths angiebt: „die heiligende Erhebung des Sinnlichen und Materiellen für den Dienst des Göttlichen und Heiligen"? Das Materielle soll erhoben werden? Wir könnten hierin nur einen Sinn finden, wenn der Verf. den Begriff des Sabbaths in den bekannten Sabbathsmahlzeiten fände. In dem Artikel „Gottähnlichkeit" läßt sich der Verf. durch Unklarheit fast bis zu pantheistifchen Ansichten verleiten. Die Gottähnlichkeit soll sich nicht blos auf den Geist, sondern auch auf den Leib des Menschen beziehen, wie die Welt gleichsam die Hülle, der Leib Gottes sei. Diese Mangelhaftigkeit in der Darlegung der eigenen Ansichten thut aber dem Werke als Sammlung biblischen und talmudifchen Stoffes keinen wesentlichen Abbruch. — Geschichte Heinrichs des Löwen, Herzogs von Baiern und Sachsen, und der welfischen und stausischen Politik seiner Zeit. Von Dr. Martin Philippson. Bd. I. (Leipzig, keiner 1867.) Wenn wir hier das Werk eines jungen jüdischen Geschichtsforschers erwähnen, so geschieht es wesentlich, um unsere Befriedigung darüber auszusprechen, daß sich junge Männer unseres Bekenntnisses der Forschung und Bearbeitung allgemeiner historischer Stoffe zu widmen anfangen. Bis jetzt haben wir, abgesehen von der Geschichte des Judenthums, als einen hervorragenden Geschichtsforscher aus unseren Reihen nur den Professor Jasfe in Berlin, der so Bedeutendes für die Geschichte der Päpste und des deutschen Mittelalters geleistet, zu nennen. Es ist aber nicht zu verkennen, daß für die allgemeine Geschichtsschreibung Männer, die auf dem jüdischen Standpunkte stehen, von nicht geringer Wichtigkeit werden können. Der geschichtlichen Wahrheit hat von jeher am meisten geschadet, daß die Geschichte vom Standpunkte der Parteien aus geschrieben wurde. Sei es, daß die Historiker einer confessionellen oder einer politischen Partei angehörten, selbst bei redlichem Streben nack Objektivität wird sich die Parteianschauung gellend machen und unbewußt dem Auge