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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-02-19 · Heft 8 (19.2.1867) · p. Seite 156

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 8 (19.2.1867)
Date
1867-02-19
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 syrischen Sprache. Lange Zeit war Munk auch Sckrctair des israelitischen Centralconsistoriums, später Mitglied desselben. Seine sämmtlichen, in französischer Sprache abgcfaßten Schriften gehören zu den gediegensten Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen und arabischen Literatur. Wir erinnern uns zuerst von ihm eine Abhandlung über spanische Dichter in neuhebräischcr Sprache im Feuilleton des „Temps“ 1834 gelesen zu haben, die wir im zweiten Jahrgange unseres „Israelitischen Predigt- und Schulmagazins" übersetzten und mit Zusätzen versahen. Wichtiger war seine dlotiee sur Rabbi Saadia Gaon (183S), Joseph ben Jehuda (1842), sein Palestine (1845). Neben dem letzteren sind seine wichtigsten Arbeiten Melaiiges de Philosophie juive et arabe, 2 Lieferungen (1857', über Gabirol, die vorzüglichsten arabischen Philosophen, historische Skizze der Philosophie bei den Juden (in's Deutsche übersetzt von Di-. B. Beer, in dieser Ausgabe aber vermehrt', und endlich seine Ausgabe des Moi-e Kebuchim von Maimouides im arabischen Texte mit französischer Uebersetzung und Commentar in drei Bänden (1856, 1861 und 1866). Wenn man sich erinnert, daß Munk seit etwa 1856 nach längerem Augenleiden völlig erblindet war, so weiß man nicht, ob man mehr seine Ausdauer oder sein Gedächtniß bewundern soll, womit er die beiden letzten Werke, die ebensoviel Gelehrsamkeit wie Scharfsinn entwickeln, zu arbeiten vermochte, und ebenso übernahm er noch in den letzten Jahren die Pflichten der Professur und erfüllte sie mit Glanz. Ein besonderer Verlust ist es, daß er die von ihm versprochenen Prolegomena zum More nicht beenden konnte. Sollten die Materialien irgendwie geordnet vorliegcn, so wäre cs eine dringende Pflicht, dieselben durch geeignete Hand zu veröffentlichen — doch dafür wird sicherlich der Freund des Verewigten, Herr Albert Cohn, möglichst Sorge tragen. Wir haben über die Ursachen dieses unvermuthet eingetretenen Todes noch keine Mittheilung. Aber als unvermuthet müssen wir ihn bezeichnen, da wir noch vor 14 Tagen einen von ihm eigenhändig Unterzeichneten Brief erhielten, der auch nicht die geringste Ahnung enthielt, sondern noch von den Arbeiten sprach, die den Verstorbenen beschäftigten. Wir hatten nämlich schon vor Jahren bei ihm den Gedanken rege gemacht, sein vortreffliches Werk Palestine, das 1845 in dem großen Sammelwerk 1' Univers erschienen, und eine geographische, historische und archäologische Beschreibung Palästina's enthält, durch das Institut zur Förderung der israelitischen Literatur in einer deutschen Bearbeitung zu veröffentlichen. Er, wie die Leiter des Instituts sahen aber ein, daß hierzu eine Umarbeitung mit Benutzung der in den letzten zwanzig Jahren aufgehäuften und so überaus reichhaltigen Untersuchungen, Berichtigungen, Reisewerke u. s. w. unumgänglich nothwendig sei. Im Laufe dieses Winters hatten wir diese Idee noch einmal bei ihm rege gemacht, und er antwortete zustimmend. Einige Wochen später jedoch lehnte er es für die nächste Zeit wieder ab, weil zu einer solchen Arbeit für ihn große und beschwerliche Studien erforderlich und er mit anderen Arbeiten, namentlich mit den gedachten Prolegomena, beschäftigt sei. — Wir wollen hier auf die Privattugenden dieses Mannes noch nicht näher eingehen. Er konnte im wahren Sinne ein Weiser genannt werden, da er sein herbes Geschick mit einer Sanftmuth und Gottergcbenheit trug, die wahrhaft rührend war. Von dem Eindruck, den seine Persönlichkeit auf uns machte, haben wir in Nr. 28 des 18. Jahrgangs (1854) dieser Zeitung eine Schilderung gegeben. Auch seine Würdigung als Gelehrter sei heute noch nicht unternommen. Was chn aber vom allgemeinen Gesichtspunkte aus für uns unschätzbar machte, war, daß seine außerordentliche Gelehrsamkeit und sein großer Scharfblick ihn nicht verleiteten, sich jener zersetzenden Hypcrkritik aus biblischem Gebiete zu überlassen, welche, zur Mode geworden bei Gelehrten und Ungelehrten, allen positiven Boden unter den Füßen hinwegräumt und in ihrem Rausche nicht einmal die gewöhnlichsten und einfachsten Kriterien, die einem alten Literaturmonumente zugestanden werden müssen, der Bibel gewähren will. Munk war ein Gegner dieser Richtung mit ebensoviel Energie wie Ruhe. Er har dies zuletzt noch in den Einleitungen zu seinen Vorlesungen erwiesen. Freilich bezeichneten ihn die Jünger jener dafür schon als „veraltet oder zurückgeblieben." Wir werden nicht verfehlen, noch Näheres über Munk mitzutheilen. Nordamerika. NeuFjork, im December. Zum ersten Mal wurde hier ein deutscher Jude zu einem County-Amte erwählt, nämlich Herr G. N. Her man zum Supervisor der City und County von Neu-Iork mit einer Majorität von 15,066 Stimmen.

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