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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-02-05 · Heft 6 (5.2.1867) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 6 (5.2.1867)
Date
1867-02-05
Page
Seite 116 (sequence 12)
Language
German
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116 die Juden, in ihm eine feindliche Autorität zu erkennen; sie werden niemals gleichgültig, sie werden noch weniger günstig dafür gesinnt sein können. Dies ist vaS einfache Verhältniß, das durch keine Sophistereien verdunkelt werden kann. Hiermit ist noch nicht gesagt, daß die Juden als solche in eine faktische Feindseligkeit gegen die weltliche Herrschaft des Papstes eintreten müßten oder werden. — Die Dinge haben ihren Lauf auch ohne sie — nur komme man uns nicht mit Be günstigung, Förderung oder Lertheidigung da, wo für uns ein sehr feindliches Moment liegt. — Wenn die Herren sich aus den bekannten Mires als einen Juden berufen, der die weltliche Herrschaft des Papstes vertheidigt: so ist dies eine Persönlichkeit, die nns eher abzustoßen als anzuziehen vermag. Herrn Büros Stellung in der Welt ist keine, welche einen sittlichen Eindruck zu machen im Stande ist; seine ganze Familie ist katholisch geworden; ex selbst macht in päpsltichen Staatspapieren und Drden. Was für einen Einfluß könnte sein Work und sein Thun auf uns üben? Italien. Aus Oberitalien, 11. Januar. (Privatmitth.l Ihre Bemerkung über die in Rr. 1 l. I. dem Educatore Israelita entlehnten Angaben über die italienischeil Gemeinden ist vollkommen gerechtfertigt. So ist zum Beispiel die Zahl unserer Glaubensgenossen in Modena kaum über 1200, während in jenem Artikel 2000 angegeben sind. Die von Reggio sind viel näher an 800 als an 700; Padua dürste nicht 800 sondern wenig mehr als 600 zählen, auch für Triest ist 0000 zu hoch angesetzt. Jener Artikel stammt übrigens von einem empfchlenswerthen strebsamen jungen Manne, Herrn Flaminio Servi, Rabbiner in Monticelli, welcher in unfern italienischen isr. Zeitschriften schätzbare statistische Arbeiten veröffentlicht. So enthält jedes Monathcft des Corriere Jsraelitico von Triest die Beschreibung einer italienischen Gemeinde in ihrem jetzigen Zustande, sammt ihren religiösen, Wohlthätigkeits- und Unterrichtsanstalten, welche recht interessant zu lesen sind. Es mag als Curiosum nicht unbemerkt bleiben, daß auch die von der Unit» Cattolica in Turin veranstaltete Collecte des Danaro di S. Pietro von einem Israeliten von Modena mit 100 Frs. bedacht worden ist. Diese Gabe, welche gewiß nicht Allsfluß von Stumpfsinn ist, ist nichts desto weniger widersinnig, wenn er behauptet, daß die weltliche Herrschaft des päpstlichen Stuhles für die Wohlfahrt der Israeliten nothwendig ist; etwa damit sich Mortara- und Coen- Fälle unter deren Schutze ereignen mögen? Die Uiiitä. Cattolica, welche von uns stets mit der im Stock-Mittelalter gebräuchlichen Phraseologie mit Wegwerfung und Verachtung spricht, widmete dieser Gabe die Ehre eines leitenden Artikels am 1. Januar dieses Jahres!!! Türke i. Konstantmopel, 21. Dez. lNach den Arch. isr.) Vor kurzem verlor hier die israelitische Glaubensgenossenschast einen ihrer bedeutendsten Vertreter, den Bankier Raphael Salomo Camondo, einen Mann, der seine hervorragende Stellung zum Heile seiner Glaubensgenossen mit Energie benutzte, und selbst von der Undankbarkeit derselben sich nicht zlirückschrecken ließ. Er starb unerwartet in kräftigem Mannesalter. Am 19. Dezember fand sein Leichenbegängniß Statt. Eine ungeheure Bereinigung von Bürgern, die zu den verschiedensten Religionen gehörten, in deren Reihen man die Repräsentanten aller Berwaltungsgrade, des Richterstandes, der Advokatur, der Finanz, des Handels bemerkte, drängte sich in der Camondo-Straße, wo sich das Hotel des edlen Verstorbenen befindet. Trotz des schlechten Wetters, eine solche öffentliche Theilnahme einer ganzen Bevölkerung an dem Unglücke einer Familie ist in Konstantinopel noch nicht gesehen worden, selbst bei dem Tode der größten Minister, der höchsten Staatsbeamten. Der Leichen - zug wurde von den Herren Beneziani, Castro, Fua, Palacci geführt. Eine Abtheilung Linientruppen mit der Musik der großherrlichen Garde an der Spitze, bildete Spalier. Dann kamen die Zöglinge der Schulen mit Direktor und Lehrern, und hieraus folgten die Chachamim, welche während des ganzen langen Zuges abwechselnd die Gebete des spanischen Ritus sangen. Ein Vorfall, der auf das Publikum einen lebhaften Eindruck machte und einen allgemeinen Ruf des Erstaunens hervorrief, war, daß, als der Leichenzug an dem Hasen der Dampfbote vorüberkam, die in dem letzteren liegenden Schiffe ihm einen Gruß zusandten, indem sie freiwillig ihre Segel senkten, eine Ehre, die sonst ausschließlich Souveränen erwiesen wird. Als man vor der armenischen Kirche ankam, begannen die Glocken hell zu läuten, und der Bischof, in seiner

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