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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-02-12 · Heft 7 (12.2.1867) · p. Seite 131

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 7 (12.2.1867)
Date
1867-02-12
Page
Seite 131 (sequence 7)
Language
German
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131 nehmen konnten, ohne daß sie damit pro domo zu fechten bezüchtigt werden konnten. — Gestatten Sie mir aber noch eine Bemerkung. Demjenigen, der den Berhandlungcn des ganzen Landtages in diesen Tagen folgtej mußte sich eine Vergleichung zwischen der obigen Verhandlung im Abgeordnetenhaus« und der bald darauf stattgefundeneu Debatte im Herrenhanse über die Vermehrung der Abgeordneten aus den anncktirten Ländern aufdrängen, so weit auch die Gegenstände auseinanderliegcn. Die Herren, welche den von der Staatsregierung empfohlenen Beschlüssen des Abgeordnetenhauses so energisch entgegen traten, sprachen unumwunden aus, daß das Herrenhaus damit das „Todesurtheil" sich selbst unterschriebe. Zuletzt gab eine große Majorität doch nach. Fürwahr, die Debatte über die Judenfrage bezeugte im Gegentheil mit jedem Worte, welch' kräftiges Leben in derselben enthalten sei, welche Energie, die ein Hinderniß nach dem anderen überwindet, zeugte geradezu für die Zukunft, welche den Bekennern des Judenthums innerhalb des modernen Staates noch zuzuschreiben ist. Die Consequenz zu ziehen überlasse ich den Lesern, um so mehr da sie sich von selbst ergiebt. — Aus der Mittheilung des Berichterstatters erfuhr man, daß noch am letzten Tage der Beitritt der Shnagogen-Gemeinde Posen zu der Petition der jüdischen Gemeinden eingelaufen war. „Spät kommst du, doch du kommst." Somit ist denn von allen nur irgend bedeutenden Gemeinden der altpreußischen Provinzen ganz allein die Gemeinde Berlin zurückgeblieben, Berlin allein hat sich von der Gesammtheit ausgeschlossen. Doch was sage ich „Genieinde" — es war ja nur der Vorstand, der in seiner Weisheit diese große Gemeinde in der gesammten Genossenschaft unvertreten zu lassen, beschlossen hatte. Er hat es nun abermals erfahren — denn es ist dies ja nicht das erste Mal — daß sein Ausschluß gar nichts zu bedeuten hat; daß ein Theil, und wenn er noch so umfänglich ist, zwar eine Bedeutung in der Gesammtheit hat, wenn er die ihm in ihr zukommende Stellung einnimmt, aber völlig bedeutungslos wird, wenn er sich ausschließt. Daß ich dies an dieser Stelle hervorhebe, hat durchaus seinen Grund nicht in einer raucune, die man darüber empfinden könnte, sondern mit dem bestimmten Zweck, die Gemeinden in den Provinzen darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich niemals davon beirren lassen dürfen, wenn der Berliner Gemeinde-Borstand einen aparten Weg gehen will, wenn er seine Kräfte der Gesammtheit entzieht. Die Juden Preußens zählen gegenwärtig 314,000 Seelen — dies ist eine sehr respektable Zahl, die es nicht zu scheuen braucht, wenn einige 20,000 einem gemeinsamen Werke sich nicht anschließen. Hierbei liegt es denn sehr nahe, an die Glaubensgenossen in den jetzt anncktirten Ländern die dringliche Mahnung zu richten, den partikularistischen Geist nicht auch in Sachen der Glaubensgenossenschaft zu nähren, und die ihnen von ihren ■ bisher schon preußischen Glaubensgenossen gereichte Bruderhand aus separatistischen Motiven zurückzuweisen. In diesen anncktirten Ländern genossen die Juden einer besonderen Organisation, zum Theil auch einer besonderen Stellung. In der Aengstlichkeit, sich diese zu wahren, wollen sie in ihren bisherigen geographischen Grenzen von den preußischen Juden gesondert bleiben. Zu befürchten ist nun, daß sie sich von dieser Tendenz verleiten lassen, von jeder gemeinsamen Angelegenheit fern zu bleiben. Wir wünschen ganz lebhaft, daß ihnen alles das erhalten bleibe, wobei sie sich wohl fühlen. Aber die strikte Verletzung jedes Gemeinsinns straft sich immer, und die Zukunst ist zu unsicher, als daß mit Zuversicht auf die Erhaltung separater Verhältnisse zu rechnen wäre. Berlin, im Januar. »Privatmitth.) Bei der Aufmerksamkeit, welche Ihr Blatt gegenwärtig dem Wirken der Abgeordneten jüdischen Glaubens zuwendet, ist wohl mit einigen Worten auf die jüngste Thätigkeit des Abg. Laster wiederum hinzuweisen, der einen, allseitig ersehnten Gesetzentwurf eingebracht und vertheidigt hat, durch welchen nunmehr auch die Zinsbeschränkung von Immobilien beseitigt werden soll. Die Regierung hat ihn acceptirt. — Die Berufung Geigers in das hiesige Rabbinat ist mehr als zweifelhaft geworden, da sich das Repräsentantencollegium darüber in drei Fraktionen gespalten hat, also keine Aussicht ist, die Zwcidrittelmajorität zu Stande zu bringen. Es ist hierüber eine Parteibroschüre Kol Kore erschienen, in die wir aber näher einzugehen nicht veranlaßt sind.— Bor Kurzem erschien der Rechenschaftsbericht der Finanzverwaltung der Gemeinde aus dem Jahre 1865. Es wird für viele Leser interessant sein, einen Einblick dareiu zu thun. Die Hauptkasse schloß ihre Einnahmen mit 172,422 Thlr. und ihre Ausgaben mit 168,669 Thlr. ab, so daß am 31. Dezember 1865 ein Kassenbestand von 3753 Thlr. verblieb. Die Mstgliederbei-

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