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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-02-26 · Heft 9 (26.2.1867) · p. Seite 182

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 9 (26.2.1867)
Date
1867-02-26
Page
Seite 182 (sequence 18)
Language
German
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182 Was nun den zweiten Theil betrifft, das Hinwegräumen der Schädlichkeiten, das Ablesen des Ungeziefers, der Schutz vor rauem Winde u. s. w. - - so meine ich, und dies ist meine eigentliche Antwort auf Ihre Frage: es komme darauf an, jede Gelegenheit auf's Aengstlichste zu vermeiden,.durch welche die zu bekämpfende Leidenschaft in dem Kinde angeregt und dadurch gefördert werde. Bleiben wir bei dem Eigensinn stehen. Je öfter wir dem Willen des Kindes entgegentreten, je schroffer wir dies thun, je herausfordernder, desto mehr Nahrung bringen wir seinem Eigensinn, und die natürliche Folge ist, daß dieser gestärkt, statt geschwächt werde. Denn was ist es eigentlich, was die Leidenschaften im Menschen wirklich zu bezwingen vermag? Nichts als das sittliche Bewußsein, die sittliche Vernunft. Jedes andere Mittel bekämpft nur dieses oder jenes Symptom, nicht aber die Wurzel des Uebels. Daher, bis dieses sittliche Bewußtsein im Kinde Kraft gewonnen hat, um der Leidenschaft von Innen heraus Widerstand zu leisten und sie zu beherrschen, müssen wir Alles, thun, um die Leidenschaft zu vermeiden, und dies geschieht wiederum nur dadurch, daß wir ihr die Gelegenheit nehmen, aufzutreten. Aber wie? höre ich Sie ausrufen, so sollen wir einem Kinde in allen Stücken nachgeben? Sollen es zu einem verzogenen Kinde machen? Und wenn es daran gewöhnt wird, alle seine Wünsche, allen seinen Willen erfüllt zu sehen, wird es dadurch nicht erst recht eigensinnig und hartnäckig werden? Würden Sie, verehrte Frau, so sprechen, so hätten Sie mich mißverstanden. Ich will nicht, daß man den Willen des Kindes erfülle, sondern einentheils, daß man mit Klugheit vermeide, den besonderen Willen im Kinde entstehen zu lassen, indem man ihm zuvorkommt oder der Richtung vorbeugt, durch welche im einzelnen Falle dieser besondere. Wille folgerichtig hervorgerufen wird, andrerseits, daß man das Kind von seinem Willen nicht durch festes Entgegentreten, sondern durch sanftes Zureden ablenke, ganz besonders aber, indem inan ihm durch einen anderen Gegenstand den Willen ändert. Der eigensinnige Wille des Kindes entsteht dadurch, daß es einen Gedanken gefaßt, der ihm gefällt und an dem es nun festhält. Geben Sie ihm nun einen anderen Gedanken, der es auch beschäftigt, und es läßt willig von dem ersteren. Meiner Ueberzeugung nach hat diese Regel bei dem Menschen, so lange er lebt, ihren Platz, und daß sie im Kindesalter ungleich leichterausführbar ist, als im späteren, am schwersten im Greifenalter, weil eben da der Gedankenwechsel an Lebendigkeit so viel verloren, weshalb dieser Lebensperiode der Eigensinn so oft anhängt, selbst wo er in früheren nicht vorhanden. Der Leichtsinnige ist daher am wenigsten eigensinnig. Kehren wir zum Kinde zurück. Ein Kind spielt. Es soll gewaschen und angezogen werden. Es will vorn Spiel nicht weg. Die eine Wärterin wird seinem Willen nachgeben, und geschieht dies immer, so wird das Kind verzogen und eigensinnig. Die andere Wärterin ergreift das Kind und schleppt es hinweg; das Kind schreit, sträubt sich, schlägt, es bekommt Schläge, wird angeschrien, geschimpft, die Scene entwickelt sich tragisch. Laßt dies oft geschehen, und da habt Ihr das unartige, ungehorsame, trotzige, widerspenstige, eigensinnige Kind in aller Faxon. Beides darf nicht geschehen. Du läßt, wenn das Kind in feinem Spiele eben in der Mitte ist, etwas auszuführen, es dies beenden, weiter nichts; Du giebst dann den Gedanken des Kindes eine andere Richtung, Du sagst ihm Etwas, was nachher geschehen soll, wenn es gewaschen und angezogen worden, ein Spiel, einen Spaziergang, eine ihm genehme Beschäftigung, und es gehorcht Dir. Das Kind hat so seinen Willen nicht durchgesetzt, es hat den einen mit dem anderen vertauscht, und dies ist der eigentliche Gegensatz des Eigensinns. Der Widerwille ist der Vater des Eigensinns, wie das Wort selbst anzeigt, die Veränderung des Willens das Gegentheil des Eigensinns. Das Thema, geehrte Frau, ist unerschöpflich. Ich könnte noch sehr Vieles darüber sagen. Aber ich weiß, zu wem ich rede, Ihnen brauche ich nur anzudeuten, und ich bin des Verständnisses gewiß. Uebrigens bin ich stets dienstbereit. Di-. Raphael Jacob Kasch. In den jüngsten Verhandlungen über die bürgerlichen Rechte der Juden in dem preußischen Abgeordnetenhause trat als deren beredter Vertheidiger der I)r. med. Kosch, Abgeordneter aus Königsberg, auf. Wir entnehmen deshalb einige biographische Notizen über denselben der soeben erschienenen „Geschichte der Juden in Königsberg i. Pr." von Dr. H- Jolowicz. N. I. Kosch, geb. den 5. October 1803 zu Lissa in Posen, kam mit seinen Eltern 1812 nach Königsberg, besuchte mehrere Jahre die Burgschule, dann 5 Jahre das altstädtische Gymnasium, bezog von Ostern 1822—1826 die Albertina, promovirte 1826 durch die Dissertation: „De cystocele perinaeali, cum tab. 4," ließ sich nach absolvirtem Staatsexamen als practischer Arzt in Königsberg nieder, lebte ausschließlich seinem Berufe und pflegte eifrig seine. Fachwissenschaft. Begabt mit einem starken Geschäftsordnuugssinn, leitete er in den politischaufgeregten 4 Oger Jahren die Versammlungen in der städtischen Ressource, was ihm viele Freunde erwarb, weshalb er zu einem Mitgliede der 5 Abgeordneten gewählt wurde, welche am 27. März 1848 zur Beglückwünschung Berlins bei dem Anbruche des neuen politischen Lebens abgesandt wurden. Als Abgeordneter Königsbergs für die Berliner Nationalversammlung 1848, wurde er für einige Monate zum ersten Vicepräsidenten erwählt und als Mitglied der zweiten Kammer 1849, 1861 , 1862, 1863, 1866 fungirte er meist als Vorsitzender der Geschäftsordnungscommission. Seine politische Richtung ist liberal-doctrinär. — In der Jugend-

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