Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1867)
- Date
- 1867-03-05
- Page
- Seite 186 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Formen giebt es hier nicht; selbstredend auch nicht eine solche, die in Preußen fälschlich „more judaico“ genannt wird. Die Juden leisten zwar den Eid mit bedecktem Haupte, indessen geschieht im Gesetze durchaus keine Erwähnung hiervon, und ist wohl diese Gewohnheit durch die Juden selbst in Aufnahme gekommen. Den Juden stehen also, wie allen Bürgern, die Wege offen, ihre Kräfte zu ihrem eigenen Wohle und zum Nutzen des Vaterlandes zu entwickeln und zu üben, und sie machen auch Gebrauch davon. Wissenschaft, Kunst und Industrie werden von Juden gepflegt. In den Sälen der Gerichtsbarkeit und der Verwaltungsbehörden, auf dem Katheder der hohen Schulen findet man Juden, und nicht wenige derselben nehmen eine hervorragende Stellung ein, und gehören zu den ausgezeichnetsten in ihrem Fache. Die amtlichen Büreaux, die Polizeiverwaltung, zählen in ihrem Personale subalterne und hohe jüdische Beamte. Ebenso giebt es jüdische Lehrer an Gymnasien und höheren Bürgerschulen. Auch unter den Lehrern der Volksschulen findet man Juden. Man findet sie in reicher Anzahl als Aerzte, deren nicht wenige Militäräzte sind, die hier „oküeieren van gezondheid“ (Sanitätsofficiere) heißen. Auch unter den Provincial- Physicis (geneeskundige inspecteurs) sind sie vertreten. Unter den Juden wissenschaftlichen Berufes sind am zahlreichsten die Juristen; nächst ihnen die Aerzte. Auch werden mehrere^ der bedeutendsten öffentlichen Blätter von Juden redigirt. Wir wollen nur einige der Männer namentlich nennen, die wegen ihrer Leistungen und ihrer Stellung besondere Aufmerksamkeit verdienen. Unter den Juristen sei zuerst genannt, weil sein Name wegen seines früheren Wirkungskreises auch, im Auslande nicht fremd ist: Godefroi, Ex-Justizminister, und gegenwärtig Mitglied der zweiten Kammer der Generalstaaten. — Ferner die praktischen Juristen: A. De Pinto, Landesadvokat l Vertreter des Staates in Prozeßsachen) und Dechant der Lalle (barreau) am Cassationshof, Verfasser juristischer Werke. — Der Name 21 ff er zu Amsterdam und dem Haag findet sich in dem Richter- und Advokatenstande rühmlichst vertreten. Diese Männer sind Nachkommen des Asser, der unter der Regierung Ludwig Napoleons und Wilhelm I. eine ausgezeichnete Stellung im Justiz- Departement und in der Gesetzgebungs-Commission eingenommen. Der Staats -Prokurator (officier van Jußticie) zn Amsterdam, Hartvg, ist ein Jude. Van Nierop zu Amsterdam, Advokat und früheres Mitglied der zweiten Kammer, gehört zu den bedeutendsten Juristen Hollands. Von den Universitätsprofessoren ist besonders zu nennen: I. E. Goudsmit zu Leyden, eine der hervorragenden Größen in der Jurisprudenz, die bedeutendste in dem jus Romanum. Vor Kurzem ist von ihm der erste Theil eines Pandekten-Systems erschienen, ein Werk, oas, nach dem Urtheile der Fachmänner, sehr werthvoll ist. Bonden Philologen ist zu merken: Keizer, Professor der Javanischen Sprache und Direktor eines Instituts zu Delft, worin die Staatsbeamten für die Colonien vorbereitet werden. — Im vorigen Jahre zu Delft verstorben ist Professor Lobatto, ein in weiten Kreisen bekannter Mathematiker. — Von Lehrern der Volksschule ist besonders zu nennen: Watermann, Dirigent einer städtischen Schule zu Arnhem; ein vielseitig gebildeter Mann, Verfasser mehrerer pädagogischer Schriften für den jüdischen Religionsunterricht und eines hebräischen Wörterbuches, das noch nicht vollständig erschienen ist. Aus anderen Beamtenkreisen: Philips, Polizei-Commissär zu Amsterdam. Meseritz, Administrator der Krondomainen, mit dem Titel eines Staatsraths in außerordentlichen Diensten; seit mehreren Jahren pensionirt. Ob dieser Mann noch am Leben, ist Referenten nicht bekannt. Von jüdischen Künstlern wollen wir nennen: vor Allen Joseph Israels zu Amsterdam; Verveer, Bles. Alle anerkannte Meister in der Malerei. Auch des zu früh verstorbenen, sehr begabten Malers Moritz Leon müssen wir erwähnen, dem im vorigen Jahre nach seinem Tode noch die goldene Medaille von der Jury einer Kunstausstellung zum Haag zuerkannt worden ist. Ein Bild von Verveer „Gelila in einer Synagoge" (vorstellend die Situation bei der empor gehobenen, entfalteten Gesetzrolle) wird als ein seltenes Meisterstück gerühmt. In dem Fache der Goldstickerei sind die Gebrüder van Oven im Haag als Künstler zu nennen. — Von Musikern: der Componist Berlyn, Musikdirektor zu Amsterdam. Auf mehrere der genannten Männer werden wir später geeigneten Ortes noch zurückkommen müssen. (Fortsetzung folgt.)