Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1867)
- Date
- 1867-02-26
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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166 den verschiedensten Sprachen erhielt. Es war hiermit eine jüdische Journalistik geschaffen, die seitdem unentbehrlich geworden. Auch die Homiletik gewann eine tüchtige Spannkraft. Wie es mit solchen Fächern geht, hat auch die jüdische Homiletik (Predigten und Predigtsammlungeu) ihren Wechsel, ein bald erhöhtes, bald abgeschwächtes Interesse, das sich von Zeit zu Zeit in besonders bedeutenden Erzeugnissen wieder erhebt, aber einmal vorhanden, niemals wieder ganz schwindet. Auch hierfür erschien 1834 eine regelmäßige Monatsschrift (israelitisches Predigt- und Schulmagaziu von Philippson 1834—36), welcher, abgesehen von der großen Fluth einzelner Predigten, bedeutende Predigtbücher von Salomon, Herxheimer, Kley, Mannheimer, A. A. Wolf, Philippson, Heß u. A., in der neueren Zeit von Jellinek und Sachs u. A. folgten. Ein anderer großer Zweig ist die Schulliteratur. Sie ist vielfach gepflegt worden, dessen sie aber fortwährend immer mehr bedarf. Für den Religionsunterrricht in allen Stufen erschienen zahlreiche Lehrbücher und Katechismen, für die biblische Geschichte eine übergroße Menge, wohingegen nur wenig für die nachbiblische Geschichte geschehen ist (Willstätter und Hecht). Fühlbare Unsicherheit herrscht noch jetzt in dem Maße des grammatikalischen Unterrichts im Hebräischen, wie und wie weit er in der jüdischen Schule ertheilt werden solle, doch sind in den letzten zehn Jahren viele brauchbare Lehrbücher auch hierfür an's Licht getreten; zahllos sind die hebräischen Lesefibeln; Wörterbücher zum Pentateuch und zum Gebetbuch existiren mehrere, dagegen noch kein einziges hebräisches Schulwörterbuch, das den Bedürfnissen der jüdischen Schule angepaßt wäre. Wie dem Bibelbedürfniß abgeholfen worden, haben wir schon oben berichtet. Was noch fehlt, ist eine, die Jugend ansprechende, in gehörigem Maße ausführlichere Beschreibung Palästinas, für welche ein dürrer Abriß, wie er bereits mehrfach vorhanden, um so weniger genügt, als die Lehrer selbst in der Regel wenig hiervon wissen; ebenso eine Geist und Gemüth ansprechende Liturgik. Für die jüdische Elementarschule waren besondere Lesebücher nothwendig, da die letzteren für die allgemeine Schule in den verflossenen I ährzehenden sehr konfessionell christlich gefärbt wurden und man hinwiederum Lesestoffe aus der jüdischen Sphäre bedurfte. Auch hierfür sind viele Schriften erschienen, die mehr oder weniger dem Zwecke entsprachen. Gerade auf diesem Felde wechseln aber die Ansichten und Bedürfnisse sehr schnell, die Anforderungen wachsen und werden andere; es ist daher natürlich, daß der Wunsch nach völlig befriedigenden Lesebüchern noch immer vorhanden ist. Nachdem nur die ersten Bedürfnisse befriedigt, das geschichtliche Bewußtsein wieder geweckt, die jüdische Literatur zu neuem Ansehen gebracht worden, stellte sich auch eine große Regsamkeit für den Wiederdruck selten gewordener hebräischer Werke, so wie für den Druck bis jetzt unedirter Manuskripte ein. Die jüngste Epoche sah den Talmud in kurzer Zeit so oft neu aufgelegt, wie früher kaum in einem Jahrhundert, und ebenso kamen neue Editionen fast aller bedeutenden Werke früherer Zeit an's Licht, und viele Handschriften wurden aus dem Staube der Bibliotheken oder des Privatbesitzes hervorgeholt. Hieran reiheten sich Uebersetzungen. Nachdem die jüdische Religionsphilosophie wieder geweckt, ja einzelne Zweige derselben, namentlich die Kabbala durch die Arbeiten Frauk's, Jellinek's und Joel's in etwas aus ihrem Dunkel gebracht worden, knüpften sich hieran die Uebersetzungen der religionsphilosophischen Werke Saadiäs (Fürst 1845), des More von Maimonides (Scheper 1838, Fürstenthal 1839, Munk 1856—66), seiner Schemone Perakim (©alonton, Falkenheim 1832, M. Wolfs arabisch und deutsch 1863), des Albo (Schlesinger 1848); des Cusari (Jolowicz und Cassel 1841). Ebenso wurde die Mischnah von Jost (1832) übersetzt, so wie Berachoth von Pinner (1842). Es blieben auch Uebersetzungen der hebräischen Dichter der spanischen Periode nicht aus, worin sich besonders Kämpf, Dukes, Geiger, Steinschneider, Meisel u. A. auszeichneten. Auch die Piutim wurden lzum Theil metrisch) übersetzt, namentlich von Sachs, und der Übertragungen des Gebetbuches der verschiedenen Riten in viele Sprachen ist eine ganze Fluth vorhanden. Während die neuhebräische Prosa, wenn auch niemals ganz unangewendet, erst in den letzten Jahren wieder einen neuen Impuls empfangen, sich Zeitschriften schuf, und Uebersetzungen vieler Lehrbücher und selbst wissenschaftlicher Werke zu Tage brachte, wurden auch der neuhebräischen Poesie zahlreiche Opfer dargeboten. Hier fehlte es aber meist an aller Originalität, und die größte Breite nahmen Uebersetzungen ein, lange Zeit bloß lyrischer Art, wo der deutsche Dichterwald viele seiner besten Zweige abgeben mußte; zuletzt auch Dramen, wobei freilich Mißgriffe nicht ausblieben, z. B. die Bearbeitung des Goethe'schen Faust, so meisterhaft auch Letteris die hebräische Sprache zu handhaben versteht. Nicht übergehen wollen wir mehrere Epopöen über biblische Stoffe.