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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1867-02-05 · Heft 6 (5.2.1867) · p. Seite 109

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
31 (1867)
Issue
Heft 6 (5.2.1867)
Date
1867-02-05
Page
Seite 109 (sequence 5)
Language
German
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lüg findet es in Jost, Geschichte der Israeliten seit der Zeit der Makkabäer (Berlin 1828) Th. VIII. S. 128 sf. Allgemeine Geschichte des israelitischen Volkes (Berlin 1832) Bd. II. S. 470. Geschichte des Judenthums (Leipzig 1859) Bd. III. S. 184. Nur nennt Jost im ersten und dritten Werke den Abenteurer Jakob Frank, im zweiten Joseph Frank. Das Ganze ist noch immer von einem Mysterium umgeben, und der Schleier durchaus noch nicht gelüftet. In Nr. 46 v. I. drückten wir bei Gelegenheit einer Correspondenz aus Prag, in welcher von Herrn Moses vou Portheim erwähnt ward, daß er in seiner Jugend bei Frank in Offenbach gewesen sei, den Wunsch aus, daß dieser edle Greis sich veranlaßt fühlen möge, seine persönlichen Erlebnisse hinsichtlich dieses interessanten historischen Räthsels mitzutheilen. Gerade mit Bezug auf diese unsere Bemerkung erhielten wir jüngst folgende Broschüre: „Die Polen in Offenbach am Main. Historische Erzählung aus den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts bis 1817. Herausgegeben von A. G. Schenck-Rinck. Frankfurt a. M. 1866." Der Verfasser hat in persönlichen Beziehungen zu jenem Vorgänge gestanden. Als der Baron Frank aus Brünn nach Offenbach übersiedeln wollte und das ihm zu Gebote gestellte fürstliche Palais noch nicht in Stand gesetzt war, vermiethete sein Großvater ein ihm zugehöriges Gebäude im Dorfe Oberrad an Frank, das dieser auch bezog und bewohnte. Die elterliche Familie des Berf. blieb in persönlichen Beziehungen mit den Franks, war auch später öfter in deren Palais und leider auch bei den von Frank contrahirten Anleihen betheiligt, so daß sie ihr Vermögen dabei verlor. Als Knabe war der Vers, selbst zum Besuche bei der Eva Frank. Seine authentischen Erinnerungen giebt er in dieser Broschüre, veranlaßt durch eine Erzählung in der „Gartenlaube" und andere Versuche, diese Begebenheit „von ihrem politischen Standpunkte auf religiösen Boden' zu verpflanzen." Das Eigenthümliche in dieser Broschüre ist eben, daß mit völliger Entschiedenheit der religiöse Charakter des ganzen Vorgangs, namentlich aber sein Zusammenhang mit dem Juden 1hume völlig verneint wird. Was seine Vermuthungen über die Person jenes geheimnißvollen Barons betrifft, so können wir sie bei Seite lassen, da er sie selbst für Nichts mehr ausgiebt. Er hält nämlich jenen für Peter- HI., „der nach kaum sechsmonatlicher Negierung auf gewaltsame und geheiwnißvolle Weise von der Weltbühne schied, ohne daß der Glaube an seinen Tod Wurzel faflen wollte." Schon in Wien entfaltete jener Mami eine große Pracht, und ebenso in Brünn, und trieb das ganze Spiel mit fürstlichem Pomp und Leibwachen, was der Berf. für einen Beweis hält, daß er aus fürstlicher Familie gewesen sein müsse, weil sonst die österreichische Regierung jenes nicht zugegeben hätte. Aus Wien sei er gegangen, weil der Kaiser Joseph sich in die Eva von Frank verliebt gehabt, und aus Brünn, weil die Gläubiger ihn dort haben verklagen wollen. Er habe sie bezahlt und habe Brünn trotz aller Bitten der Einwohner verlassen. Ebenso schließt der Vers, daraus, daß der Fürst von Isenburg dem Flüchtling eines seiner eigenen Schlösser eingeräumt und die freie Stellung wie einem Fürsten gestattet habe, daß ihm die Persönlichkeit des Barons als vom höchsten Range bekannt gegeben und erwiesen sein mußte. Der Vers, beschreibt nun ausführlich den pomphaften Einzug des Fremden, seine Erscheinung und die seiner drei Kinder, die jenen jedoch nur als Pflegevater bezeichneten. Er leugnet die jüdische Abkunst der Familie. „Weder die Familie, sagt er, noch insonderheit Fräulein Eva von Frank ließ in ihrer Persönlichkeit, Auftreten und Benehmen im Entferntesten eine jüdische Abkunft vermuthen, ihr ganzes Auftreten war das einer geborenen Fürstin." Das Gefolge steigerte sich bis zu 1000 Köpfen. Er schildert die Pracht und Lebensweise, die völlige Abgeschlossenheit und sorgfältige Bewachung, die außerordentliche Wohlthätigkeit und Freigebigkeit. Jeden Sonntag fuhren sie in die Messe. Man hat von einem Reiter erzählt, der dem Zuge voranritt, und einen um den ganzen Oberkörper und den Bauch des Pferdes gewundenen Schlauch führte. Es sei dies nichts Geheimnißvolles gewesen, sondern der Schlauch mit Wasser gefüllt, um die Chaussee zu besprengen, wenn sie staubig gewesen. Später baute sich der Fremde eine eigene katholische Kapelle. Man hat ferner behauptet, die Familie habe auf einem freien Platze im Walde Gottesdienst gehalten. Auch das sei falsch. Der Großvater des Verfassers habe die Familie auf diesen Platz aufmerksam gemacht, um eine Stunde im Freien zuzubringen, und oftmals hätten sich seine und die fremde Familie hier verabredete Zusammenkünfte gegeben. Der alte Mann ließ dann Teppiche ausbreiten, setzte sich nieder und rauchte seine türkische Pfeife. Nirgends war eine Spur von einer religiösen Handlung. Der Verf. sagt: „Weder von meinen Verwandten noch von meinen Eltern, die vorzugsweise in steten: freundlichen Verkehr, mein Vater in ununterbrochener Geschäfsverbindung mit der Familie

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