Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1867)
- Date
- 1867-02-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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3i. Jahrgang. Allgemeine M 9. Zeitung des Zu-enthums Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Leipzig, den 26. Februar 1867. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Dienstags, in 2 bis 21/* Boaen. Preis des Jahrgangs 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Vierteljährig I Thlr. Inserate werden mit l'/a Ngr. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungs-Expeditionen nehmen Bestellungen an; der Haupt-Expedition sür beide Letztere hat sich das Königl. Sachs. Haupt-Zeitungs-Bureau hier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel r Dreißig Jahre. — Die Petition an das norddeutsche Parlament. — Aus Holland: Skizzen aus Holland. I. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Frankershausen. Österreichischer Kaiserstaat: Prag, Pest. Donausürstenthümer: Jassy. Frankreich: Paris, Nimes. Rußland: Helsingfors. Spanien und Portugal: Lissabon. Feuilleton-Beilage: Ueber Erziehung. < Schluß.) — Dr. Raphael Jacob Kosch. — Salomon Munk. Leitende Artikel. Bonn, den 17. Februar 1867. Dreißig Jahre. (Fortsetzung.) An den Abhängen und zu den Füßen jener Höhenzüge der Wissenschaft breitet die Literatur sich in weiten Fluren aus, deren Fruchtbarkeit von den Strömen und Bächen des Geistes abhängt, von denen sie durchschnitten werden, und von der Thätigkeit und Fürsorge derer, die sie bearbeiten. Freilich ist die letztere wiederum von dem Geschmacke bedingt, welchen diejenigen an den erzielten Früchten finden, für deren Bedürfniß sie geschaffen werden, also von der Nachfrage. Diese Fluren der jüdischen Literatur lagen vor dem Zeiträume, den wir hier besprechen, fast ganz brach; man kann nicht einmal sagen, daß Dornen und Disteln darauf wuchsen; es wuchs garnichts auf ihnen. Nehmen wir die paar Schulbücher von Moses Philippson, Peter Beer und Joelson aus, so wie eine Anzahl Predigten von Wolf, Salomon, Kley, erinnern wir an die in zwanglosen Heften erscheinenden Zeitschriften Sulamith und Jedidjah und an einige Streitschriften, so haben wir ziemlich Alles, was aus ren ersten drei Jahrzehenden dieses Jahrhunderts anzuführen wäre. Wer nun von hier aus einen Blick auf den gegenwärtigen Zustand der jüdischen Literatur wirft, wird eine so merkwürdige Umwandlung erkennen, daß er mit den Klagen, die einmal zu aller Zeit vorgebracht werden, einhalten und sich nur mit der Hinweisung auf Bedürfnisse, die noch nicht ganz befriedigt sind, und mit der Nothwendigkeit stetigen Fortstrebens begnügen wird. Mit dem neu erwachten Leben in den dreißiger Jahren nahm auch die jüdische Literatur einen neuen Aufschwung. Zuerst trat die politische Polemik energisch auf. Börne's „Waage" und Rießers „Jude" leiteten eine lange Reihe von Emanzipationsschriften ein, welche gegen die immer wieder aufgesrischten Einwände ankäwpften, bis sie mit 1848 gegenstandslos wurden, und von da ab nur, wie es von Zeit zu Zeit nöthig wird, noch einmal auf dem Kampfplatz erscheinen. Hieran lehnte sich zunächst die erste regelmäßig erscheinende jüdische Zeitschrift, die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" (1837), welche sowohl die äußeren als die inneren Verhältnisse und zwar der Juden aller Länder, in ihr Bereich zog, und eine Menge von Nachfolgerinnen von bald längerer, bald kürzerer Dauerhaftigkeit und in