Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 31 (1867)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1867)
- Date
- 1867-02-12
- Page
- Seite 128 (sequence 4)
- Language
- German
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128 Literarischer Wochenbericht. Bonn, 1. Februar. Angekommen: Geschichte der Juden in Königsberg in Pr. Ein Beitrag zur Sittengeschichte des preußischen Staates. Nach urkundlichen Quellen bearbeitet von Dr. H. Jolowicz. iPosen 1 867, Jolowicz.) Die Gemeinde in Königsberg hat ihre erste Ansiedelung im Jahre 1538 erlangt. Wie daher ihre Geschichte nicht in eine verhältnißmäßig ältere Zeit hineingreift, so hat sie auch mehr wechselnde Momente der drückenden Beschränkungen und des Kampfes gegen diese als eigentlicher Verfolgungen aufzuweisen. Dafür ist gerade sie ein Mittelpunkt der modernen Entwickelung in ihren Vorzügen und Nachtheilen gewesen, und das Interesse an ihrer Geschichte hebt mit der letzteren an. Eine Geschichte dieser Gemeinde hat also den besonderen Werth, daß sie nicht, wie die so vieler anderen Gemeinden während des Mittelalters, die merkwürdigsten Wandelungen vorführt, mit dem Anbruch einer besseren Zeit aber in fast nichtssagende Gewöhnlichkeit versinkt, sondern daß sie uns das lebhafteste Spiegelbild der letzten 150 Jahre darbietet, während ihre Anfänge nur örtliche und persönliche Theilnahme zu wecken vermögen. Hervorheben wollen wir noch, daß die Gemeinde Königsberg den Charakter uns zu erweisen scheint, welchen die ganze Provinz Ostpreußen in den allgemeinen Verhältnissen manifestirt: den reg- und strebsamsten Eifer zur Beseitigung aller Hindernisse gegen Aufklärung und Humanität, und den Mangel an Energie, sobald es zu schaffen und aufzubauen gilt. So hat auch diese Gemeinde mehr als eine andere Preußens in dem Kampfe um die bürgerliche Gleichstellung gewirkt und war immer bereit, hierauf bezügliche Schritte zu thun oder zu unterstützen. Dagegen fehlte es ihr an Gestaltungskraft und am Willen, an der inneren Entwickelung des Judenthums einen lebendigen Antheil zu nehmen. Der Verf. der vorliegenden Schrift hat also sehr wohl daran gethan, die Geschichte dieser Gemeinde zu bearbeiten, und er hat sich dieser Aufgabe mit der größten Sorgfalt, vielem Fleiße und voller Umsicht unterzogen. In gewissenhaftester Weise hat er die Quellen benutzt und nichts übergangen, was zum Bestände der Gemeinde gehört und dieselbe berührt. Wir wünschten wohl, daß wir recht bald in Besitz einer solchen Geschichte der Gemeinde Berlins kämen. Der Verf. hat sich des einfachen, schlichten historischen Styls befleißigt. Sein Werk hat aus den oben bezeichneten Gründen ein allgemeines Interesse für alle preußischen Juden, noch dazu, da hier viele Persönlichkeiten austreten, die bis in die Geschichte des Tages von Bedeutung sind. — Cristiani ed Ebrei nel medio evo; quadro di costumi cor un* appendiee di rieordi e leggende giudaiche delia medesima epoca: del prof. Giuseppe Levi da Yereelli. Firenze. Suecessori Le Monnier. 1866. In der anziehenden Vorrede drückt der Verf. als den Zweck seines Werkes aus, vor den traurigen Folgen des Fanatismus, wie er im Mittelalter geherrscht, zu warnen und davon abzuschrecken. Da die folgenden Geschlechter immer das Gute und das Schlimme der vorhergegangenen erben, so kommt es darauf an, das Gute in dieser Erbschaft zu erhalten, das Schlimme zu beseitigen. Zu diesem Zwecke reiht der Vers, eine Anzahl Erzählungen und Legenden aneinander. Man wird aus Obigem voraussetzen, daß die meisten mit dem über Juden ungerecht verhängten traurigsten Lose enden, und eben zeigen, wie die Veranlassung hierzu in dem Aberglauben, Vorurtheil und Fanatismus ihrer Hasser bestand. Aus einer eigenthümlichen Schonung für die Italiener, verlegt der Verf. den Schauplatz ünmer in andere Länder. Wie man nun auch über den Gegenstand und Zweck dieser Novellen und Legenden denken mag, der Verf. hat überall den Stoff mit schöner und mannigfaltiger Schilderung zu umgeben verstanden, und ohne in den, seinen Landsleuten so gewöhnlichen Schwulst zu gerathen, in lebhafter und interessirender Weise gezeichnet. Der Stofs ist allerdings meist mehr anekdotischer als novellistischer Natur, und wir haben deshalb die Kunst des Verf. zu bewundern, aus einem unbedeutenden Gegenstände ein die Einbildungskraft beschäftigendes und das Gemüth erregendes Bild zu schaffen. Der Verf. hat hiermit seinen Verdiensten um das italienische Judeuthum ein neues, nicht unbeträchtliches hinzngesügt, was um so höher anzuschlagen, als er mit der Indolenz seiner italienischen Glaubensgenossen für alle literarischen Bestrebungen, welche das Judenthum betreffen, zu kämpfen hat. — Wien, 8. Januar. Aus einem alten Manuscripte. In der hiesigen k. k. Hvfbibliothek befindet sich ein hebräisches Manuscript, geschrieben in Raschischrift unter dem Titel: S r.ns 'o. Der Verfasser desselben ist b"T -12 stot -q rrcbiö '-\ Dasselbe ist in hebräischer Sprache ein Religionscompendium, wie wir derartige in deutscher Sprache zu Dutzenden besitzen. Ein Lehrsatz wird aufgestellt und zu