Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-02-05 · Heft 6 (5.2.1867) · p. Seite 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 6 (5.2.1867)
Date
1867-02-05
Page
Seite 115 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226581-3226588--24658-3260124
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

115 Nummer unter Posen berichtet haben. Hinsichtlich des, die Juden betreffenden Punktes sprach Graf Bismark sich dahin aus, daß dies lediglich eine innere Angelegenheit sei, auf welche er bei der russischen Staatsregierung keine Einwirkung haben könne. Das einzige Mittel wäre, Repressalien gegen die russischen Juden, die nach Preußen kämen, zu gebrauchen, nach dem bekannten Sprüchwort, das er nicht ansühren wolle, aber ein solches Verfahren werde wohl niemand ihm zumuthen. Donaufürstenthümer. Bukarest, 29. Dez. (Arch. isr.) Unser junger Fürst läßt keine Gelegenheit vorüber gehen, die Gefühle der Gerechtigkeit zu bethätigen, die sich in allen seinen Handlungen kund thun. Die israelitische Tempelgemeinde, welche durch die Emeute vom 18. Juni v. I. so schmerzlich geprüft ward, befand sich in ernsten Verlegenheiten in Folge der Verpflichtungen, die sie behufs Vollendung des Tempels auf sich genommen hatte, und des, von der Regierung gefaßten Beschlusses, die geforderte Entschädigung für die, von der Emeute verursachten Verluste erst nach der Zustimmung der Kammern zu bezahlen. Der Vorsitzende des Tempelkomites, Herr Jakob Löbel, ist nun von Sr. Hoheit in besonderer Audienz empfangen worden und schilderte ihm, wie schädlich dieser Aufschub den Interessen der Gemeinde sein könnte. Darauf beeilte sich unser junger Herrscher, dem Komits eine Summe von zweitausend Ducaten zuznstellen aus seiner Privatschatulle genommen — um den dringendsten Bedürfnissen zu genügen. Eine ähnliche Thatsache bedarf keines Kommentars, und die rumänischen Israeliten werden nie das Andenken an eine Handlung verlieren, die ebenso ihren Urheber ehrt, wie sie denen, welchen sie erwiesen ist, die Hoffnung auf eine Zukunft voll Gerechtigkeit und Freiheit verleiht. Frankreich. Paritz, im Januar. (Privatmitth.) Vor kurzem erschien hier: Lettre aux Israelites sur la question ile l’attitude qu’il leur convient de prendre ä l’egard de la souverainete temporelle du Pape von Len Abbes Augustin und Joseph Lemanne (Sendschreiben an die Israeliten über die Frage, welche Haltung sie in Betreff der weltlichen Herrschaft des Papstes einnehmen müssen.) Gestatten Sie mir einige Worte über diese Broschüre, obschon sie erst im Nr. 51 v. I. in allgemeinen Zügen das Berhaltniß der Juden zur Frage über die weltliche Herrschaft des Papstes gezeichnet haben. Was zuerst die Verfasser betrifft, so kann ihre Persönlichkeit für uns auch nicht im entferntesten irgend einen bestimmten Grund haben. Sie sind als Kinder, ehe sie einen religiösen Begriff hatten, getauft worden. Die Gründe, die sie vorzutragen haben, kommen also aus dem Munde solcher, die weder das Judenthum kennen, noch für uns ein näheres Interesse haben. Die Herren meinen, daß die Juden dem Papst« thume Dank schuldig seien. Es wäre für uns eine große Befriedigung, wenn dies durch die Geschichte oder auch nur durch die Gegenwart bestätigt würde. Wir Juden hatten und haben so viele Feinde, daß selbst nur ein Schimmer von Wohlwollen uns mit Anerkennung erfüllt und wir mit Begierde auf diejenigen Hinweisen, welche sich uns freundlich erwiesen haben. Das Papstthum gehört nicht darunter. Wir geben gern zu, daß einzelne Päpste wohlwollend gegen uns gewesen und uns selbst dann und wann beschützt haben. Diesen gegenüber stehen andere, welche zu unseren grimmigsten Verfolgern gehörten, welche die spanische Inquisition sanktionirten und deren Schuld es nicht war, wenn diese nicht die Beherrscherin aller christlichen Länder geworden. Darum handelt es sich aber jetzt, Gott sei Dank! nicht mehr. Die Zeit der Verfolgungen ist vorüber, und die Frage, die uns berührt, dreht sich um die Gleichberechtigung im Staate. Dieser gegenüber ist, wie erst die letzte Enzyklika bewiesen, das Papstthum dauernd und für alle Zeiten das verkörperte Ghetto, die Ausschließung, die allseitige Beschränkung. Es ist dies so sehr, daß Rom noch das einzige Beispiel des, Ghetto in ganz Europa giebt. Die Juden sind nun weit entfernt davon, das Papstthum und seine Autorität in allen katholisch-kirchlichen Sachen irgend wie anzutasten oder anzugreifen. Das Judenthum hat von seinem Beginne an stets den Beruf gehabt, die von ihm gelehrten Wahrheiten der Menschenwelt klar und offen darzulegen, niemals aber bestehende religiöse Institutionen zu befehden und zu zerstören. Soweit aber das Papstthum eine weltliche Herrschaft, eine entscheidende Gewalt in politischen und bürgerlichen Dingen beansprucht, nöthigt sein Prinzip 6*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.