Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1867)
- Date
- 1867-02-26
- Page
- Seite 172 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Partei vorgeschlagenen Candidaten durch, nur nicht in der Josefstadt, wo, trotz aller Einschüchterungen und Einflüsterungen seitens obbenannter Partei, doch die von den deutschen Verfassungstreuen vorgeschlagenen Herrn, Dr. jur. Wiener und Dr. med. Tedesco aus der Wahlurne hervorgingen, wenn auch an fünfzig jüd. Wähler mit Hintansetzung dieser zwei um die Gemeindeinteressen wohlverdiente» Männer ihre Stimmen dem czechisch gefärbten H. Bondy gegeben, für den sie auch agitirten. Mögen diese 50 Herren bei einer anderen derartigen Vorkommenheit, wo ihre Stimmen maßgebend sein könnten, für ihre innere Gesinnung einzustehen wissen und sich nicht von praktischen Sonderinteressen leiten lassen. Denn daß der Jude für die czechische Gewaltspolitik — ich sage nicht für die Czechen, insofern sie eine andere Sprache sprechen — keine Sympathien haben kann, ist klar und offenkundig. Nicht die Sprache, sondern das Gesprochene, nicht das äußerliche formale Wort, sondern die Gesinnung trennt uns von einer Partei, unter deren Aegide der Rückschritt und das Fcudalrecht votirt werden, unter deren — wir können jetzt sagen — weiland Regie sich Excesse wie zu Hostomitz und Hoi owitz ereigneten. Der Jude Oesterreichs hält fest an der Februarverfassung, weil sie der erste Lichtstrahl ist nach der langen Nacht des Druckes. So haben wir denn mit inniger Befriedigung gesehen, wie die Juden in Mähren überall für die Verfassungstreuen mit offenem Freimuthe in die Schranken getreten , und gleichgültig an sich vorübergehen lassen die Stimmen der czechischen Journale, die durch Drohungen aller Art sie einschüchtern oder durch Versprechungen anlocken wollten. Charakteristisch ist ein in einem Olmützer Blatte in slawischer Sprache abgedruckter Auffatz „Ein Wort den Juden vor den Wahlen." Nach der Ansicht dieses hochweisen Krähwinkelblattes, das nur darauf losgeht den Pöbel gegen die Juden aufzuhetzen, sei es der Talmud, der da fordere, daß die Juden sich nicht zur czechischen Partei schlagen. Nachdem zwei alte stumpfe verrostete Waffen aus Eisenmengers Rumpelkammer, die sogar S. Brunner zu schleifen nicht mehr im Stande ist, gegen die Juden hervorgeholt werden, heißt es dort: „so lange also die Juden sich nicht vom Talmud lossagen, sind sie Czechenfeinde." Den logischen Zusammenhang zwischen diesem widersinnigen Endresultate und den Eisenmengerischen Sätzen nachzuweisen, blieb der Herr Krähwinkel-Journalist schuldig. Sehr Schüttenhostsch klingt die Alternative, vor die dort die jüd. Wähler gestellt werden. „Entweder" heißt es dort „ihr Juden lasset ab vom Talmud, wählet für uns, dann seid ihr unsere Freunde, widrigenfalls wisset ihr bereits, wessen ihr euch von Feinden, wie wir es sind, zu versehen habet." Es freut uns ungemein, daß wir mit dem Herrn Journalisten des Krähwinkelblattcs ganz darin übereinstimmen können, daß Talmud und Czechismus zwei ganz entgegengesetzte Elemente sind, die nicht harmoniren können, denn während hier die rohen Ausbrüche der Gemeinheit und Inhumanität, wozu der besagte Artikel im Olmützer Blatte selbst einen Beitrag liefert, Alles durchdringen und beherrschen, wird dort im Talmud von tausend Zungen Humanität, Freiheit und Gleichheit gepredigt. Kehren wir wieder von Olmütz nach Prag zurück. Am 3. Februar berief der Verein für geregelten Gottesdienst eine Plenarversainmlung ein, um über den Umbau des Tempels einen endgültigen Beschluß zu fassen. Der vom Baumeister Bclskh entworfene, und vom Prof. Niklas geprüfte wesentlich umgeänderte Bauplan lag der Versammlung vor. Nach vielen Debatten, in welchen die Einen sich für die Aufschiebung, die Anderen für die sofortige Inangriffnahme des Neubaues erklärten, wurde beschlossen, den Kostenbeschlag von 50000, zu dem bereits 25000 parat liegen, auf 60000 Gulden zu erhöhen und noch in diesem Monate an den Umbau des Tempels zu gehen. Der Unterricht in classischen Sprachen und Realwissenschaften an dem Talmud-Thora Institute hat bereits begonnen. Bis jetzt sind 9 Schüler inscribirt. Außer Freitag uud Samstag unterrichtet H. Heller täglich von s 2 2 bis V2 5, H. Dr. Rosenau er von V2 5—6. A. W. Pest, im Febr. (Privatmitth.) Die hiesige isr. Kultusgemeinde, welche genöthigt ist, ihre Unterrichtsanstalten in gemietheten Lokalitäten unterzubringen, geht mit dem Plan um, in der Nähe des Tem pels ein zwei Stock hohes Schulgebäude aufführen zu lassen, und hat zu diesem Behufe ein Baukomits unter dem Vorsitz des Schulen-Vorstandes, Herrn Philipp H 0 l l i t s ch e r, eingesetzt. Gleichzeitig wurden zu demselben Zweck Subskriptionsbogen in Zirkulation gebracht und soll das Resultat der Subskription so reichlich ausgefallen sein, daß nicht allein der Bau des projektirten Schulgebäudes als gesichert zu betrachten, son-