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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-02-05 · Heft 6 (5.2.1867) · p. Seite 114

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 6 (5.2.1867)
Date
1867-02-05
Page
Seite 114 (sequence 10)
Language
German
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114 die riöthige Entsagung fehlt auch nicht. Anerkennenswerth ist nur die schöne Sprache in wohlklingenden Versen, die nur hier und da, wo der Vers, aus dem Pathos herausschreiten will, Fehlgriffe bietet. Auch ist überall der edle Wille, die erhabene Auffassung zu loben. Abseitens dessen fehlt es aber an einem einheitlichen Gange, an zusammenhängender psychologischer Entwickelung. Ueberall sind Sprünge, und der Zweck vieler Einzelheiten wird nicht klar. Eigenthümlich geht es dem Verfasser mit den Wundern. Er vermeidet sie ängstlich, und legt Moses bei den zehn Plagen das Wort in den Mund, daß er den egyptischen Aberglauben für die gute Sache nutzbar mache. Zuletzt, am rothen Meer, muß er dennoch seine Zuflucht zum Wunderbaren nehmen. Bemerken wollen wir noch, daß der Verf. öfter die Bezeichnung „Jude" mit der mittelalterlichen Beimischung des Hohnes gebrauchen läßt. In Egypten war dieser Name noch unbekannt; höchstens konnte so ein Mann aus dem Stamme Juda heißen, und Moses war bekanntlich aus dem Stamme Levi. — „Der Gottes-Acker. Predigt. Gehalten bei der feierlichen Grundsteinlegung des israelitischen Friedhofs in Außig a. d. E., vom Kreisrabbiner David Pick. Teplitz, 1866." Diese von der Gemeinde in Außig zum Besten ihres Synagogenbaues gedruckte Predigt knüpft die Bedeutung des^ Gottesackers an die drei hebräischen Bezeichnungen Betli Ilakbaroth Stätte der Gräber, Beth Chajim Stätte des Lebens, Beth Olam Stätte der Ewigkeit. Der Redner führt dies in ergreifendster und erhebendster Weise, in reinster, edelster Sprache aus. — Bonn, 25. Jan. (Die israelitische Bibelanstalt.) Obgleich erst ein halbes Jahr nach den letzten Abdrücken aus den revidirten Platten unserer Bibelausgaben verflossen ist, sind.wir durch den sich immer mehrenden Absatz genöthigt, schon wieder neue Abdrücke zu veranstalten, und zwar von den Ausgaben mit kleinen Typen die gesammte hebräisch-deutsche Bibel, den hebräischen Pentateuch und den hebräisch-deutschen Pentateuch, von den Ausgaben mit großen Typen den hebräisch-deutschen Pentateuch. Wir erwähnen dies, theils um die segensreiche Wirksamkeit unserer Anstalt zu bekunden und allen denen eine Freude zu machen, welchen die Verbreitung des Gotteswortes am Herzen liegt, theils um bemerklich zu machen, wie dauernd sich die Brauchbarkeit unserer Ausgaben bewährt, und daß wir sie mit Recht zu immer ausgedehnterer Benutzung empfehlen können. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Königsberg i Pr. 22. Januar. (Privatmitth.) Die Ausschließung der Juden von Lehrämtern an der hiesigen Universität geht endlich ihrem Ende entgegen. Der Minister des Cultus und der geistlichen Angelegenheiten hat vor 14 Tagen das Curatorium der Universität aufgefordert, das Concilium generale zur unbeoingten Aufhetzung des §. 105 der Universitätsstatuten, wonach der Hock'.hule der specifische Charakter einer rein evangelischen Lehranstalt aufgedrückt, zu veranlassen. Bislang hatte das Concilium nur unter der Bedingung für die Streichung des bewegten Paragraphen gestimmt, wenn die Zahl der nichtevangelischen Lehrer die der evangelischen nicht überschreite, die Katholiken nicht zum Prorectorat und Stipendienverwaltern, und die Juden nicht zum Decanat zugelassen würden. Der Minister weist die Zulässigkeit dieser Beschränkungen zurück und wünscht die unbedingte Lehrfreiheit für alle Confessionen.*» Das Concilium hat vorerst die Mittheilung des Ministers entgegengenommen und wird nächstens die Frage selbst endgültig entscheiden. Außer den Theologen werden nur noch einige wenige aus der juristischen und philosophischen Facultät gegen die Aufhebung des qu. §. stimmen; die Mehrheit von :1,4 wird wohl mit ja stimmen. Königsberg i. Pr. 25. Jan. Das Concilium generale der Universität hat mit 22 gegen 8 Stimmen die Streichung des Paragraphen des Statuts beschlossen, nach welchem nur Evangelische an der Universität fungiren können. Die völlige Parität aller Konfessionen ist hiermit unbedingt beschlossen. Berlin, 25. Jan. In der heutigen Sitzung beantwortete der Ministerpräsident die Interpellation des Abg. v. Waligorski, über welche wir in vor. Man kann nicht verkennen, daß dieses Vorgehen des Herrn Kultusministers eine Wirkung der durch die Petitionen hervorgerufenen Bewegung ist. Uebrigens kann der Herr Minister in Konsequenz der an die Universität gestellten Forderung den Juden, vorkommenden Falls, auch nicht mehr die ordentliche Professur versagen. Die Redaktion.

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