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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-02-26 · Heft 9 (26.2.1867) · p. Seite 171

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 9 (26.2.1867)
Date
1867-02-26
Page
Seite 171 (sequence 7)
Language
German
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171 nicht die Vorstellung gleich dem Holländer hat. Wollte man so treu als möglich diesen Ausdruck übersetzen, so müßte man sagen: „gesellschaftlicher, socialer Unterricht." Der Holländer meint aber etwas Anderes unter dieser Bezeichnung. Er ist einmal solide und berechnend, für ihn giebt es zweierlei Mittel, den Menschen zu belehren: auf der einen Seite denkt er sich den Unterricht, den er für Gott nöthig hat; auf der anderen ist ihm alles Uebrige was er lernen muß „maatschappelijk,“ d. h. nöthig für seine Berufsgegeschäfte in Beziehung zur maatschappij (Gesellschaft). Hierbei hat er aber Eines übersehen, und zwar: daß der Mensch nicht zunächst seinen Geist bildet für seine praktischen Beziehungen zur Gesellschaft, sondern für seine eigene sittliche und geistige Entwickelung. Wir werden in den nachfolgenden Skizzen nicht selten Gelegenheit finden, auf vorstehende Charakteristika zu verweisen. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Bonn, 18. Febr. (Privatmitth.) Auch der Commerzienrath Herr Reichen heim ist in das Parlament gewählt worden, und zwar in seinem bisherigen Wahlkreise — ein sprechendes Zeugnis Seitens der Bevölkerung bei geheimer Abstimmung. — Es werden cujo 4 Juden im Reichstage sitzen, was über das numerische Berhältniß hinausgeht, da auf je 100,000 Seelen ein Abgeordneter kommt. Bonn, 13. Februar. (Privatmitth.) Soweit jetzt die Nachrichten reichen, sind drei Juden in das NordeeutscheParlament gewählt: AssessorDr. 8asker, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses (1. Berliner Wahlkreis); Dr. Anton Ree, Dirigent der jüdischen Gemeindeschule <in Hamburg); Baron N. C. von Rothschild (in Frankfurt am Main, mit 5300 Stimmen von 5730). Herrn Laster's Wahlsieg ist »in so glänzender, als er in dem aristokratischsten Viertel Berlin's erfolgte, und unserem Glaubensgenossen kein minderer Gegner gegenüberstand, als der Kriegsminister v. Roon. —. Ein Korrespondent der Daily News schreibt aus Frankfurt a. M., und das Jewish Chronicle wiederholt : „Von dem Geist, von welchem die höchsten militärischen Autoritäten beseelt sind, erhielt ich diese Woche einen Beweis. Einer unserer reichen jüdischen Kaufleute, dessen Sohn eine Vorliebe für den Militärdienst hat, fragte bei dem Minister an, ob derselbe im geigncten Falle eine Beförderung zum Offizier erhalten würde. Der Minister antwortete, daß gesetzlich ihm nichts im Wege stänve, aber daß er hoffte, den Tag nicht zu erleben, an welchem preußische Offiziere einen Juden als Kollegen aufnehmen ivürden." — Den Lesern dieses Blattes ist bekannt, daß diese ganze Mittheilung nur auf Unrichtigkeiten beruhen kann, da jetzt Offiziere jüdischen Glaubens nicht nur in der preußischen Landwehr, sondern auch in der Linie und sogar in der Garde vorhanden sind. Sind deren auch bis jetzt nur noch wenige, so ist doch damit der prinzipielle Ausschluß beseitigt, und nur Sache der Zeit, die Zahl verhältnißmäßig zu vergrößern. Frankershausen (Kurhessen), im Februar (Privatmitth.). Am 1. Januar waren es 25 Jahre, daß der durch seine vielseitigen, gediegenen Kenntnisse und durch sein außerordentliches Lehrtalent auch in weiteren Kreisen bekannte, schon 34 Jahre im Amte stehende Herr B. Westhcim als von der vormals kurfürstlichen Regierung bestellter israelitischer Lehrer in der Gemeinde Abterode (Kreis Eschwege) mit ebensoviel Gewissenhaftigkeit als Umsicht und deßhalb mit den schönsten Erfolgen wirkte. Die isr. Lehrer des Kreises, sowie auch einige benachbarte christliche Lehrer begrüßten im Vereine mit den zahlreichen dem Jubilar freundlichst zugethanen Collegen in der Nähe und Ferne freudigst diese Gelegenheit, demselben ihre Liebe und Verehrung zu bezeigen. Auch der Kreisrabbiner Herr Goldmann aus Eschwege war erschienen. Dem verdienten Schulmanne wurden von vielen Seiten werthvolle Zeichen der Anerkennung dargebracht und ein schönes Fest gefeiert. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, 4. Febr. (Privatmitth.» Am 30. vorigen Monats fand die Wahl der Abgeordneten für den zunächst zusammentretenden Landtag statt. In allen Bezirken der Stadt Prag drangen die von der czechischen

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