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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-02-19 · Heft 8 (19.2.1867) · p. Seite 155

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 8 (19.2.1867)
Date
1867-02-19
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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Frankreich. Paris, 8. Febr. Bei dem ebenso unerwartet wie schnell erfolgten Tode Munk's hat wohl eine seiner letzten Aeußerungen in der Presse ein besonderes trauriges Interesse. Es ist dies ein Brief vom 24. Januar, den er an die All. isr. univ. geschrieben, welche ihm, nachdem Cremieux die Präsidentschaft niedergelegt, diese antragen wollte. Als Munk von dieser Absicht vernommen, lehnte er es im gedachten Schreiben, welches die Arcb. isr. veröffentlichen, ab. Es lautet: „Da ich verhindert gewesen, Ihrer letzten Sitzung beizuwohnen, in welcher Sie die Erneuerung Ihres Bureaus besprachen, erfahre ich soeben durch Zufall — denn cs wurde mir in dieser Hinsicht keine offizielle Mittheilung, — daß Sie mir die ausgezeichnete Ehre erwiesen, mir die Präsidentschaft der Alliance zu übertragen. Jedoch ist es notorisch, daß Niemand weniger als ich fähig ist, die von diesem Amte unzertrennlichen Funktionen zu vollziehen. Die bedeutenden Eigenschaften des ehrenwerthen Präsidenten, welchen unsere Reglements genöthigt haben, sein Amt niederzulegen, machen zukünftig aus dieser Würde eine schwere Last. Wer unter uns kann sich schmeicheln, einen gleichen Einfluß wie er auszuüben und uns wie er mit der Aegide eines großen, durch eine ruhmreiche Vergangenheit erworbenen Namens zu decken? Indessen fehlt es uns Gott sei Dank nicht an bedeutenden Männern, welche durch ihren Eifer und durch ihre Thätigkeit der Alliance große Dienste geleistet haben, und deren Einsicht und sociale Stellung unsere Gesellschaft ehren und ihr nach Außen Achtung verschaffen können. Mein Ruf, der durch gewisse Spezialstudien begründet worden, überschreitet nicht beit engen Kreis einiger Fachmänner, Freunde derselben Studien. Meine Thätigkeit und mein Eifer sind unglücklicherweise durch ein grausames Gebrechen gelähmt. Ich kann also unserem Comitö von keinerlei Nutzen sein, und kann nicht einmal regelmäßig an Ihren Berathungen Theil nehmen. Ich würde eine Art Beschämung empfinden, wenn ich eine Würde annähme, deren Pflichten zu erfüllen mir unmöglich wäre. Schließlich erlaube ich mir zu bemerken, daß nach meiner Meinung es einem Mitglied des Ccntralconsistoriums durchaus nicht geziemt, die Verantwortlichkeit eines Präsidenten der Alliance auf sich zu nehmen, welcher in gewissen Fällen in den Schritten, welche er thun zu müssen glaubt, durch die Zurückhaltung, die ihm seine amtliche Stellung auferlegen würde, behindert sein könnte. Alle diese Gründe haben mich schon vor drei Jahren verhindert, die Würde des Vicepräsidenten der Alliance zu behalten, und sie verhindern mich um so mehr, das Präsidium anzunehmen, womit Sie mich beehren wollten. Diese Gründe sind entscheidend, und Nichts könnte mich bestimmeu, eine einzige Würde anzunehmen, die nicht durch irgend einen wirklichen Dienst gerechtfertigt wäre. Empfangen Sie, re. S. Munk." Der edle und feste Charakter, die Bescheidenheit und Geradheit, welche den verewigten Munk auszeichneten, spiegeln sich in diesem Briefe klar ab. Und vor so wenigen Tagen konnte man noch nicht ahnen, daß die als „entscheidende Gründe" aufgeführten Motive vor dem unerbittlichen Schwerte des Todes ihre Kraft verlieren sollten! Paris, 7. Febr. iPrivatmitth.) Als uns vor nicht so langer Zeit die Nachricht des Todes des seligen Luzatto so schmerzlich traf, dachte wohl Niemand, daß wir so bald wieder ein neues Unglück zu beweinen haben ivürden. Heute ist es Hr. Munk, den der Tod, als er eben auf dem höchsten Gipfel seines Glanzes stand, so plötzlich dahingerafft. Dinstag Abend um 10 Uhr fand noch eine Versammlung bei Hr. Munk statt; einige Stunden später hatte ein Schlagfluß seinem rühm- und thatenreichen Leben ein Ende gemacht. Die traurige Kunde hat überall eine tiefe Erschütterung hervorgebracht: denn unter allen Gelehrten der großen Weltstadt war Munk gewiß einer der geachtetsten, der allgemein verehrt wurde. L. 8. Bonn, 7. Febr. iPrivatmitth.) Soeben kommt uns die erschütternde Trauerbotschaft zu, daß Salomo n Munk mit Tode abgegangen ist. Munk war am 14. Mai 1805 zu Glogau geboren, war nach absolvirten Studien nach Paris gegangen, wo er eine neue Heimath fand. Zu einer Zeit, wo in Deutschland jedem Juden, so groß auch seine Befähigung und seine Verdienste waren, noch jede Laufbahn verschlossen blieb, erlangte Munk in Paris Würden und Stellung. Er wurde Mitglied des Instituts und erhielt den Lehrstuhl der hebräischen, chaldäischen und 8*

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