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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-02-05 · Heft 6 (5.2.1867) · p. Seite 113

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 6 (5.2.1867)
Date
1867-02-05
Page
Seite 113 (sequence 9)
Language
German
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11L wählte Volk der Kunst, was vielleicht auch Herr Spielhagen zugeben wird, ohne den Borwurf der Menscheumäkelei sich gefallen zu lassen, so sind die Juden das auserwählte Volk der wahren, reinen Religion, welche die civilisirte Welt erst von ihnen und durch sie zum Theil empfangen, jedoch mit dem sehr bedeutenden Unterschiede, daß das auserwählteVolk der Kunst seine Mission längst erfüllt und vom Schauplatz der Weltarbeit abgetreten ist, das auserwählte Volk der Religion aber seineArbeit noch nichtvollendet hat und darum trotz der Leiden, die es erdulden mußte, trotz Spielhagen und Consorten, noch leben muß und wird, bis die Erde voll ist der Erkenntniß Gottes, wie das Wasser das Meer bedecket." Doch daß es dem Herrn Spielhagen bei diesem Seitenblick auf die Juden nicht so sehr genau aus Wahrheit ankam, beweist ja schon der Ausdruck, den er gewählt. „Menschenmäkelei!" Warum sagt er nicht: „Gerade die Juden, die sich für das ausgewählte Volk Gottes hielten, hatten später selbst am meisten darunter zu dulden, wenn sie an diesem Glauben festhielten?" Weil eben Herr Sp. trotz Liberalismus und Demokratie ein Judenfeind ist, der jede Gelegenheit, selbst einen Vortrag über Lessiugs Nathan, willkommen heißt, dem Juden einen Hieb zu versetzen. Fragen wir uns nun: Soll man hiegegen Etwas und Was thun? so erscheinen mir diese Ausgeburten des Judenhasses der Romanciers zwar nicht gefährlich, aber auch nicht so irrelevant, daß man sie ganz mit Stillschweigen übergehen könnte. Denn Romane kommen in sehr viele und verschiedeneHände, und Vorträge, wie der des Herrn Spielhagen im Berliner Handwerkerverein zum Besten des Unterrichts, wenden sich hauptsächlich an eine Klasse der Gesellschaft, die zum größten Theil fast ausschließlich aus denselben ihre Belehrung schöpft und gerade solche Bemerkungen, die in den eigenen Vorurtheilen mehr oder minder lebhaften Widerhall finden, setzen sich am meisten fest und bestärken jene. Daß es aber unsere Aufgabe ist, gegen diese Vorurtheile anzukämpfen und sie zu beseitigen, wird nicht blos jeder Jude, sondern jeder Billigdenkende zugeben. Zunächst wird nun freilich das Leben selbst das beste und erfolgreichste Mittel hierzu sein, daß nämlich die Handlungsweise der Juden jene Vorurtheile und böswillige Verläumdung thatsächlich Lügen straft. Sodann aber ist es unsere Pflicht, die Verläumder zu kennzeichnen und ihrem Treiben entgegenzuwirken. Besonders könnten diejenigen unter uns, die wie Sie, Herr Redakteur, auch auf dem Gebiete der Belletristik Tüchtiges leisten, durch Schilderungen des Juden der Gegenwart, wie er in Wahrheit ist, jenen falschen und feindlichen Verunglimpfungen wirksam entgegentreten. Märkisch Friedland, im December 1866. Or. P. Buch holz, Rabbiner. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 24. Januar.Angekommen: Osarshph. Drama in fünf Aufzügen von Richard Merckel, enthalten in „Deutsche Schaubühne," herausgegeben von Martin Perels. 7. Jahrgang 1S66. Heft 10. (In Commission bei Oscar keiner. Leipzig 1866.) Nichts schwieriger als Dramen über biblische Gegenstände. Der Mangel des Reizes an einem unbekannten Stoffe müßte durch Mannigfaltigkeit und Erhabenheit der Situationen, durch großartige Zeichnung der Charaktere und eine tief ergreifende Sprache ersetzt werden. Ader in allem diesem hat der Dichter einen meist unüberwindlichen Rivalen in der heiligen Schrift selbst, welche mit ihrem Lapidarstyl Situation und Charakter so bedeutsam zu geben weiß, daß sie zu übertreffeu ein oft gewagtes und stets gescheitertes Unternehmen ist. Hierzu kommt, daß der Leser oder-Zuschauer stets eine genaue Vergleichung aller Zuthateu des Dichters in Bereitschaft hat und alles Kleinliche und Gewöhnliche in der Erfindung sofort zu erkennen vermag und von den in seiner Seele lebenden großen Figuren der Schrift zurückweist. Die moderne Dichtung bedarf der Ausmalung ins Einzelnste hinein und hat darum auch nöthig, den engsten Zusammenhang in allen Vorgängen hervortreten zu lassen. Dadurch werden die biblischen Persönlichkeiten in den Kreis des Gewöhnlichen hinnntergezogen, wo sie völlig am Unrechten Platze sind. An diesen Schwierigkeiten scheiterte auch der Dichter des Osarsyph. Aus Letzerem nämtich entpuppt sich bald Moses, der Sohn Amrams, und das Drama behandelt dessen Lebensgeschichte bis nach dem Uebergang durch das rothe Meer. Moses hat als egyptischer Feldherr einen glücklichen Kriegszug gemacht, gilt als Enkel und Erbe des Pharao, wird in die Geheimnisse der Priester eingeweiht, dann wird seine israelitische Abkunft entdeckt, er tödtet seinen Feind u. s. w., u. s. w. Eine Liebesgeschichte mit einer gefangenen Königin und

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