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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-02-19 · Heft 8 (19.2.1867) · p. Seite 151

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 8 (19.2.1867)
Date
1867-02-19
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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151 treten bei den desfallsigen Verhandlungen zu richten. Wir gestatten uns die bez. Stelle aus seinem Antwortschreiben hier wiederzugeben, das übergehend, was uns persönlich betrifft. Es giebt sich auch hier das warmfühlende Herz für unsere Glaubensgenossenschaft und ihre Rechte so klar zu erkennen, daß wir seine Worte unseren Lesern nicht vorenthalten zu dürfen glaubten, wenn der treffliche Mann sie auch nicht in dieser Absicht geschrieben hat. Er schreibt: „Wenn meine Worte Eindruck gemacht haben, so gebührt auch Ihnen der Dank dafür, daß Sie sich der Mühe unterzogen fast sämmtliche Shnagogeugemeinden der Monarchie zur Unterstützung der Petition zu veranlassen um dadurch meiner Rede einen wirksamen Hintergrund zu verschaffen. Was ich gethan, war nur die Erfüllung einer heiligen Pflicht als Abgeordneter und Jude, und so lange es mir vergönnt sein wird für die Feststellung unserer beschworenen Rechte zu wirken, werde ich nicht aufhören diese fest in's Auge zu fassen. Die diesmalige Discussion im Hause war eine höchst interessante und lebhafte und ich zweifle nicht, daß sie in nicht ferner Zeit auch ihre günstige Wirkung äußern werde. Allmälig zwar, aber sicher werden die rechtswidrigen Schranken fallen, welche uns jetzt noch in unseren Bestrebungen auf allen Gebieten des Staatslebens hemmen." Memel, im Februar (Privatmitth.) Von dem Prediger der hiesigen Shnagogengemeinde, Herrn Dr. I. Rülf, ist in diesen Tagen eine Broschüre „Jankel Widutzty, der den Händen der Judenbekehrungs-Mission entzogene Knabe" erschienen, welcher folgende Thatsache zu Grunde liegt. „Etwa um die Mitte des Monats November, erzählt vr. Rülf, kamen eines Tages zwei russische Juden, die aber, wie so viele ihrer Glaubens¬ und Landesgenossen hier in Memel sich angesiedelt haben, und erzählten mir folgendes: Vor wenigen Tagen fand ein russischer Judeuknabe im jämmerlichstem Zustande sich hier ein; wir gaben ihm Kleider, Essen, Nachtquartier im Letb dawiärasvll und unterstützten ihn auch mit Geld. Plötzlich war er verschwunden und wir erfuhren, zur Bestürzung Aller, daß er dem englischen Prediger in die Hände gefallen sei und von demselben getauft werden sollte. Da machten wir die' hiesige Polizei auf den Knaben aufmerksam, welche sich seiner, als er sich wieder zeigte, bemächtigte. Allein der Prediger hat ihn heute, vermuthlich mit Beihilfe seines Consuls, von dort wieder entnommen und hat ihn, uns so recht zum Aerger und zum Grame, nicht direkt, sondern auf einem Umwege über die Börsenbrücke, mitten durch die dort in Massen versammelten Juden, wieder nach seiner Wohnung geführt. An ihnen ist's nun zu rathen und zu helfen, damit der Knabe seiner vielleicht um ihn in schwere Sorgen versenkten Familie, welcher er entsprungen sein mag, zurückgegeben werde. Ich wandte mich nun mit einem Bittgesuche, worin ich den Knaben für seine Familie reclamirte, an den verehrlichen Magistrat der hiesigen Stadt, welcher dasselbe sofort an das Königliche Landrathsamt gelangen ließ." Auf diese Rcclamation, nachdem der Vorstand der Gemeinde die Bürgschaft für den Unterhalt des Knaben, so lange er in Memel weile, übernahm, lieferte der Missionär den Knaben aus. Ueber den Knaben selbst berichtet Herr Dr. R. zum Schlüsse noch Folgendes. „Jankel Widutzky hat mir, seine Vergangenheit betreffend, folgendes erzählt. Mein Vater besitzt einen kleinen Kramladen in Wilna, aber wollte, weil ich Lust und Fähigkeit dazu zeigte, daß ich mich ganz und gar dem Studium widme, und zwar ausschließlich dem .Studium des Talmuds, weil ein jedes andere Studium, in welcher Ansicht er von meinem Rabbi noch bestärkt wurde, nur Mines und Apikores (Ketzerei und Gottesleugnung > enthalte. Unter der Hand hatte ich Russisch gelernt und las mit großer Vorliebe die in Rußland sehr verbreiteten neu-hebräischen Dichter und Schriftsteller, darüber nun hatte ich mit meinem Vater manch harten Strauß zu bestehen, der mich hierin weder privatim noch in einer öffentlichen Schule wollte unterrichten lassen. Da brachte ich denn den langgehegten Vorsatz zur Ausführung, verließ heimlich das elterliche Haus, um «draußen in der Welt einen Ort zu suchen, wo ich ganz nach meiner Neigung mich dem Studium hätte hmgeben können. Ich war nun schon fast drei Monate umhergestreift, war nackt und blos, vor Hunger und Frost gequält hier an- und zum Prediger Hefter gekommen; über das Wie? wollte der Knabe sich aber nicht auslassen, weil er vom Herrn Prediger und dessen Frau sogar mild und freundlich wäre behandelt worden. Und was uns der Knabe erzählt, das hat uns der auf telegraphische Benachrichtigung herbeigeeilte Vater bestätigt; aber seine unrichttge Denkungs- und

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